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Studie zu Depressionen Mehr Krankschreibungen

Berufstätige bekommen in Rheinland-Pfalz mehr Antidepressiva verschrieben und Baden-Württemberg hat die geringsten Fehlzeiten wegen Depressionen, so die Studie der Techniker Krankenkasse.

Manche Berufe machen depressiver als andere. Wer in Callcentern Telefondienst schiebt oder als Altenpfleger oder Lehrer arbeitet, ist anfälliger. Selbstbestimmtere Jobs wie Geschäftsführer, Ärzte oder Professoren sind weniger häufig depressiv. Erschreckend hoch ist die Zahl der Frauen, meint Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse: "Ein drittel aller Frauen in Deutschland hat jedes Jahr eine psychische Diagnose. Also ein Drittel der Frauen sind psychisch krank. Da muss man sich schon fragen, ist die Definition von krank richtig? Das ist sicher eine auffällige Zahl."

Versteckte Depressionen

Männer trauen sich wohl nicht so häufig zuzugeben, dass sie Depressionen haben. Mancher vermeintliche Alkoholismus ist eigentlich eine versteckte Depression. Zwar sind Depressionen nicht so häufig wie die Volkskrankheit Rückenschmerzen, wer aber deswegen krankgeschrieben wird, fehlt viel länger im Betrieb, bis zu drei Monate. Das ist für die Firmen mittlerweile ein ernstzunehmender Faktor. Jens Baas: "Bei 13.000 Mitarbeitern fehlen uns etwa 35 bis 40 Arbeitsplätze jedes Jahr alleine aufgrund von Depressionen."

Baden-Württemberger seltener arbeitsunfähig


Medikamente helfen, werden in Deutschland aber ganz unterschiedlich verteilt. Im Osten schlucken die Menschen wesentlich weniger Pillen als im Westen. Spitzenreiter ist hier Rheinland-Pfalz. Bei Fehlzeiten ist Baden-Württemberg top, hier klagen die wenigsten über Depressionen. Jens Baas: "Der Baden-Württemberger ist zum Beispiel weniger arbeitsunfähig als der Rheinland-Pfälzer. Verschrieben kriegen sie beide durchaus Medikamente, das liegt sicher nicht an der Versorgung. Da scheinen also irgendwo kulturelle Unterschiede eine Rolle zu spielen, vielleicht auch die Art der Industrie und die Arbeitsplätze, die in dem jeweiligen Bundesland vorhanden sind."

Depressionen nehmen zu

Auf jeden Fall sind Stressfaktoren für Depressionen mit verantwortlich. Vor allem Menschen in der Rush-Hour des Lebens, die Karriere und Kinder unter einen Hut bringen müssen, haben oft das Gefühl, auch in der Freizeit nicht mehr zur Ruhe kommen zu können. Die Ärzte müssen in Zukunft dann noch besser unterscheiden, wen sie wie behandeln, so Jens Baas von der Techniker Krankenkasse: "Es ist wichtig die Krankheit Depression von der Verstimmung abzutrennen. Nicht jeder der traurig ist, hat eine Depression. Wer aber eine Depression hat, muss auch vernünftig behandelt werden. Ich glaube, dieses vernünftig auseinander zu dividieren, das ist eine der Herausforderungen." Denn eines ist klar: Depressionen werden in den nächsten Jahren zunehmen, so die Experten.