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Deutschland ist in Europa das einzige Land mit einem dualen Krankenversicherungssystem. Aber: Was wäre, wenn alle Bürger gesetzlich versichert wären? Das könnte offenbar Geld sparen.

Wenn alle in Deutschland versicherten Menschen in einer gesetzlichen Versicherung wären, könnten die Beiträge dafür erheblich sinken. Das ist das Ergebnis einer Studie des Berliner Iges-Instituts im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung.

Durchschnittlich 145 Euro pro Jahr sparen

Die Studie nennt auch konkrete Zahlen. Beziehe man die finanziell leistungsstärkeren Privatversicherten in die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) ein, könnten jedes aktuell in der GKV versicherte Mitglied und sein Arbeitgeber zusammen im Schnitt 145 Euro pro Jahr sparen. Das sind rund 12 Euro monatlich.

Seit 2007 gibt es eine Versicherungspflicht in Deutschland. Doch durch das duale Krankenkassensystem gibt es den Vorwurf der Zweiklassenmedizin. Was ist dran?

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Privatvesicherte sind tendenziell gesünder

In Privatversicherungen seien vor allem Gutverdiener, Beamte und einkommensstarke Selbstständige. Laut der Untersuchung verdienen sie mindestens 56 Prozent mehr als gesetzlich Versicherte und sind tendenziell auch gesünder.

Die Studie kalkuliert: Wären sie in der GKV, könnte diese jährlich mit einem Nettofinanzüberschuss von 8,7 bis 10,6 Milliarden Euro rechnen. Der Beitragssatz ließe sich so um 0,6 bis 0,7 Prozentpunkte senken.

Auch wenn der Honorarverlust der Ärzte durch den Wegfall von Privatpatienten miteinberechnet werde, könne der Beitragssatz verringert werden, hieß es. Dann laut der Studie um etwa 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte. Das wären dann rund vier Euro im Monat.

Nur wenn sich alle Versicherten unabhängig vom Einkommen zusammentun, um die Risiken zwischen Gesunden und Kranken auszugleichen, kann eine tragfähige Solidargemeinschaft entstehen.

Brigitte Mohn von der Bertelsmann-Stiftung

Private Krankenversicherungen: Bertelsmann-Studie ist „fragwürdig“

Der Geschäftsführer des Verbands der Privaten Krankenversicherung, Stefan Reker, kritisiert im SWR die Studie scharf: "Diese 145 Euro vermeintlicher Gewinn für jeden Versicherten wäre im Gegenzug über 54.000 Euro Verlust für jede Arztpraxis pro Jahr". Er kenne niemanden, der glauben würde, dass dadurch die medizinische Versorgung oder die Wartezeit besser würden, sagte Reker.

Kein anderes EU-Land hat ein duales Krankenversicherungssystem

In Europa gibt es nur in Deutschland ein duales Krankenversicherungssystem. Die Studie basiert auf den aktuellsten Daten aus einer jährlich durchgeführten Wiederholungsbefragung von rund 12.000 Haushalten. Die letzte fand im Jahr 2016 statt.

Deutschlandweit sind rund neun Millionen Menschen privat versichert. Die GKV zählte 2016 rund 70 Millionen Versicherte, derzeit sind es gut 73 Millionen.

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