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Studie der Universität Hohenheim Social-Media-Nutzung macht gesellig

Millionen Menschen twittern, posten, liken und whatsappen stundenlang am Tag. Kritiker meinen, dass dies zu Vereinsamung im realen Leben führt. Genau dem widerspricht nun eine neue Studie.

Ein Smartphone mit großem WhatsApp-Logo vor einem Notebook mit großem Facebook-Logo

Von Vereinsamung und Social-Media-Nerd kann nach einer neuer Studie keine Rede mehr sein.

Jeden Tag verbringen viele Menschen Stunden in Sozialen Netzwerken. Sie posten und teilen Links bei Facebook, twittern, schauen Videos bei YouTube und whatsappen. Eine aktuelle Studie der Universität Hohenheim zeigt nun, dass dieses Verhalten gut für die persönliche Kommunikation ist.

In der Studie wurden untersucht, wie häufig Menschen im persönlichen Gespräch kommunizieren und wie häufig sie sich in sozialen Netzwerken wie Facebook sowie über InstantMessager aktiv austauschen. Dabei hat sich gezeigt, dass Menschen die sehr aktiv im persönlichen Gespräch sind, auch in sozialen Netzwerken aktiv sind.

Soziale Netzwerke als ein Kommunikationsweg von vielen

Hauptverantwortlich für die Studie ist Medienpsychologe Tobias Dienlin vom Institut für Kommunikations-Wissenschaften an der Uni Hohenheim. "Eine zweite Erkenntnis der Studie ist, dass Menschen die zunächst sehr aktiv in Sozialen Netzwerken waren, später auch im persönlichen Gespräch aktiver waren", so Dienlin im SWR-Gespräch. Demnach findet Kommunikation immer in beide Richtigen statt. Wenn man also ein Gespräch digital beginnt, kann es später auch persönlich fortgesetzt werden. "Der Kommunikationskanal ist meist gar nicht so wichtig", so Dienlin.

Eine junge Frau sitz an einem Tisch mit einer Tasse Kaffee und hält ein Smartphone in der Hand.

Junge Menschen wählen intuitiv Kommunikationsmittel für verschiedene Anlässe aus.

Gerade junge Menschen haben der Studie zufolge ein gutes Gespür dafür, in welchen Situationen man welches Kommunikationsmittel nutzt. Beispielsweise werden persönliche Probleme eher nicht auf der öffentlichen Facebook-Pinnwand diskutiert, sondern meist im privaten Gespräch.

Wann ist welcher Kommunikationskanal der richtige?

Mit der Fülle an Kommunikationskanälen wird es immer wichtiger, zu erkennen, welcher Kanal für welchen Anlass geeignet ist, meint Medienpsychologe Dienlin. Früher musste man sich oft nur entscheiden, was man am Telefon bespricht und was vielleicht doch im persönlichen Gespräch. Heute eignen sich beispielsweise WhatsApp-Gruppen sehr gut, um gemeinsam mit mehreren Veranstaltungen oder Urlaube zu planen.

Es gibt aber auch den Punkt, ab dem die Social-Media-Nutzung ins Negative kippt. Das ist laut Dienlin dann der Fall, wenn soziale Medien nur passiv genutzt werden, also wenn man nur Profile von anderen anschaut ohne mit ihnen aktiv zu kommunizieren. Denn öffentlich zeigen die meisten Menschen nur Positives. Das kann bei passiver Nutzung schnell zu Neid und Frust über das eigene Leben führen. "Auch bei einer exzessiven Nutzung zeigt sich, dass die Effekte eher negativer werden", so Dienlin.

Von Mario Demuth