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Streife am Bahnhof Stuttgart Die ersten, die sich um Flüchtlinge kümmern

In Stuttgart hat die Bundespolizei allein am vergangenen Wochenende 180 Flüchtlinge registriert. Ein SWR-Reporter begleitete eine Streife am Stuttgarter Bahnhof.


Die große Zahl von Flüchtlingen, die in Deutschland Schutz und Asyl suchen, stellt die Behörden vor gewaltige Aufgaben. Utku Pazarkaya von SWR International war in der Nacht zum Mittwoch mit Beamten der Bundespolizei auf Streife. Er schildert seine Eindrücke.

Sind heute Nacht viele Flüchtlinge angekommen?

Also ich habe in wenigen Stunden circa 30 Flüchtlinge gezählt. Morgens gegen 1.30 Uhr haben sich dann noch zwei irakische Familien mit sechs kleinen Kindern gemeldet, darunter ein Baby. Die Beamten haben im Revier allen gleich Wasser gegeben und provisorisch Matten hingelegt, damit die sich dort auch ausruhen konnten.

In welchem Zustand befinden sich die Flüchtlinge denn nach dieser langen Reise?

Eine irakische Frau gibt ihrem kleinen Kind Wasser zu trinken

Eine irakische Frau gibt ihrem Kind Wasser zu trinken

Ich bin mitgegangen, als die Beamten drei afghanische Jugendliche im Bahnhof abgeholt haben. Bei deren Anblick bin ich dann doch erschrocken. Einer kauerte an der Wand, war kaum noch ansprechbar. Die hatten alle keine Jacken an, nur Shirts, und haben natürlich gefroren. Auf dem Revier haben die Beamten ihnen Decken gegeben und etwas Warmes zum Anziehen.

Für einen der Jugendlichen musste der Rettungssanitäter kommen, weil er Schmerzen hatte. Er hat erzählt, dass er sich auf der Flucht verletzt hat. Ziemlich elend sah auch ein Flüchtling aus Pakistan aus: Er hat sich gekrümmt, weil er Nierenschmerzen hatte. Auch um ihn kümmerte sich der Rettungssanitäter. Der Flüchtling hatte ein Handy, Zigaretten und wenige Cents bei sich und keine Jacke.

Ich habe aber auch einen jungen Syrer gesprochen, ein Student. Dem ging es richtig gut. Der war einfach nur glücklich in Deutschland zu sein. Ich bin überhaupt nicht müde, hat er gesagt. Er war wohl rund zwei Wochen unterwegs, unter anderem auch mit dem Flugzeug.

Wie ist denn das Prozedere danach, wenn sich Flüchtlinge gemeldet haben?

Ein junger Flüchtling telefoniert mit einem Dolmetscher

Manchmal sind Telefonate mit einem Dolmetscher nötig

Die Flüchtlinge werden zuerst gründlich durchsucht, wobei das recht zügig geht. Die meisten hatten kaum etwas dabei. Dann werden die Fingerabdrücke genommen und mit den Datenbanken abgeglichen. So stellen die Beamten fest, ob der Flüchtling schon einmal in Deutschland war. Die Beamten nehmen den Namen auf, das Alter und so weiter. Das ist aber gar nicht so einfach wie es klingt, denn viele Flüchtlinge sprechen kein Englisch. Zum Teil sind es auch Analphabeten und dann muss ein Dolmetscher weiter helfen.

Wie bewältigt die Polizei denn diese Mehrarbeit?

Um es noch mal mit Zahlen zu illustrieren: Es gibt eine Statistik "unerlaubte Einreisen". Im Jahr 2013 waren das gerade mal 70 Personen, ein Jahr später 1.600 und inzwischen haben wir auch schon diese Marke geknackt. Als am vergangenen Wochenende so viele Flüchtlinge gekommen sind, mussten Beamte aus Karlsruhe, Weil am Rhein und vom Flughafen die Stuttgarter Kollegen am Bahnhof unterstützen.


Onlinefassung: Biggi Hoffmann / Christine Trück