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Wir sehen mittlerweile recht häufig die Bilder von Tanklastwagen, die großflächig Desinfektionsmittel auf leere Straßen, Parks, Gehwege und Hauserwände sprühen. Das sind meist Bilder aus China. Mittlerweile auch aus Südamerika, Italien und Spanien. Anja Braun aus der SWR-Wissenschaftsredaktion erklärt, ob diese Maßnahmen sinnvoll sind.

Was genau wird versprüht?

Es werden verschiedene Mischungen eingesetzt, aber erst mal – und das ist die positive Nachricht: Das sind keine Mittel, die wir zur Handdesinfektion verwenden könnten. Diese Mittel fehlen uns also nicht.

Stattdessen werden oft Oxidationsmittel verwendet – wie zum Beispiel verdünntes Wasserstoffperoxid. Das baut sich in der Umwelt oder durch Essigsäure rasch ab. Diese Mittel werden in der Regel auch zur Aufbereitung von Trinkwasseranlagen benutzt und sind deswegen unschädlich.

In Italien, Spanien und Frankreich unterstützen auch Landwirte ihre Gemeinden, indem sie mit ihren großen Pflanzenschutzspritzen Chlorbleiche auf öffentliche Straßen und Plätze sprühen. Dadurch sollen die Viren abgetötet werden. Auch diese Spritzlauge ist weitgehend unschädlich für Mensch und Natur.

Deutschland setzt auf andere Maßnahmen im Schutz gegen die Verbreitung des Virus. Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) betonte erneut, wie wichtig es ist, diese weiter einzuhalten:

Ist das überhaupt sinnvoll?

Die deutschen Experten halten nichts davon. Denn: Das Virus wird größtenteils durch Tröpfcheninfektion übertragen – also direkt von Mensch zu Mensch. Und in der Umwelt kann es sich gar nicht lange halten. Es gibt zwar Studien zur Haltbarkeit von diesem Virus, aber unter Laborbedingungen. Da konnte es sich länger halten als draußen bei Luft, Sonne, Wind und Regen. Dort hat das neuartige Coronavirus wirklich wenig Chancen, aktiv zu bleiben.

Außerdem wird das Virus durch Hautkontakt übertragen. Den gibt es mit der Straße und öffentlichen Plätzen eigentlich nicht. Und selbst wenn man es dort an die Hände bekommt, ist die Menge der Viren in der Regel so gering, dass sie keine Infektion auslösen können. Es besteht natürlich trotzdem ein theoretisches Risiko, aber die Wahrscheinlichkeit geht gegen Null.

Die Hygieniker finden es sinnvoller, an öffentlichen Orten zu desinfizieren, an denen sich viele Menschen begegnen – zum Beispiel Türklinken, Lifte, Knöpfe oder Haltestangen in Bussen, Bahnhöfen oder Wartezimmern.

Warum wird dann so viel versprüht?

Das ist sicherlich eine Art Aktionismus – um zu zeigen, dass der Staat etwas gegen Corona tut. In Südkorea haben die Behörden sogar erklärt, man wolle mit den Maßnahmen den Bürgern helfen, damit sie sich sicherer fühlen.

Möglicherweise gehört das in manchen Ländern auch einfach zum Standardrepertoire bei Pandemien. Allerdings könnten Kraft und Energie durchaus sinnvoller verwendet werden – zum Beispiel um das Gesundheitssystem zu unterstützen.

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