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Statt vergasen und schreddern: Rettet den Bruder-Hahn!

Rund 60 Millionen Küken werden in Deutschland jedes Jahr vergast - weil sie die Brüder von Legehennen sind. Denn wer keine Eier legen kann, ist nutzlos. Sie werden nur wenige Stunden nach ihrer Geburt getötet, meistens vergast und geschreddert. Doch es regt sich Widerstand.

Hühner im Stall

Viele Verbraucher wünschen sich Hühner in artgerechter Umgebung

Tiere sind Lebewesen, keine Abfallprodukte, meinte auch der Verbraucherschutzminister in Nordrhein-Westfalen und hat das Töten dieser Eintags-Küken aus Tierschutzgründen verboten. Damit ist Nordrhein-Westfalen das erste Bundesland, das ein solches Verbot ab dem kommenden Jahr durchsetzt. Darüber hinaus gibt es noch andere Versuche - kleine -, wie die "Hänsel-und-Gretel-Eier" eines südbadischen Hofes. Dort werden die Eier zwei Cent teurer verkauft, um die männlichen Küken mit durchzufüttern.

Das Modell "Bruderhahn-Initiative"

Es gibt auch Initiativen, die groß werden wollen, um es vom Hofverkauf bis in die Bioläden zu schaffen, zum Beispiel die "Bruderhahn-Initiative": Zahle vier Cent mehr fürs Bio-Ei und rette damit meinen Bruder! So einfach funktioniert die Bruderhahn-Initiative Deutschland, erklärt Thomas Müller vom Hofgut Brachenreuthe bei Überlingen. "Wir erheben pro Ei einen Aufschlag von vier Cent für diese Aufzucht der Brüderhähne. Davon gehen drei Cent direkt als Futterkostenzuschuss an den Junghennen-Aufzüchter, damit er die Brüder aufziehen kann, weil er erhöhte Kosten hat." Und so dürfen diese gelben Federflauschbällchen auf zwei Beinen weiter durchs Leben purzeln, anstatt vergast und geschreddert zu werden. Dafür sorgt der Junghennen-Aufzüchter mit seinem gentechnikfreien Biofutter.

"Der mästet dann die Brüder gemeinsam mit den Schwestern. Ungefähr neun Wochen lang laufen sie gemeinsam in einem Stall. Und dann sind sie zu groß, weil man sie einfach trennen muss, weil sonst der Stall zu klein wird." Die Schwestern kommen dann als Legehennen auf verschiedene Biohöfe. Die Brüder werden nach den neun Wochen geschlachtet und in Babynahrung verarbeitet oder als Brathähnchen hauptsächlich in Bioläden verkauft.

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Biohähnchen leben doppelt so lang

Die Hennen finanzieren ihren Brüdern ein längeres Leben

Die Hennen finanzieren ihren Brüdern ein längeres Leben

Die Bruderhähne haben bis dahin mehr als doppelt so lange gelebt, als die Masthähnchen aus der konventionellen Haltung. Die werden innerhalb nur eines Monats auf Gewicht gebracht und geschlachtet. Biohähnchen dagegen werden sowieso mindestens neun Wochen alt. Doch auch die Biohähnchen sind speziell gezüchtete Masthähnchen, also Hühner, die gut Fleisch ansetzen. "Das, was wir kennen als Masthähnchen, sind ja von der Genetik völlig andere Tiere, als die Tiere, die wir hier laufen haben. Die Legehennen legen wie doof Eier, aber setzen kein Fleisch an."

Eigene Züchtung statt Hochleistungs-Rassen

Nun stammen ja auch die Bruderhähne aus einer reinen Legehennen-Linie. Damit setzen sie nicht gerade üppig Fleisch an, kein ideales Brathähnchen also. Doch das soll sich ändern: Von den vier Cent Aufschlag pro Ei soll nämlich ein Cent in die Züchtung investiert werden, erklärt Thomas Müller. Bisher wird dieser Cent noch genutzt, die Initiative bekannt zu machen: "Wir müssen eigentlich perspektivisch zu anderen Geflügelrassen kommen, nämlich zu Rassen, die in angemessener Weise Eier legen und Fleisch ansetzen. Ich betone, beides in angemessener Weise. Also, ein bisschen weniger Eier. Dafür ein bisschen mehr Fleisch."

Dann hätten die Geflügelbauern auch endlich eine Hühnerrasse, die sie selbst nachzüchten können. Das geht mit den Hochleistungs-Rassen nicht. Diese Hühner müssen immer wieder vom Zuchtkonzern nachgekauft werden.