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Standpunkt Gesetzliche Frauenquote - für die Katz?

Ungefähr 100 börsennotierte deutsche Unternehmen müssen künftig ungefähr jeden dritten Sitz in ihren Aufsichtsräten mit einer Frau besetzen. Welche Probleme lösen wir damit? Vermutlich wenige.

Jan Seidel

Jan Seidel, SWR Hauptstadtstudio Berlin

Jan Seidel hält die Entscheidung der Bundesregierung für brotlose Symbolpolitik. Ungefähr 3.500 größere deutsche Unternehmen, die börsennotiert oder mitbestimmungspflichtig sind, müssen sich weiterhin selbst ein Ziel setzen, wie viele Frauen sie in ihren Aufsichtsräten haben wollen:

"Ich befürchte: Die gesetzliche Frauenquote wird uns nicht viel bringen. Die Bundesregierung will festlegen, dass in Zukunft ungefähr 100 Großkonzerne jeden dritten Sitz in ihrem Aufsichtsrat an eine Frau vergeben müssen. Das Problem: Damit schafft die Große Koalition ein Symbol, sie löst aber die Probleme nicht.

Die gläserne Decke ist Fakt

Ja - Frauen werden im Berufsleben weiter oft benachteiligt. Ja - Frauen im mittleren Management stoßen oft von unten an die sogenannte gläserne Decke: Sie kommen in ihrer Karriere nicht weiter, weil Männer in der Unternehmensführung die Posten unter ihnen an Männer vergeben. Dieses Problem betrifft tausende, zehntausende Frauen. Die Quote für Aufsichtsräte betrifft gerade mal ein paar hundert, möglicherweise auch noch weniger.

Wenn wir Umfragen glauben dürfen, dann suchen Unternehmen für ihre Aufsichtsräte vor allem erfahrene Manager - das könnte dazu führen, dass erfahrene weibliche Aufsichtsräte mit Angeboten überschüttet werden, während ihre Kolleginnen weiter in die Röhre gucken. Mehrfachmandate sind unter Aufsichtsräten nicht ungewöhnlich. Üblicherweise kommen die Runden einmal im Quartal zusammen - es bleibt also viel Zeit für andere Termine.

Für die meisten Frauen ändert sich rein garnichts

Rückansicht eines Mannes und einer Frau, die vor zwei Aufzügen stehen.

Frauen kommen nur schwer in Führungspositionen

Das heißt: Für die Frau an der Supermarktkasse, für die Mitarbeiterin in einer Behörde, einem Geschäft oder einer Kleinfirma ändert sich nichts - für Frauen, die jetzt gerade auf der Karriereleiter unterwegs sind, tut sich wenig - aber für eine kleine Gruppe von Elite-Managerinnen könnte das Leben schöner werden.

Der einzige Vorteil, den ich bei der Frauenquote sehe: Wir reden endlich über das Thema: Wie gehen Männer und Frauen im Berufsleben miteinander um, wie sollten sie miteinander umgehen? Was läuft falsch? Und was sollten wir ändern? Da können wir tatsächlich noch viel erreichen."

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hat die Situation in den DAX-30-Unternehmen untersucht:

Der Abwärtstrend beim Frauenanteil in DAX-30-Vorständen scheint vorerst gestoppt: Nachdem der Frauenanteil in den Vorständen der DAX-30-Unternehmen seit Ende 2012 durchgehend von 7,8 Prozent auf 5,5 Prozent im Juli 2014 gesunken war, liegt er jetzt bei sieben Prozent. Drei Vorständinnen wurden in den vergangenen Monaten berufen, sodass in den Führungsgremien der 30 größten börsennotierten Unternehmen Deutschlands nun 13 von 185 Vorstandsposten mit Frauen besetzt sind.

Höher als der Anteil der Vorständinnen ist mit 24,7 Prozent der Anteil der Aufsichtsrätinnen in den Dax-30-Unternehmen, das entspricht 121 Frauen bei insgesamt 490 Mitgliedern. Ein Drittel der Unternehmen erfüllt die von der Bundesregierung geplante Frauenquote in Höhe von 30 Prozent für Aufsichtsräte.