Eine einzelne Taube sitzt in einer Innennstadt auf dem von der Sonne beschienenen Pflaster. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / dpa | Frank Rumpenhorst)

Wahl zum Vogel des Jahres

Ausgerechnet die Stadttaube liegt vorne!

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Goldregenpfeifer, Weißstorch, Kiebitz: Oft macht der „Vogel des Jahres“ auf gefährdete Arten aufmerksam. Doch dieses Jahr darf jeder mit abstimmen – und alles ist anders.

Da lässt man die Menschen wählen – und dann stimmen sie anders ab als vermutet. So soll auch schon mal jemand zum US-Präsidenten geworden sein.

Schon weit über 100.000 Menschen haben sich online an der ersten öffentlichen Wahl zum „Vogel des Jahres 2021“ beteiligt – organisiert vom Naturschutzbund NABU. Aus über 300 Vogelarten werden bis 15. Dezember die Top-10 bestimmt, die dann im Januar in die Endrunde gehen. Große Überraschung für die Naturschützer: Derzeit liegt ausgerechnet die Stadttaube ganz vorn.

Nicht, dass ich Donald Trump mit einer Stadttaube vergleichen möchte (Zwischenfrage: für wen wäre das beleidigend?), auch, wenn beide polarisieren.

„Ratte der Lüfte“ hat großen Fanclub

Die Stadttaube gilt vielen immer noch als „Ratte der Lüfte“ – sie hat aber auch einen großen Fanclub. Und der hat dafür gesorgt, dass die Stadttaube die Rangliste derzeit recht deutlich anführt. Das hat die Vogelexperten vom NABU kalt erwischt. Als Naturschützer hatten sie diese Kandidatin gar nicht auf dem Schirm. Ist ja auch kein Wildvogel, sondern ein verwildertes Haustier und alles andere als selten. Ganz im Gegensatz zur weltweit gefährdeten Turteltaube, die der amtierende Vogel des Jahres 2020 ist.

Eine erschossene Turteltaube liegt auf dem Boden, aufgenommen auf Malta. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Komitee gegen Vogelmord/dpa)
Diese Turteltaube wurde Opfer der Vogeljagd auf Malta. In der EU kommen jährlich mindestens 1,4 bis 2,2 Millionen Turteltauben zum Abschuss. Vor allem im Mittelmeerraum werden sie gern gejagt. Zwischen Ende April und Mitte Mai kehren die Zugvögel aus ihren Winterquartieren zurück zu uns. Heute brüten in Deutschland nur noch 12.500 bis 22.000 Paare. Im Südwesten gibt es sie nur noch in wenigen Regionen etwas häufiger – etwa am Oberrhein, im Tauberland, im Donautal und am Bodensee. (Quelle: NABU) picture alliance/Komitee gegen Vogelmord/dpa Bild in Detailansicht öffnen
Die Ringeltaube ist die größte und häufigste heimische Taubenart. Sie ist ursprünglich in offenen Landschaften mit kleineren Waldflächen oder Feldgehölzen zu Hause. Heute lässt sie sich oft auch in Grünanlagen, Parks, Friedhöfen und großen Gärten beobachten. (Quelle: NABU) (c) dpa Bild in Detailansicht öffnen
Straßentauben oder Stadttauben sind weltweit verbreitet und stammen ursprünglich von der Felsentaube ab. Straßentauben nutzen Gebäude als Nistplatz, anstatt der ursprünglich genutzten Felsquartiere. (Quelle: NABU) (c) dpa Bild in Detailansicht öffnen

Im Endspurt der ersten Abstimmungsrunde rührt der NABU Baden-Württemberg nun gezielt die Werbetrommel für andere Brutvögel, die typisch für den Südwesten und seine Lebensräume sind: der Steinkauz etwa steht für Streuobstwiesen, die Wasseramsel für naturnahe Bäche und Flüsse. Die Stadttaube ist allenfalls typisch für den Hauptbahnhof.

Vogel des Jahres: Stichwahl im Januar

Aber sie hat – ähnlich wie Straßenkatzen – einen festen Platz im Herzen vieler Tierschützer: Im Frühjahr warnten die Aktivisten von PETA, Corona lasse Stadttauben verhungern – in den leeren Innenstädten fänden sie kaum noch was zu fressen. Und zahlreiche Stadttaubenprojekte in deutschen Städten betreuen Tauben statt sie zu bekämpfen. Die Tiere werden mit artgerechtem Futter versorgt.

Auch in den sozialen Medien haben Stadttauben jede Menge Anhänger. Davon kann die Konkurrenz von Kiebitz bis Goldregenpfeifer nur träumen. Viele Follower machen dich aber nicht automatisch zum Sieger – auch das haben die US-Wahlen schon gezeigt. Entscheidend wird die Stichwahl unter den Top 10 ab Mitte Januar. Dann wählt Deutschland den Super-Vogel – mögliche Überraschungen inklusive.

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