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Sport in Funktionsfasern Chemische Keule Outdoor-Bekleidung

Wetterfeste Outdoor-Kleidung präsentiert in unberührter Natur: Ausgerechnet diese Produkte sind alles andere als umweltfreundlich und enthalten jede Menge Chemikalien - mit wenigen Ausnahmen.

Ein junger Mann und eine Frauen bauen auf einer Wiese ein Zelt auf.

Bekleidung, Schlafsäcke und Zelte belasten mit Chemikalien die Gesundheit und die Natur

Hohe Gipfel, klare Seen und weite Wüsten - in Werbespots bemühen die Hersteller von wetterfester Outdoor-Kleidung gerne die unberührte Natur, um ihre Produkte in Szene zu setzen. Doch in wetterfester Kleidung steckt jede Menge Chemie. Das zeigt eine Greenpeace-Studie.

Dominik Bartoschek, SWR Umwelt und Ernährung, berichtet

Wenn es draußen stürmt und regnet, und so richtig ungemütlich ist, dann schlägt die Stunde von Outdoor-Kleidung. Also von Jacken und Hosen, von Schuhen und Handschuhen, denen Schmutz nichts anhaben kann, die atmungsaktiv sind und an denen Wasser einfach so abperlt. Bei Wanderern, Campern und Radfahrern ist diese Kleidung deshalb genauso beliebt wie bei Eltern von Kleinkindern.

PFC bleibt in der Natur und im Menschen

Ihre wasserabweisenden Eigenschaften verdanken die Produkte einer bestimmten Chemikalien-Gruppe, den per- und polyfluorierten Chemikalien - PFC. In 90 Prozent aller getesteten Produkte konnte Greenpeace sie für seine aktuelle Studie nachweisen. In Jacken, Schuhen und Rucksäcken genauso wie in Hosen, Schlafsäcken und Zelten.

Das Problem dabei: Bei der Herstellung der Produkte gelangen PFC-Moleküle in die Umwelt. Dort bauen sie sich aber nicht ab, sondern reichern sich nach und nach in der Luft und im Wasser an. Früher oder später landen sie so auch in der Nahrungskette des Menschen. Sowohl in Muttermilch als auch in menschlichem Blut konnten PFC bereits nachgewiesen werden. Und weil die Chemikalie im Verdacht steht, krebserregend zu sein, fordert Greenpeace schon lange ein Verbot von PFC-Produkten.

Suche nach Alternativen bleibt schwierig

Wie aus recycelten Plastikflaschen Outdoor-Jacken werden, zeigt der US-amerikanische Stoff-Hersteller Polartec.

Ökologische Lösungen sind gefragt

Vielen Herstellern ist diese Problematik durchaus bewusst. Und trotzdem: Bei der Suche nach einer Alternative für PFC kommen sie nur schleppend voran. Bisher ließ sich kein Material finden, das ähnlich überzeugende Eigenschaften aufweist. Viele Ersatzmaterialien zum Beispiel gelten als weniger schmutzabweisend. Bis 2020 aber soll eine Alternative gefunden sein - dann wollen zumindest die deutschen Hersteller ohne PFC auskommen.

Verbraucher sollten kritisch auswählen

Bis dahin gilt für Verbraucher: Man sollte durchaus kritisch überlegen, ob diese Produkte wirklich immer nötig sind. Denn was für eine Polar-Expedition bei minus 40 Grad Celsius durchaus sinnvoll sein mag, ist für den Bummel durch den Großstadt-Dschungel schlicht übertrieben. Allein aus Mode-Gründen sollte deshalb niemand zu Outdoor-Kleidung greifen.


Ergebnisse des Greenpeace-Tests

Wanderer neben einem Bergsee (links) und ein Mountainbiker im Wald (rechts)

Beim Sport unter freiem Himmel gehört für viele die entsprechende Outdoorbekleidung dazu

Greenpeace prüft regelmäßig und hat gerade 40 Produkte aus 19 Ländern im Labor auf per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC) testen lassen. Diese Untersuchung ist nun um Ausrüstung wie Zelte oder Rücksäcke erweitert worden - der PFC-Gehalt in Jacken, Schuhen und Hosen sei enttäuschend gleich geblieben, so die Tester. Nur in vier Artikeln aller getesteten Marken wurden die schädlichen Chemikalien nicht nachgewiesen.

"Wir haben hohe Konzentrationen dieses Stoffs unter anderem in Produkten der Marktführer The North Face und Mammut gefunden", sagt Manfred Santen Santen, Diplom-Chemiker und Experte für Chemie bei Greenpeace. "Dies sind enttäuschende Ergebnisse für Outdoor-Liebhaber, die sich ihre Ausrüstung sauber und umweltfreundlich wünschen." Deshalb fordert Greenpeace von der EU, Grenzwerte zu erlassen - wie sie etwa in Norwegen bereits gelten.

Ein Hoffnungsschimmer

Dennoch, die Hersteller bemühen sich um umweltfreundliche Materialien. So habe Jack Wolfskin eine Jacke auf den Markt gebracht, die als PFC-frei gekennzeichnet sei; auch Vaude arbeite an umweltfreundlichen Alternativen. "Und Marken wie Fjällräven, Paramo, Pyua, Rotauf und R'adys zeigen längst, dass Funktionskleidung auch für hohe Ansprüche frei von giftiger Chemie sein kann", so der Chemiker. Santen rät, im Geschäft nach den PFC-freien Alternativen zu fragen, auch wenn sie in puncto Schmutz-Abweisen nicht ganz mithalten können.

Wenig entwickelt hätten sich hingegen die Firmen The North Face, Mammut, Columbia und Haglofs - das schlägt sich auch in den Testergebnissen nieder.

Online: Heidi Keller