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In den ersten Monaten der Corona-Pandemie gehörte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zu den Politikern, deren Ansehen deutlich stieg. Doch in der jüngeren Vergangenheit geriet der CDU-Politiker immer häufiger in die Kritik - vor allem was kostenlose Schnelltests betrifft.

Der Bundesgesundheitsminister hatte in der Befragung im Bundestag klargestellt, dass mehr Corona-Tests gleichzeitig auch mehr Freiheiten bedeuten. Dennoch müssten die Tests geprüft werden, bevor sie auf den Markt erhältlich seien, erklärte Spahn weiter.

Der Bundesgesundheitsminister ist im Bundestag auch auf die Impf-Problematik bei Kleinkindern eingegangen. Spahn betonte, dass die noch fehlenden Impfstoffe für Kinder an umfangreiche Studien und deren Ergebnisse geknüpft seien.


Im Bundestag hat Spahn am Nachmittag unter anderem erklären müssen , wie es mit den geplanten Schnelltests für alle weitergeht. Hauptstadtkorrespondent Volker Schaffranke:

Bundestagsabgeordente befragen Spahn (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Spahn in Bundestagsbefragung Picture Alliance

Ob Impfstrategie, Wege aus dem Lockdown oder Schnelltests - die Unzufriedenheit der Öffentlichkeit bei diesen Themen entlädt sich immer häufiger an Bundesgesundheitsminister Spahn.

Vor wenigen Monaten galt der 42-Jährige noch als heimlicher Kanzlerkandidat der CDU, davon ist längst keine Rede mehr. Kritisiert wird Spahns Corona-Management. Bei der Befragung im Bundestag sagte Spahn:

Befragung im Bundestag

Es ist zu erwarten , dass nicht nur die Opposition den Minister scharf angehen wird. Auch der Regierungspartner SPD geht immer mehr auf Distanz. Das hat aber womöglich auch viel mit den anstehenden Wahlen in Deutschland zu tun.

SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich sagt wenig schmeichelhaft: "Dass der Ankündigungsminister Spahn hier offensichtlich wieder zurückrudern musste, hat uns doch schon sehr irritiert."

"Das Corona-Management ist eine einzige Katastrophe", findet Amira Mohamed Ali, Fraktionschefin der Linkspartei. Marco Buschmann, parlamentarischer Geschäftsführer der FDP-Fraktion, sagt: "Deutschland darf den Stillstand nicht zur Staatsphilosophie erheben."

Schleppender Impfauftakt in Deutschland

Der schleppende Auftakt der Impfungen in Deutschland wird Spahn angelastet. Spahn hat die Bundesländer aufgefordert, das Impftempo jetzt zu erhöhen. Der Impfstoff sei jetzt da, die Länder hätten eine Kapazität von bis zu 300.000 Impfungen pro Tag angemeldet.

Derzeit würden aber nur rund 140.000 Impfungen durchgeführt. Spahn sagte, er gehe davon aus, dass das nun auch deutlich hochgefahren werde.

Kostenlose Schnelltests

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat jetzt die ersten drei Sonderzulassungen für Corona-Selbsttests erteilt, die man auch ohne Schulung zu Hause machen kann. Bei allen drei Tests würden die Proben durch einen Abstrich im vorderen Nasenbereich entnommen, erklärte ein Sprecher am Mittwoch.

Wann die kostenlosen Schnelltest aber zum Einsatz kommen, ist noch offen. Spahn hatte dies für den 1. März versprochen - jetzt sollen erst die Bundesländer darüber beraten, am 3. März. Spahn kann also nicht Wort halten. Ein Eigentor, kommentiert SWR-Hauptstadt-Korrespondent Uwe Lueb:

Diskussion um Impfreihenfolge

Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (Stiko) des Robert-Koch-Instituts, Thomas Mertens, warnt davor, die empfohlene Reihenfolge der Corona-Schutzimpfungen aufzuheben. Vorrangiges Ziel der Impfungen sei es, gegen das individuelle Risiko einer schweren Covid-19-Erkrankung zu schützen, sagte der Mediziner den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

"Es darf nicht passieren, dass zum Beispiel schwer kranke Risikopatienten leer ausgehen, weil ganze Berufsgruppen mit starker Lobby unabhängig von der evidenzbasierten Prioritätsstufe vorgezogen werden."

Thomas Mertens, Stiko

Am Montag hatten sich die Gesundheitsminister von Bund und Ländern darauf verständigt, Erzieherinnen und Erzieher sowie Beschäftigte an Grund- und Förderschulschulen in die Priorisierungsgruppe 2 aufzunehmen. Bislang waren sie in der Gruppe 3 eingestuft.

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