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Keine gute Woche für Gesundheitsminister Spahn - und leider auch nicht für das Krisenmanagement in Sachen Corona, findet Laura Koppenhöfer in ihrer Kolumne "Zwei Minuten".

Was für ein Zufall! Ausgerechnet in dieser Woche wurde Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vom Bundestag befragt. Dass er in dieser Sitzungswoche dran sein würde, stand seit Beginn der Legislaturperiode, also seit Jahren fest. Und erwischt hat es ihn kurz nach seiner vielleicht peinlichsten Panne als Pandemie-Minister. Zwei Tage nachdem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Vize-Kanzler Olaf Scholz (SPD) seine vollmundige Ankündigung aus der Vorwoche kassiert haben: Schnelltests für alle, von Profis in Praxen und Apotheken, trotzdem fast oder ganz kostenlos. Und das Ganze ab 1. März. 

Die Kolumne von Laura Koppenhöfer können Sie hier auch als Audio hören:   

Nicht nur Bundeskanzlerin Merkel hält das, vorsichtig gesagt, für schwierig. Auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und andere noch viel konkreter Beteiligte, die sich über ein paar Infos und Absprachen vor so einer bundesweiten Mega-Aktion gefreut hätten.  

Spahn überfragt

Doch die gab es offenbar nicht, sodass der Gesundheitsminister im Corona-Kabinett zu viele Fragen nicht beantworten konnte - zur Umsetzung, den Kosten oder zur Koordination mit den anderen Selbsttests, denen zum Selbermachen. Sowas ist selbst in vertrauter Runde nicht angenehm. Von der Opposition im Bundestag hätte ich erwartet, dass sie sich über dieses gefundene Fressen geradezu gierig hermacht!    

Stattdessen kam Spahn mit vergleichsweise harmlosen Fragen davon, die er zusätzlich durch seine beneidenswerte Gabe abfangen konnte, eigene Fehler souverän kleinzureden. Ein bisschen wie meine Zweijährige, wenn sie bis auf die Unterhose durchnässt vom Händewaschen kommt und beiläufig einräumt, sie habe sich "ein bisschen nass gemacht". 

Ablenkungs- und Verharmlosungsrhetoriken

Zu dieser Ablenkungs- und Verharmlosungsrhetorik gehört auch, Dinge freundlich arrogant als selbsterklärend hinzustellen, die es nicht sind. So wie kürzlich in einer der Pressekonferenzen mit RKI-Chef Lothar Wieler: Auf die Frage, welcher der gehandelten Inzidenzwerte denn jetzt dauerhaft verlässlich für Öffnungen gelte, kam Spahn mit der Behauptung, derlei Kennziffern würden doch ohnehin nur für den Eintritt in den Lockdown gelten und nicht für dessen Ende, was a) nicht stimmt und b) dem zu Recht angesprochenen Problem hinter der Frage geradezu dreist ausweicht.  

Derart mit Rhetorik und Rückgrat ausgestattet, hat Spahn die Befragung trotz unglücklichen Timings halbwegs schadlos überstanden. Was man vom Ansehen des deutschen Krisenmanagements nicht behaupten kann. Das hat die nächste dicke Delle. Denn immer mehr entscheidende Corona-Stellschrauben drehen sich fast unerträglich langsam: die Digitalisierung von Gesundheitsämtern und Schulen, die Wirtschaftshilfen, die Beschaffung von Schutzmasken und Impfstoff und jetzt auch noch die Schnelltests. Aus der weltweit bestaunten "German Efficiency" wird "German Slowness": Effizienzweltmeister scheinen hier im Moment nur noch die mutierenden Viren zu sein. 

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