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Das US-Raumfahrtunternehmen SpaceX will zum Jahresende erstmals Touristen ins Weltall schicken. Einer der Touristen steht demnach schon fest: Es ist der US-Milliardär Jared Isaacman.

Wie das Unternehmen weiter mitteilte, soll die Reise der vier Urlauber in einer Serie von Erdumrundungen bestehen und drei Tage dauern. Der US-Milliardär Jared Isaacman will die drei Reiseplätze an seiner Seite der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Für Bewerbungen wurde ein Internetportal eingerichtet.

Issacman ist Weltraum-Fan seit dem Kindergarten, so beschreibt sich der 37-jährige US-Milliardär selbst. Den Traum eines Weltraumfluges will er sich nun mit drei weiteren "ganz normalen Leuten" erfüllen. Schon im Oktober soll die Mission starten.

Weltraumflug für guten Zweck

Ein Platz sei bereits für eine Krankenschwester aus dem Kinderkrankenhaus St. Jude in Tennessee reserviert, ein weiterer werde unter jenen verlost, die im Februar für die Klinik spendeten, teilte Isaacman mit. Er wolle auf diesem Weg 200 Millionen Dollar für das Forschungskrankenhaus einsammeln, die Hälfte komme aus seiner eigenen Tasche.

Der vierte und letzte Platz in der gecharteten Raumfähre des privaten Unternehmens SpaceX soll an einen Unternehmer oder eine Unternehmerin gehen, die an sein eigenes Unternehmen, den Zahlungsdienstleister Shift4 Payments nutze.

Ungewöhnlich ist auch, dass Isaacman keine Profi-Unterstützung an Bord haben wird. Die Kapsel fliegt automatisiert, ein Pilot kann aber im Notfall auf manuelle Kontrolle umstellen. Für ihn sei es spannend, alles über die Kapsel und die Trägerrakete zu lernen, sagt Isaacman, der 2009 einen Geschwindigkeitsrekord bei einem Flug um die Erde aufgestellt hatte.

Übelkeit ist das kleinste Problem

Ob die Idee der Amateur-Weltraumreisenden allerdings tatsächlich so gut ist, daran hat Hanns-Christian Gunga erhebliche Zweifel. Der Professor ist Experte für Weltraummedizin an der Charité Berlin und weist im Gespräch mit dem SWR auf die gesundheitlichen Gefahren eines solchen Abenteuers hin.

"Es gibt eine Reihe von Erkrankungen, die mit dem Flug ins All verbunden sind, selbst für Profis. Ich denke hier nur daran, dass die ersten Tage für die Astronauten eigentlich immer mit Übelkeit verbunden sind", so Gunga.

Psychische Belastung ist enorm

Auch die psychische Anstrengung sei nicht zu unterschätzen. "Ich meine so einen Start auf einer Rakete, wo man unten drunter eine ganze Menge Treibstoff zündet und sich wie auf einer Sylvester-Rakete fühlen muss, ist schon eine ganz schöne Herausforderung", findet Gunga. Wenn dann der Blutdruck ansteige, könnten Menschen mit Durchblutungsbeschwerden bereits Probleme bekommen.

Die stärkste Belastung trete tatsächlich bei den Starts und Landungen auf. "Das sind die beiden Phasen, wo man sagen kann, da liegt auch eine physische Belastung vor", so Gunga. "In der Schwerelosigkeit selbst ist die wesentliche Unannehmlichkeit, dass einem in der Regel schlecht wird."

Dennoch sei ein solcher Flug - der wie bei Issacman - wahrscheinlich nur ein paar Stunden dauern würde, durchaus auch für Laien zu schaffen, wenn diese bei guter Gesundheit seien, ist Gunga überzeugt.

Flug zur ISS für 55 Millionen Dollar pro Person

Etwas anders dürfte es im Fall dreier Geschäftsmänner aussehen, die im nächsten Jahr einen Flug zur Raumstation ISS gebucht haben - pro Person für den stolzen Preis von 55 Millionen Dollar. Die drei werden mehrere Tage im All verbringen müssen. Immerhin werden sie von einem früheren Nasa-Astronauten begleitet.

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