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Sozialämter und Flüchtlinge "Wir stellen uns der Herausforderung"

Der Strom der Flüchtlinge hat erst begonnen. Die zuständigen Behörden in den Städten, Gemeinden und Landkreisen sind gefordert. Auch in Heidelberg sind Überstunden auf dem Sozialamt keine Frage. "Wir werden die Menschen unterbringen."

Flüchtlingsunterkunft in der Henkel-Teroson-Straße in Heidelberg

Flüchtlingsunterkunft in der Henkel-Teroson-Straße in Heidelberg

Ein Beitrag von Wolfgang Brauer, SWR Wirtschaft und Soziales

Sozialamt der Stadt Heidelberg: Lange schmale Flure, viele braune Holzstühle für die Wartenden und eine Spielecke für die Kinder. Im Zimmer von Sachbearbeiterin Janina Ziegler hängen fünf bunte Buchstabenketten, die sie selbst gebastelt hat: "Willkommen" steht darauf in fünf Sprachen.

Überstunden für Flüchtlinge

Flüchtlingen tragen nach ihrer Ankunft ihr Gepäck zu den Unterkünften

Flüchtlinge tragen nach der Ankunft ihr Gepäck zu den Unterkünften

Etwa die Hälfte der Menschen, die sie derzeit betreut, sind Flüchtlinge und Asylsuchende. Für die Sachbearbeiterin heißt das jetzt oft: Überstunden. "Wenn ich jetzt sechs Neuanträge habe, dann möchte ich die auch entscheiden und bleibe an dem Tag länger und dann lasse ich nicht um 16 Uhr den Stift fallen. Das ist uns, glaube ich, auch allen sehr wichtig, weil wir uns dessen bewusst sind, dass die Leute auf uns angewiesen sind und auf den nächsten Scheck warten. Dann kann man den Antrag nicht drei Wochen liegen lassen, das geht gar nicht."

Nur noch die Kleider am Leib

Zumal Sachbearbeiterin Janina Ziegler das Schicksal der Flüchtlinge hautnah mitbekommt. "Das war eine Geschichte von einem Mann, der vier Monate auf der Flucht war und der bei mir in Badeschuhen vorgesprochen hat, der nur noch die Kleidung hatte, die er am Leib trug. Und das bewegt einen natürlich und ich habe auch gefragt: Ist mit ihnen alles in Ordnung und er meinte, er ist einfach nur so schrecklich müde. Weil er eben diese Flucht hinter sich hat - und das bewegt dann."

Den Übersetzer findet man auf dem Flur

Dazu kommen viele kleine Probleme, mit denen die Sachbearbeiterin aus dem Heidelberger Sozialamt und ihre Kollegen zu kämpfen haben. "Wir sprechen unterschiedliche Sprachen. Also wir können alle Englisch, teilweise fließend Französisch. Wenn jemand nur arabisch kann zum Beispiel, da stoßen wir alle an unsere Grenzen. Das ist oft ganz simpel, weil wir dann einen Blick auf den Flur werfen und dann andere Asylbewerber warten und dann rufen wir sie hinzu und - mit Händen und Füßen und drei weiteren Personen bei uns im Zimmer, dann klappt das auch immer." 

Auch die Amtsleitung beschäftigt sich überwiegend mit Flüchtlingshilfe

Amtsleiterin Angelika Haas-Scheuermann, Sozialamt Heidelberg, im Gespräch mit SWR Reporter Wolfgang Brauer

Amtsleiterin Angelika Haas-Scheuermann im Gespräch mit SWR Reporter Wolfgang Brauer

Rund 600 Asylsuchende betreut das Sozialamt der Stadt Heidelberg. Mindestens die Hälfte ihrer Arbeitszeit widmet Amtsleiterin Angelika Haas-Scheuermann derzeit den Flüchtlingen. "Das fängt an mit der Frage Personalausstattung des Amtes, da geht es um die Organisation von Sprachkursen, es geht um einen hohen Informationsbedarf der Bevölkerung. Es geht um die Frage, wie finden wir genügend Wohnraum für Flüchtlinge."

Aber auch ganz alltägliche menschliche Probleme müssen gelöst werden, ergänzt Dieter Gentner. Der stellvertretende Amtsleiter kümmert sich sogar an vier von fünf Tagen in der Woche um die Probleme der Flüchtlinge. "Das muss man einfach wissen, dass Menschen zu uns kommen, die in ihrem Heimatland einfach nicht wissen, wie eine Waschmaschine funktioniert. Das muss man einfach wissen, wenn man mit solchen Menschen umgeht."

Zusätzliche Planstellen im Amt plus 200 Ehrenamtliche

Kinder aus Flüchtlingsfamilien beim Fußballtraining

Ehrenamtliche arbeiten in ganz Deutschland mit Hauptamtlichen zusammen

Sechs neue Stellen hat das Heidelberger Sozialamt wegen der Flüchtlinge in den vergangenen Monaten geschaffen: Für Sachbearbeiter, Sozialarbeiter und Hausmeister für die Flüchtlingsunterkünfte. Doch ohne die rund 200 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer könnte das Sozialamt die Aufgabe kaum bewältigen, ergänzt Amtsleiterin Angelika Haas-Scheuermann.

"Das sind zum einen Sprachkurse, das sind Spielgruppen für Kinder, da geht es um eine Fahrradwerkstatt, da geht es um die Frage 'Wie lerne ich die Stadt kennen', Ausflüge in die Stadt, Begleitung zu Arztbesuchen, Begleitung zu Amtsbesuchen, Übersetzungsdienste. Das sind die Themenfelder, mit denen man sich dort beschäftigt." Und für die ehrenamtliche Flüchtlingshelfer und die Mitarbeiter des Heidelberger Sozialamtes weiter dringend gebraucht werden.

Es kommen noch mehr Asylsuchende

Amtsleiterin Angelika Haas-Scheuermann erwartet noch mehr Flüchtlinge. "Wir sind die untere Aufnahmebehörde. Wenn wir Flüchtlinge zugewiesen bekommen, stellen wir uns der Herausforderung und werden die Menschen auch unterbringen."

Online: Heidi Keller, Christine Trück