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Sommerinterview Malu Dreyer: Handy abschalten geht nicht

Sommerferien, Urlaubszeit - wir haben Spitzenpolitiker aus Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz gefragt, wie Sie sich erholen. Die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz Malu Dreyer urlaubt in Dänemark.

Malu Dreyer, rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD), rechts, und Wirtschafts-Ministerin Eveline Lembke (Bündnis 90/Die Grünen) in der Auffangeinrichtung für Asylbegehrende (AfA) in Trier-West mit deren Leiter Frank-Peter Wagner

Können Sie richtig entspannen - trotz Flüchtlingsproblematik und Wahlkampf?

Ich bin eigentlich sehr gut organisiert. Also jeden Vormittag werde ich von meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern informiert und ich treffe dann auch die notwendigen Entscheidungen. Ich mache mir einen kleinen Überblick über die gesamte Landes- und Bundespresse und natürlich haben wir dann auch noch eine größere Schalte, wo entsprechende Arbeitsaufträge besprochen werden.

Danach kann ich gut abschalten, weil ich weiß, dass meine Mitarbeiter mich nur anrufen, wenn wirklich etwas sehr Dringliches, Unerwartetes passiert und die können sich umgekehrt darauf verlassen, dass sie mich jederzeit erreichen können. So funktioniert das insgesamt wirklich sehr gut.

Was - auch aus der Politik - immer wieder gefordert wird, dass Arbeitnehmer außerhalb der Arbeitszeit ihr Handy abschalten sollen, das funktioniert, wenn man Ministerpräsidentin ist, natürlich nicht.

Nein, das kann auch gar nicht funktionieren. Denn natürlich muss ich rund um die Uhr erreichbar sein. Aber wenn man das sehr gut organisiert hat, klappt das gut. Es gibt immer Themen, die einen gedanklich auch im Urlaub immer mitnehmen, die einen beschäftigen. In diesem Jahr ist es natürlich vor allem die Flüchtlingsfrage, weil es so besorgniserregend ist, wie viele Menschen auf der Flucht sind und auch in Not sind und das heißt, wir machen doch gemeinsam große Anstrengungen - die Landesregierung, die Kommunen, die Hilfsorganisationen, aber auch viele viele Bürger und Bürgerinnen - um tatsächlich zur Zeit täglich in Rheinland-Pfalz über 200 Menschen aufzunehmen und sie auch unterzubringen.

Gleichzeitig arbeiten wir mit Hochdruck an der Rückführung von Menschen, die keinen Anspruch auf Asyl haben. Die Verfahren dauern ja leider immer noch viel zu lange und das ist auch der Grund, warum wir als Land dem Bund unser eigenes Landespersonal auch angeboten haben, um die Verfahren zu beschleunigen. Das zeigt, oder auch hier gilt: Wir können die Herausforderung am Besten gemeinsam stemmen und dafür ist das, finde ich, ein gutes Beispiel. Und ich bin sehr froh darüber, dass wir in Rheinland-Pfalz doch eine ausgeprägte Willkommens-Kultur und Solidarität in der Bevölkerung haben.

Ich nutze auch gerne die Gelegenheit, mich wieder so ganz herzlich zu bedanken bei unseren Bürger und Bürgerinnen und allen, die mithelfen, dass wir den Spagat wirklich sehr gut meistern in unserem Land.

Neben all diesen aktuellen politischen Problemen - kommendes Jahr wird gewählt, der Wahlkampf beginnt so langsam. Wie wichtig ist es, die Akkus im Urlaub noch einmal richtig aufzuladen?

Die Akkus aufzuladen im Urlaub, ist immer wichtig. Ich bin Ministerpräsidentin und ich habe meinen Fokus auf dem Regieren. Das heißt, der Wahlkampf spielt natürlich untergeordnet eine Rolle, aber das ist nicht das, was mich im Urlaub beschäftigt. Ich finde es immer wichtig, dass man einen Weg findet, auch ab und zu mal durchzuatmen, sich zu besinnen auf die wichtigen Themen und auch wirklich dann mit neuer Kraft wieder weiterzumachen.

Viele finden Entspannung auch durch Lesen. Lesen Sie auch im Urlaub?

Vorlesetag

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Dreyer mit 100 Grundschülern am Vorlesetag "Welttag des Buches"

Ja, ich lese immer sehr gerne im Urlaub. Ich habe mir in diesem Jahr von Robert Seethaler "Ein ganzes Leben" mitgenommen. Das hat seinen Grund darin, dass ich Seethalers Roman "Der Praktikant" gelesen hatte - vor zwei Jahren war es, glaube ich - und er hat mich so begeistert, dass ich mich schon gefreut habe auf dieses neue Werk.

Ich habe auch von Helmut Schmidt mitgenommen "Religion in der Verantwortung". Übrigens auch ein sehr empfehlenswertes Buch, das wirklich sehr anregend ist, weil es sich beschäftigt mit der Gefährdung des Weltfriedens und der Verantwortung eigentlich der Weltreligionen, auch zu diesem Thema.

Online: Heidi Keller, Christine Härrer