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Alte Präsidiumsmitglieder der CDU – Wolfgang Schäuble, Volker Bouffier – haben den erfolgversprechenderen Unionskandidaten Markus Söder verhindert. Wolfgang Schäuble ist der letzte Helmut Kohl, meint Martin Rupps.

Die Volkspartei CDU hat an der Art und Weise, wie Armin Laschet seine Kanzlerkandidatur durchboxte, Schaden genommen. "Armin, wir wollen Dich nicht", sagten die beiden CDU-Ministerpräsidenten im Osten. Ein paar im Westen auch. Und die Mehrheit der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Ebenso die Junge Union. Unzählige CDU-Mitglieder und nicht zuletzt das seit Monaten befragte Volk. Es erschließt sich mir schwer, wie ein paar – überwiegend alte – Führungspolitiker die Partei derart in Brand setzen konnten.

Wolfgang Schäuble (Foto: CLEMENS BILAN/EPA-EFE/Shuttersto)
Armin Laschets Königsmacher: Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) CLEMENS BILAN/EPA-EFE/Shuttersto

Es war unter anderem Wolfgang Schäuble (CDU), der Armin Laschet vor der CDU-Präsidiumssitzung am Montag sinngemäß gewarnt haben soll: Du wirst es heute oder nie. Wenn nicht, verlierst Du auch den Parteivorsitz. - Das bedeutete eine Aufforderung zu brachialer Gewalt wider aller politischer Klugheit. Eine Politik mit der Brechstange praktizierte schon Wolfgang Schäubles Weggefährte und Konkurrent Helmut Kohl. Nach seiner Wiederwahl 1994 hätte Helmut Kohl die politische Wechselstellung wittern und nach zwei Jahren den Stab weiterreichen können. Er blieb sitzen, bis ihn das Wahlvolk des Amtes enthob. Armin Laschet blieb am Montagabend auch sitzen. Mit der wahrscheinlichen Folge, dass ihm das Wahlvolk die Berufung versagt.

Vieles erinnert mich in diesen Tagen an das Wahljahr 1998. Die SPD hatte den moderneren Kandidaten. Er drückte Siegeswille aus. Heute gilt das für die Kandidatin der Grünen Annalena Baerbock. Weitere Parallele: Kanzlerin Angela Merkel legt fast dieselbe Amtszeit wie Helmut Kohl hin. Auch diesmal könnten unentschlossene Wählerinnen und Wähler der Meinung sein: Sollen doch mal andere drankommen!

Dass ein intellektuell brillanter Kopf wie Wolfgang Schäuble in dieser Situation auf einen CDU-Kandidaten zulasten des erfolgversprechenderen Konkurrenten von der CSU pocht, enttäuscht mich. Bei allem Respekt vor seiner Lebensleistung - Wolfgang Schäuble bleibt für mich der letzte Helmut Kohl.

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