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Mobilität der jungen Generation Smartphone statt eigenes Auto

Mit viel PS protzen die Automobilhersteller derzeit auf der Detroit Motor Show. Dabei verliert der Wunsch nach den eigenen vier Rädern in Augen der jungen Generation immer mehr an Glanz. Die Branche braucht dringend neue Konzepte.

Neuwagen sind etwas für ältere Semester, das belegt eine Studie des Center of Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen. Demnach sind Neuwagenkäufer im Schnitt über 52 Jahre alt.

Aber die jüngere Generation verschmäht die eigenen vier Räder auch gebraucht, zumindest in der Stadt. "Finanzielle Überlegungen spielen eine Rolle, hinzu kommen aber noch sozial-ökolögische Gründe", sagt Martin Randelhoff, der Verkehrswirtschaft an der Universität in Dresden studiert.

"Die jungen Menschen versuchen, nachhaltig und ein bisschen umweltverträglicher zu leben", erläutert der mit einem Grimme Preis ausgezeichnete Blogger. "Wenn ich in der Stadt ausreichende Alternativen habe, dann brauche ich eigentlich keinen PKW mehr."

Wenn die Familie kommt

Im ländlichen Raum mit einem dünnen Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln bleibe das Auto Verkehrsmittel Nummer Eins. "Allerdings gibt es auch hier kreative Konzepte, wie man zum Beispiel E-Bikes mit Bus und Bahn verbinden kann", so Randelhoff.

Wenn eine Familie gegründet werde, dann sei das erste Auto auch in der Stadt nicht mehr weit. "Interessant ist jedoch, dass Familien früher Erst- und Zweitwagen hatten. Das ist heute gar nicht mehr so", sagt Randelhoff. "Als Statussymbol hat das Auto gegenüber dem Smartphone eindeutig verloren."

Vor allem Jugendliche definierten sich übers Mobiltelefon. Hinzu kommen die Sozialen Netzwerke, die einen Mentalitätswandel mit sich gebracht haben.

Die Emotionen fehlen

Ferdinand Dudenhöffer

Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer.

Das bestätigt auch der Automobil-Experte Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des Center of Automotive Research: "Unsere Jugend wächst virtuell auf, sitzen vor dem PC, macht Videospiele. Wenn sie mit ihren Freunden kommunizieren wollen, dann gehen sie über die Sozialen Netzwerke. Wir sind früher mit dem Auto zur Freundin hingefahren. Da hat man die reale Mobilität gebraucht."

Und noch ein Satz sollte die Branche aufhorchen lassen: "Die Emotionen, die das Auto mitgebracht hat, die sind heute zum Teil weg", meint Dudenhöffer. "Deshalb muss sich die Autoindustrie ein neues Konzept überlegen."

Nutzen statt besitzen

Und das heißt derzeit neben dem vernetzten Auto vor allem "Car Sharing". Als erster Autohersteller ging Daimler mit Car2Go als Pilotprojekt 2008 in Ulm an den Start. Mittlerweile stehen in über 20 Städten Smarts auf der Straße, die die Car2Go Kunden jederzeit ausleihen können. BMW folgte mit DriveNow. Und inzwischen beteiligt sich auch Opel an einem Carsharing-Projekt in Bochum.

Nutzen statt besitzen, heißt die Devise, die langfristig dennoch neue Kunden bringen soll. Erst mieten, dann kaufen, darauf hofft die Industrie. Ob diese Strategie aufgeht, wird sich erst 2036 erweisen. Dann sind die heute 30-Jährigen 52 - im besten Alter für einen Neuwagen.

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