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Die USA wollen fast 12.000 Soldaten aus Deutschland abziehen.Spangdahlem ist ebenso betroffen wie Stuttgart. David Sirakov von der Atlantischen Akademie Rheinland-Pfalz hält die Pläne für unausgegoren.

Vor allem der Verlust des Europäischen Kommandobereichs EUCOM in der baden-württembergischen Landeshauptstadt wiegt nach Einschätzung Sirakovs schwer: "Das war eines der großen Merkmale Deutschlands, dass sie das Europa-Kommando von Airforce und Army sowie auch das Afrika-Kommando beider Truppenteile beherbergt haben." Im Klartext: Die Bundesrepublik verliere wichtige Militärkompetenz.

Abzugspläne sind "nicht so ausgereift"

Sirakov ist überrascht, dass es Stuttgart so stark getroffen hat. Er sagt aber auch: "Wir sehen, dass die Pläne insgesamt noch nicht so ausgereift sind. Es wurde bislang noch kein Ort genannt, an den das Afrika-Kommando von Stuttgart verlegt werden sollte." Bekannt ist dagegen, dass das sogenannte European Command in die belgische Stadt Mons umziehen soll.

Ein Prozess, der Jahre dauern kann

USA-Kenner Sirakov sieht noch keine große Verbindlichkeit in den Abzugsplänen. Zwar könne man einzelne Truppenteile je nach Zielort in wenigen Wochen bis Monaten verlegen. "Aber ich denke auch, wenn es um Hauptquartiere wie in Stuttgart geht, dass es sich um eine viel größere Zeitspanne handelt und dass wir dort auch größere Kosten auf den US-Steuerzahler zulaufen sehen werden."

Sirakov rechnet damit, dass es lange dauern würde, eine solche Kommandoverlegung umzusetzen. Als Beispiel nennt er die Verlegung des Army-Hauptquartiers von Heidelberg nach Wiesbaden, die trotz der geringen Distanz zwischen beiden Städten zehn Jahre gedauert habe.

Hoffen auf Biden

Die US-Präsidentschaftswahl am 3. November setzt aus Sicht Sirakovs das größte Fragezeichen hinter die Pläne. Der Akademieleiter geht davon aus, dass im Falle eines Wahlsiegs des demokratischen Herausforderers Joe Biden die Pläne noch einmal überprüft würden. "Da kann man sicherlich schon davon ausgehen, dass sie nicht in ihrer Gesamtheit und Stärke durchgeführt werden – Zumal wir ja im O-Ton vom Präsidenten gehört haben, dass es ihm um eine Strafaktion gegenüber Deutschland geht." Ein solches Verhalten sei von Joe Biden nicht zu erwarten.

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