Paar sitzt auf Campingstühlen unter einem Sonnenschirm im Schatten

"Zwei Minuten": Die Kolumne zum Wochenende

Meinung: Siesta für den Südwesten

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AUTOR/IN
Laura Koppenhöfer

Wenn die deutschen Sommer bald so sind, wie sie bisher am Mittelmeer waren, dann sollten wir uns dort dringend ein paar Dinge abschauen, meint Laura Koppenhöfer.

Rollos tagsüber runter, lauwarm duschen, viel trinken, leicht essen. Dazu eine Wärmflasche aus dem Eisfach und ein Nachthemd aus dem Kühlschrank. Es wimmelt von Anti-Schwitz-Tipps, zu Recht: Was vor 20 Jahren noch groß als Jahrhundertsommer etikettiert wurde, wird allmählich zum neuen Normal:

Die Kolumne von Laura Koppenhöfer können Sie hier auch als Audio hören:

Es wird immer normaler, dass Veranstaltungen nicht wegen Regen, sondern wegen zu großer Hitze abgesagt werden. Es wird normaler, dass auch in deutschen Wohnungen Klimaanlagen laufen. Dass im Juni die ersten Wälder brennen und im Juli erste Landkreise das Wasser rationieren. Wenn es nicht gerade als Starkregen vom Himmel kracht.

So schiebt sich zwischen die fest verankerten, jedes Jahr seit Januar herbeigesehnten positiven Sommergefühle immer störender diese Ahnung, naja, wohl eher das Wissen, dass es mit ein paar Anti-Schwitz-Tipps bald nicht mehr getan ist.

Nur noch abends ins Freibad?

Beziehungsweise, dass der alles entscheidende Anti-Schwitz-Tipp ist, den Klimawandel mit aller Anstrengung zumindest zu verlangsamen, so dass auch die Kinder der heutigen Kinder noch halbwegs lebenswerte Sommer genießen dürfen. Voller Freibadpommes, Flachköpper und anderer Ferienfreuden. Voller Abenteuerlust und Draußensein - zumindest morgens und abends, wenn die Rollos oben sind.

Laura Koppenhöfer
Die Meinung von Laura Koppenhöfer

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Gerade hat eine Datenerhebung des Recherchenetzwerks correctiv zusammen mit NDR, WDR und BR belegt, dass der deutsche Südwesten besonders stark von Hitze betroffen ist. Wer hier lebt, weiß das, aber eben auch, dass das für andere Erdregionen schon jetzt und auch künftig erst recht gilt. 

L'estate italiana - der italienische Sommer

So wie für Südeuropa. Wo sich die Sorge vor der Hitzekatastrophe dennoch in Grenzen hält, den Italienern beispielsweise scheint ihre leidenschaftliche Liebe zum Sommer nicht so leicht abhanden zu kommen. "L'estate italiana' wird weiter als einzig wahre Jahreszeit gefeiert, nicht obwohl, sondern weil die Sonne so richtig knallt.

Siesta in Deutschland?

Da kann man sich vielleicht was abschauen. Nicht die teils vorhandene Gleichgültigkeit dem Klimawandel gegenüber. Aber die Siesta? Am besten in Kombination mit langen geselligen Abenden im Freien, von denen hätten auch ältere und gesundheitlich empfindliche Mitmenschen was.

Lambrusco statt Lemberger

Öffentliche Trinkwasserhähne überall. Lambrusco statt Lemberger. Und: Längere Sommerurlaube für alle. So lang, dass es zum An- und Runterkommen wirklich reicht! Eine echte Auszeit statt dieser zwei immer zu kurzen Wochen, gepresst zwischen den unvermeidlichen Vor-dem-Urlaub-Endspurt und die Nach-dem-Urlaub-Aufholjagd, die das bisschen Erholung binnen weniger Tage killt. Ist in Italien, Spanien oder Frankreich seit jeher so: Im Sommer passiert nicht viel, das ganze Land fährt gemeinschaftlich runter und nicht nur die Rollos.

Merkt man deren BIP und der Staatsverschuldung auch an, ja, ja. Die Einwände kommen natürlich prompt. Man wird ja wohl noch träumen dürfen. Der Anti-Schwitz-Tipp, aus dem Unvermeidlichen das Beste zu machen, ist jedenfalls mindestens so gut wie ein eisgekühltes Nachthemd.

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