Eine 9mm Schreckschusswaffe mit Platzpatronen (Foto: picture-alliance / Reportdienste, dpa Bildfunk, Daniel Karmann)

Nach Unglück bei Netflix-Dreharbeiten

Sicherheitsexperte aus BW: Wie am Filmset für Sicherheit gesorgt wird

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Florian Rudolph

In den USA stirbt eine Kamerafrau beim Dreh einer Schuss-Szene, der Regisseur wird schwer verletzt. Seitdem wird über die Sicherheitsstandards diskutiert. Bernd-Siegfried Michalek erklärt die Lage in Deutschland.

Am Filmset für einen Western hat der Hollywood-Schauspieler Alec Baldwin versehentlich scharfe Munition verschossen. Eine Kamerafrau starb, der Regisseur der Netflix-Produktion, Joel Souza, liegt lebensgefährlich verletzt im Krankenhaus. Wie es dazu kommen konnte, wird jetzt ermittelt. Generell gelten aber für Dreharbeiten mit Schusswaffen scharfe Vorschriften - auch hierzulande.

Kaum scharfe Waffen am Set in Deutschland

Die Sicherheitsstandards in Deutschland sind hoch, betont Bernd-Siegfried Michalek. Er ist an der Filmakademie Baden-Württemberg zuständig für Arbeitssicherheit. Michalek sagt im SWR, die Standards in Deutschland seien mit denen in den Vereinigten Staaten vergleichbar. Mit einem Unterschied: "Bei uns ist es so, dass scharfe Waffen am Filmset so gut wie gar nicht zu Einsatz kommen."

Mündungsfeuer ließe sich ohnehin mittlerweile digital viel besser darstellen. Ausnahmen gebe es dennoch: Zum Beispiel würden Maschinengewehre gar nicht mit Platzpatronen funktionieren. "Manchmal ist es aber auch von der Inszenierung her gewollt und dafür braucht man den realen Schuss. Einfach, damit die ganze Spannung in dieser Szene authentisch wirkt", sagt Michalek.

Auch Platzpatronen können töten

Doch auch beim Einsatz von Platzpatronen gibt es Gefahren. So wurde 1993 der Schauspieler Brandon Lee von einer Patronenhülse getroffen und tödlich verletzt. Und 1984 starb Jon-Erik Hexum, als er sich einen mit Platzpatronen geladenen Revolver an die Schläfe hielt und sich ein Schuss löste.

Zwar konnte die Platzpatrone nicht den Schädel durchschlagen. Der Explosionsdruck reichte aber aus, dass Knochensplitter ins Hirn des Schauspielers eindrangen. "Dass ein aufgesetzter Schuss mit einer Schreckschusspistole tödlich ist, sollte heute eigentlich angekommen sein", erläutert Film-Sicherheitsexperte Michalek.

Der "Waffenmeister" sorgt für Sicherheit am Set

Beim Umgang mit Waffen am Theater oder beim Film sorgt der Waffenmeister für Sicherheit. "Sein Job ist es, dafür zu sorgen, dass der Einsatz der Waffen richtig bemessen wird." Das betrifft die Handhabung von Messern und Schwertern ebenso wie den Umgang mit Schusswaffen.

"Der Waffenmeister weiß genauestens Bescheid, wie die Wirkung ist und kann sie auf den jeweils Schauspielenden abstimmen." Denn nicht jeder sei für jede Waffe geeignet, sagt Michalek.

Ein großes Problem im Umgang mit Waffen beim Dreh ist nach Einschätzung des Sicherheitsexperten aber auch die sogenannte "Sekundärgefährdung". In Zeiten von Terrorgefahr und Amokläufen könne man nicht einfach "mit einem Plastikgewehr über den Hof laufen." Das würde sofort einen Polizeieinsatz auslösen. "Und deshalb muss ich jede Waffe, auch wenn sie bloß aus Kunststoff ist, behandeln wie eine Scharfe."

Ludwigsburg/Los Angeles

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