Fahrgäste der Deutschen Bahn warten auf Gleis 9 im Kölner Hauptbahnhof auf einen Zug (Foto: Imago, imago images / Future Image)

Reaktion auf Todesfall in Frankfurt Mehr Sicherheitskräfte und Videoüberwachung an Bahnhöfen

Vertreter von Bundesregierung und Deutscher Bahn haben beschlossen, wie sie Bahnhöfe sicherer machen wollen. Das berichtet die Deutsche Presse-Agentur unter Berufung auf Regierungskreise.

Demnach sollen unter anderem die Videoüberwachung ausgebaut und die Präsenz von Sicherheitskräften an Bahnhöfen erhöht werden. Details sollten morgen bekannt gegeben werden.

Hintergrund ist eine tödliche Attacke auf ein Kind am Frankfurter Hauptbahnhof. Dort hatte ein Mann Ende Juli einen 8-jährigen Jungen und dessen Mutter vor einen einfahrenden Zug gestoßen. Der Junge starb, die Mutter wurde verletzt.

Bahnsteige zu eng

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte im Vorfeld des Treffens Zugangssperren oder Trennwände vorschlagen. Doch das dürfte schwierig werden, sagte der Pro-Bahn-Bundesvorsitzende Detlef Neuß im SWR. Die großen deutschen Bahnhöfe seien regelrechte Ladenstraße. Dort könnten Zugangssperren nur sehr schwer eingerichtet werden. Außerdem seien die Aufgänge zu Bahnsteigen oft zu eng

"Wenn ein Pendlerzug ankommt und 400 Reisende gleichzeitig aus dem Zug und aus dem Bahnhof herausmüssen, dann bildet sich dort ein Stau."

Einbau von Trennwenden nicht umsetzbar

Auch für den Einbau von Trennwänden auf den Bahnsteigen gebe es keine praktikable Umsetzungsmöglichkeit. "Wir haben in Deutschland etwa 2.300 Kilometer Bahnsteiglänge. An diesen Bahnsteigen halten die unterschiedlichsten Züge."

Eine Sicherung der Bahnsteige durch Einstiegstüren sei nur bei geschlossenen Systemen möglich. "Da hält die Bahn dann immer punktgenau", ergänzte der Pro-Bahn-Bundesvorsitzende. Als Beispiel nannte er den Shinkansen-Schnellzug in Japan.

Für das deutsche Bahnsystem müsste ein solches System erst entwickelt werden. Die Kosten seien enorm. "Es würde vermutlich einen guten dreistelligen Milliardenbetrag kosten, so etwas zu installieren.", sagte Neuß.

GdP fordert mehr Investitionen von Seiten der Bahn

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) sieht in punkto Sicherheit vor allem Defizite bei der Deutschen Bahn. Im Gespräch mit dem SWR sagte GdP-Vizechef Jörg Radek: "Ich blicke zurück auf eine Erfahrung seit 1992 bis in die Gegenwart hinein. Gerade die Bahn hat das Thema Sicherheit zu lange rein aus Kostengründen betrachtet“. Das müsse sich ändern.

Nach Ansicht von Radek benötigt die Bundespolizei vor allem mehr und bessere Räumlichkeiten in den rund 3.600 bundesdeutschen Bahnhöfen. Bislang gebe es dafür aber keinerlei Signale von Seiten der Bahn. "Ich sehe immer noch Dienststellen ohne barrierefreie Zugänge, ich sehe immer noch Dienststellen, wo wir unangemeldete Besucher in Form von Kakerlaken haben."

REDAKTION
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