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Sibirischer Permafrost Wärme weckt Milzbrand-Erreger

Das ewige Eis Sibiriens taut - und mit ihm darin schlummernde Krankheitserreger. Jetzt ist Milzbrand ausgebrochen, und laut SWR-Umweltredaktion könnte noch Schlimmeres drohen.

Während des arktischen Sommers taut der Permafrostboden und verwandelt die Insel in ein amphibisches Biotop.

Während des arktischen Sommers taut der Permafrostboden

Zum ersten Mal seit 75 Jahren ist in einer Region im äußersten Norden Russlands ein Milzbrand-Ausbruch gemeldet worden. Ein Zwölfjähriger ist bereits daran gestorben, 72 Menschen sind ins Krankenhaus gekommen. Nach Angaben von SWR-Umweltredakteur Werner Eckert steht das in Zusammenhang mit dem Klimawandel.

Das Klima und der Ausbruch von Milzbrand - wie hängt das genau zusammen?

Diese Krankheitserreger können im ewigen Eis überleben, in sogenannten Permafrostböden. Das sind Böden, die bisher das ganze Jahr über eingefroren waren und damit ideale Bedingungen für Sporen wie Anthrax - also Milzbrand - boten, aber auch für Viren, die die Kälte sehr genießen. Durch den Klimawandel tauen diese Böden nun im Sommer auf. Gerade in arktischen Breiten steigen die Temperaturen rabiat. Wenn diese Böden weich werden, dann werden eben auch die Erreger frei. Man hat schon vor einigen Jahren ein Virus im ewigen Eis entdeckt. Und man hat gesehen, dass es in diesem Eis überlebt.

Bisher sind Rentiere und die Hirten von diesem Milzbrand-Erreger betroffen. Wie wahrscheinlich ist es denn, dass sich das noch weiter ausbreitet?

Rentiere werden zum Schlachten geführt

Rentiere werden zum Schlachten geführt

Wenn solche Erreger erst einmal freigeworden sind, dann ist zu befürchten, dass es einen Ausbruch gibt. Man versucht natürlich, die Krankheit mit medizinischen Mitteln einzudämmen. Zum Beispiel wurde Quarantäne verhängt. Da die betroffene Gegend sehr einsam ist, ist die Hoffnung groß, dass man die Krankheit isolieren kann. Aber grundsätzlich besteht immer die Gefahr, dass sich ein so ansteckender Erreger wie Anthrax, also der Milzbrand wirklich ausbreitet.

Wir kennen Milzbrand eher als biologischen Kampfstoff, vor allem seit dem 11. September 2001. Könnte der sich nun auf natürlichem Weg ausbreiten?

Die Gefahr besteht. Die Viren, die man im ewigen Eis schon gefunden hat, waren für Menschen nicht sonderlich gefährlich, aber es kann dort weitere Viren geben. Ein Virus, das eigentlich als ausgerottet gilt, ist das Pockenvirus. Man muss sich nur vorstellen, dass dort möglicherweise die Pocken wieder aktiv werden, weil sie aus dem ewigen Eis auftauen. Das würde die Welt schon vor ein großes Problem stellen. Wir haben zwar moderne medizinische Mittel, aber bei Viren sind die gerade zu Beginn einer Epidemie immer beschränkt. Bis sich genug Antikörper gebildet haben, bis man möglicherweise Impfstoffe gewonnen hat, kann ein solches Virus, wenn es denn einen Zug über die Welt macht, vernichtend sein. Die Angst der Virologen vor einem solchen Supervirus ist groß.

Und könnten andere Bakterien und Viren, die noch im ewigen Eis schlummern, genauso gefährlich sein?

Die Vorstellung ist zumindest, dass im ewigen Eis zusätzliches Potential gefährlicher Viren schlummern könnte: Zum einen könnte es so etwas wie das Pockenvirus geben - ein Virus, das schon ausgestorben ist, und das man nur noch in einigen Laboren kontrolliert vorhält. Zum andere sehr alte Formen von bekannten Viren, gegen die die Resistenz in der Bevölkerung schon wieder nachgelassen hat. Ein Beispiel wäre die spanische Grippe von 1916. Wenn dieses Virus wieder aktiv würde, könnte es eine Gefahr darstellen.

Die Fragen stellte Andreas Herrler, Onlinefassung: Christine Veenstra

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