Martin Rupps (Foto: SWR, SWR/Kristina Schäfer)

Schwere Unwetter im Südwesten. Ein Kommentar

Unwetter für die Seele

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Naturkatastrophen werden auch im Südwesten häufiger und heftiger, meint Martin Rupps. Sie erschüttern unser existenzielles Sicherheitsbedürfnis ähnlich wie Terroranschläge und die Pandemie.

Schlimme Unwetter mit massiven Folgen – Tote, Verletzte, Schäden in Milliardenhöhe – zogen über Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz hinweg. Zuletzt war die Katastrophe immer woanders - Schneemassen in Norddeutschland, Hochwasser an Elbe und Oder. Jetzt kamen die Einschläge nicht nur sprichwörtlich näher, sie waren da. Regen fiel direkt auf die Stuttgarter Opernbühne. In der Staatsgalerie floss das Wasser aus den Garderobenschränken. In tausenden Kellern stand es den Menschen bis zum Knie.

Unwetter mit Starkregen suchten den Südwesten heim. Das Foto entstand am Österreichischen Platz in Stuttgart (Foto: dpa Bildfunk, picture-alliance/dpa)
Unwetter mit Starkregen suchten den Südwesten heim. Das Foto entstand am Österreichischen Platz in Stuttgart picture-alliance/dpa

Ältere Stuttgarter mochten am Montag und Dienstag an den Nachmittag des 15. August 1972 gedacht haben, als der Himmel über der Landeshauptstadt zuerst gelb und dann schwarz wurde. Ein Tropengewitter bisher unvorstellbaren Ausmaßes entlud sich über Stuttgart und seinem Umland. Tennisballgroße Hagelkörner füllten binnen Minuten die Tunnel der Bundesstraße 27, wo sich Autofahrer aufs Dach retteten oder im Eiswasser erstickten. Auch für Handwerker, die in einem Keller arbeiteten, kam jede Hilfe zu spät.

Ich fürchte, bis zur nächsten Katastrophe dieser Art werden keine 49 Jahre vergehen. Das Wetter ist auch nicht mehr, was es einmal war. Wir müssen der Wirklichkeit ins Auge sehen: Öffentliche und private Gebäude gehören künftig stärker gesichert und höher versichert als heute. Die Versicherungen werden sich das neue Risiko gut bezahlen lassen.

Der psychologische Schaden solcher Unwetter ist nicht in Euro auszudrücken. Häufiger wiederkehrende Naturkatastrophen erschüttern unser existentielles Sicherheitsempfinden ähnlich wie Terroranschläge oder eine Pandemie. Wasser in einem Keller lässt sich abpumpen, Angst in der Seele nicht.

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