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Der Generalsekretär der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendmedizin, Hans-Iko Huppertz, fordert, Schulen und Kitas möglichst bald wieder zu öffnen. Er fürchtet langfristige Folgen für die Jugendlichen.

Im SWR sagte Kinderarzt Huppertz: "Wir haben gesagt, Schulen und Kindergärten sind systemrelevant. Also sollte man alles unternehmen, dass sie aufbleiben – aber es muss natürlich sicher sein: Sowohl für die Eltern und die Kinder als auch für die Betreuer und die Lehrer."

Ideen für sicheren Unterricht vorgelegt

Die Akademie habe dafür ausführliche Hygienemaßnahmen vorgeschlagen, mit denen ein solcher Betrieb durchführbar wäre. "Wir wundern uns, warum diese Maßnahmen nicht umgesetzt werden."

Die Maßnahmen hätten bei relativ niedrigen Inzidenz-Zahlen gut funktioniert. "Jetzt sind die Zahlen hoch – da muss man diese Maßnahmen vollständig umsetzen, und dann wird das auch gehen."

Folgen der Schließungen spürbar

Huppertz verweist im SWR-Interview auf die gesundheitlichen Folgen der langfristigen Schul- und Kita-Schließungen. Auch in Kinderarzt-Praxen machten sich diese Folgen bemerkbar. "Kindergärten und Schulen sind für die psychische und intellektuelle Entwicklung der Kinder außerordentlich wichtig, und deshalb bedürfen wir ihrer."

Debatte über Schulöffnungen geht weiter

Eines der Ergebnisse der letzten Bund-Länder-Gespräche über die Corona-Schutzmaßnahmen lautet, dass Schulen bis Mitte Februar "grundsätzlich" geschlossen bleiben sollen - die Präsenzpflicht ist aufgehoben. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisiert allerdings, dass es zu viele Schlupflöcher für die Länder gebe, den Beschluss zu umgehen, und fordert ein einheitliches Vorgehen.

Auch viele Eltern sind besorgt: "Viele Fächer wie Kunst, Musik oder Sport, die auch eine wichtige Rolle für die Entwicklung der Kinder spielen, werden gar nicht mehr gegeben", sagt der Vorsitzende der Hamburger Elternkammer, Marc Keynejad.

Entwicklungspsychologin sieht Lage nicht so dramatisch

Die Entwicklungsneuropsychologin Anja Karlmeier teilt diese überwiegend negativen Prognosen nicht. Zwar bereite ihr gerade die Dauer der Einschränkungen Sorge, sagte sie im Tagesschau-Interview. Andererseits gebe es aber keine Zwangsläufigkeit, dass Kinder und Jugendliche für ihr ganzes Leben unter den jetzigen Defiziten litten.

Je nachdem, wie die Situation gestaltet wird, gebe es auch Chancen. "Jedes Adaptieren an die neue Situation, jede Bewältigungserfahrung (...) bergen auch Entwicklungschancen für Kinder- und Jugendliche."

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