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Wie kann der Schulbetrieb sicherer werden? Bildungsministerin Karliczek und Experten haben dazu einen Leitfaden mit Empfehlungen vorgestellt.

Ob Schulen in der Corona-Pandemie wieder geöffnet werden, entscheidet zwar die Politik, aber es gibt jetzt einen wissenschaftlichen Leitfaden, wie ein sicherer Schulbetrieb in Pandemiezeiten aussehen könnte.

Expertinnen und Experten aus mehr als 30 Fachgesellschaften haben den Leitfaden zusammengestellt. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) betonte, der Leitfaden sei keine Entscheidungsgrundlage dafür, ob Schulen wieder geöffnet werden könnten, sondern gebe vielmehr Handlungsempfehlungen vor. Diese sollen einen möglichst sicheren, geregelten und kontinuierlichen Schulbetrieb während der Pandemie ermöglichen. Konkret geht es um folgende Aspekte:

Feste Gruppen an Schulen

Je nach Infektionsgeschehen wird es als sinnvoll angesehen, an Schulen so genannte Kohorten zu bilden. Die Lernenden werden also in feste große Gruppen eingeteilt und getrennt, zum Beispiel nach Klassen oder Jahrgängen. Bei höheren Ansteckungszahlen wird Klassenteilung und Wechselunterricht empfohlen. Bei der Rückkehr in den Präsenzunterricht sollen zuerst Grundschüler dran sein.

Maskenpflicht für Schüler und Lehrerschaft

Bei einem "hohen Infektionsgeschehen", wie es heißt, sollen Schüler und Lehrer medizinische Masken tragen. Das wird auch für die Fahrt im Schulbus empfohlen. Konkrete Inzidenzzahlen werden in dem Leitfaden nicht genannt.

"Mit Maskentragen gehen geringe gesundheitliche Nebenwirkungen einher. Es gibt keine Evidenz für mögliche Schäden durch Tragen einer Maske."

(aus dem Leitfaden)

Klassenzimmer alle 20 Minuten lüften

Ebenfalls befürwortet wird in dem Papier die inzwischen bekannte Lüftungsempfehlung des Umweltbundesamtes: alle 20 Minuten drei bis fünf Minuten Stoßlüften. Als gleichwertige Alternative wird eine "geeignete Lüftungs- oder raumlufttechnische Anlage" genannt.

Damit sind aber keine mobilen Luftreiniger gemeint. Diese Geräte sollen, so die Empfehlung, nur "als ergänzende Maßnahme" zum Einsatz kommen, wenn grundsätzlich ausreichend gelüftet werden kann.

Musik- und Sportunterricht befürwortet

Grundsätzlich befürworten die Fachleute in dem Leitfaden, dass Musikunterricht stattfindet. In Innenräumen aber ohne Gesang oder zum Beispiel Blasinstrumente, damit nicht so viele Aerosole entstehen. Im Freien könnten jedoch mit mindestens zwei Meter Abstand in alle Richtungen sowohl gesungen als auch Blasinstrumente gespielt werden.

Auch für Sportunterricht mit Auflagen machen sich die Experten stark - wenn unter anderem Abstandsregeln eingehalten werden.

An der Erstellung der Leitlinie waren unter anderem die Deutsche Gesellschaft für Epidemiologie, die Deutsche Gesellschaft für Public Health sowie die Deutsche Gesellschaft für Kinder und Jugendmedizin beteiligt. Darüber hinaus wurden auch die Meinungen direkt Betroffener, also aus der Lehrer-, Eltern- und Schülerschaft einbezogen. Die Experten haben zudem rund 40 Studien zum Schulbetrieb ausgewertet. Die Leitlinie soll fortlaufend aktualisiert werden.

Immer mehr fordern Öffnung der Schulen

Die Stimmen, die eine baldige Öffnung der Schulen fordern, mehren sich.Die aktuelle Einschränkungen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie dauern bis Mitte Februar. Am Mittwoch beraten die Regierungschefs von Bund und Ländern über das weitere Vorgehen.

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