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Schreiben statt Tippen Notizblock contra Smartphone

Schüler schreiben schlechter als vor Jahren. Das ergab eine Umfrage unter 2.000 Lehrern. Es wird viel getippt statt geschrieben. Ein Grund, gar keinen Stift mehr in die Hand zu nehmen?

Zwei SWR-Kollegen handhaben es in ihrem Alltag sehr unterschiedlich, wenn sie sich zum Beispiel etwas notieren wollen.

Christopher Jähnert möchte Zettel und Stift

Ganz ehrlich: Natürlich muss man das Schreiben lernen. Das sage ich allerdings nicht, weil man irgendwas Überkommenes oder Altertümliches retten müsste, sondern aus rein praktischen Gründen. Ich gehöre zwar zu den "Digital Natives", bin also mit Computern aufgewachsen und kenne mich entsprechend aus. Aber was ich niemals wollen würde: Alles nur noch mit dem PC oder dem Smartphone aufschreiben zu können. Erstens dauert das viel zu lang, bis man mal soweit ist, tatsächlich was schreiben zu können. Und zweitens dauert es dann genau so lange, bis man es wieder aufrufen kann. Für Notizen find ich das unbrauchbar, außer es geht gar nicht anders.

Manchmal frage ich sogar noch nach Stift und Zettel, um mir was aufzuschreiben. Oder Einkaufslisten: Man stelle sich vor, für jeden einzelnen Artikel im Supermarkt aufs Smartphone schauen zu müssen. Und wenn's ganz blöd läuft, fällt es runter und ist kaputt. Dann liest man erst mal gar nichts mehr. Dass so ein Blatt Papier zum Beispiel mal nass wird, passiert zwar auch. Aber so ein nasses Papier lässt sich doch einfacher retten als ein Handy - und es ist auch nicht sofort alles weg. Also aus rein praktischen Gründen sollte man auch in Zukunft anständig mit der Hand schreiben können. Aber am wichtigsten finde ich, dass man beides beherrscht: sowohl analog als auch digital.

Dominik Evers nutzt seine Notizbuch-App

Meine To-do-Liste für den heutigen Tag ist selbstverständlich auf dem Smartphone. Wenn ich mir in einer Konferenz Notizen mache, landen die grundsätzlich in der Notizbuch-App. Meine Telefonkontakte sind sowieso schon seit Jahren im Handy gespeichert. Selbst Einkaufszettel kann ich bequem in der passenden App erstellen und auch noch mit meiner Partnerin teilen, damit niemand etwas doppelt kauft. Der letzte handgeschriebene Brief ist bei mir schon Jahre her - und war eher privat als beruflich.

Im normalen Alltag braucht eigentlich niemand mehr die Handschrift. Und das ist auch gut so. Denn man erinnere sich doch einfach mal an die Notizen vom Kollegen, die man nur mit Mühe und Not entziffern kann, weil er einfach so undeutlich schreibt! Oder die schnell hingekritzelten, kaum lesbaren Informationen vom Arzt, wie oft das Medikament einzunehmen ist.

Als ich kürzlich eine Rechnung von einem Handwerker bekam, die handschriftlich geschrieben war, fand ich das sogar extrem unhöflich. Ich konnte kaum etwas erkennen und es sah einfach sehr unprofessionell aus. In der Arbeitswelt ist die Handschrift also schon längst überholt, auch aus Zeitgründen.

Außerdem sollten die Befürworter der Handschrift doch auch ein bisschen froh sein: Denn gerade wenn im Alltag die normale Handschrift ausstirbt, dann werden die wenigen mit Handschrift erstellten, privaten Texte und Briefe doch viel außergewöhnlicher und ausdrucksstärker.