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Johannes Schmid-Johannsen (Foto: SWR)
Ulrich Lang (Foto: SWR)
Nico Heiliger (Foto: SWR)

Nur zwei bis fünf Prozent aller Infektionsfälle in Baden-Württemberg sind nach SWR-Recherchen auf einen positiven Schnelltest zurückzuführen. Massenhafte Antigen-Schnelltests sind derzeit nicht der Grund für steigende Infektionszahlen.

Woher kommen die ganzen Neuinfektionen? Diese Frage stellen sich gerade viele. Immer wieder gibt es die Vermutung, dass positive Schnelltests nun die Infektionszahlen nach oben treiben würden. Der Gedanke dahinter ist: Wird mehr getestet, wird auch mehr gefunden. Eine SWR-Datenanalyse kommt zu einem anderen Schluss: positive Schnelltests sind bisher eher selten. Nur rund zwei bis fünf Prozent aller gemeldeten Neuinfektionen gehen auf einen Schnelltest zurück. Pro Woche registrierten die Gesundheitsämter schwankend zwischen 350 und 560 Verdachtsfälle nach einem positivem Schnelltest.

5.200 positive Schnelltests seit Ende Dezember

Seit Beginn der Meldepflicht wurden in Baden-Württemberg knapp 5.200 Verdachtsfälle nach einem positiven Schnelltest gemeldet. Trotz der großen Schnelltest-Offensive sind die Zahlen in den vergangenen zwei Wochen nicht sprunghaft angestiegen. Dennoch rechnet das Landesgesundheitsamt mit einem Effekt auf die Inzidenzwerte:

Ziel der Erhöhung des Einsatzes von Schnelltests ist die niederschwellige Erfassung von COVID-19-Verdachtsfällen, um somit zeitnah Übertragungsketten zu unterbrechen. Dieses Vorgehen hat einen Effekt auf die Verringerung der Dunkelziffer bzw. auf die Inzidenzwerte, die auf Grundlage der mittels PCR bestätigten Neuinfektionen berechnet werden.

Stellungnahme des Landesgesundheitsamts vom 12. März 2021

Bislang ist dieser Effekt noch sehr gering. Er könnte aber stärker werden, sobald die Zahl der durchgeführten Antigen-Schnelltests in offiziellen und meldepflichtigen Test-Stellen zunehmen.

70 Prozent der Schnelltest-Positiven bestätigt

In Baden-Württemberg sind bislang rund 3.600 Menschen, die mittels positivem Schnelltest zunächst als ansteckungsverdächtig galten, dann auch im PCR-Test positiv getestet worden. Das sind rund 70 Prozent aller Ansteckungsverdächtigen. Das bedeutet nicht unbedingt, dass die restlichen 30 Prozent nicht infiziert waren und durch den Schnelltest falsch-positiv getestet worden sind. Es könnte auch sein, dass ein Teil der Ansteckungsverdächtigen keinen PCR-Test hat durchführen lassen oder aus anderen Gründen nicht mehr als positiv getestet wurde.

Verdachtsfälle werden mittels sicherem PCR-Test bestätigt

Seit 23. Dezember 2020 gilt die Meldepflicht für positive Antigen-Schnelltests in Deutschland. Fällt in einem Schnelltest-Zentrum, einer Arztpraxis oder in der Apotheke ein Schnelltest positiv aus, ist das meldepflichtig gegenüber dem Gesundheitsamt. Der positiv Getestete wird dann als Verdachtsfall geführt und erhält eine Anordnung zur Isolation.

Ein positives Ergebnis mit einem geeigneten Antigentest stellt zunächst einen Verdacht auf eine SARS-CoV2-Infektion dar. Es ist jedoch noch keine Diagnose einer SARS-CoV2-Infektion. Die Diagnose wird erst durch den nachfolgenden RT-PCR-Test gestellt.

Stellungnahme des Landesgesundheitsamts vom 12. März 2021

Die endgültige Diagnose der SARS-CoV2-Infektion erfolgt über die ärztliche Abklärung und in der Regel über einen PCR-Test, der den eindeutigen Labor-Nachweis für die Virus-Infektion erbringt.

Private Tests sind nicht meldepflichtig

Privat durchgeführte Schnelltests sind nicht meldepflichtig. Allerdings könnte unter Umständen eine Verpflichtung bestehen, sich selbst in Quarantäne begeben zu müssen. „Krankheitsverdächtige“ Personen müssen sich laut „Corona-Verordnung Absonderung“ selbst isolieren. Im Einzelfall dürfte es nicht nachprüfbar sein, ob sich jemand zuhause selbst positiv getestet hat. Diese Fälle von Antigen-Testungen tauchen deshalb auch nicht als Schnelltest-Verdachtsfälle in der Statistik auf.

Gesamtzahl der Schnelltests unbekannt

Landesweite Zahlen über die Anzahl der durchgeführten Schnelltests gibt es nicht. Wie häufig also potentiell Infizierte durch einen Schnelltest gefunden werden, ist deshalb nicht bekannt. Die Positivrate, also der Anteil der positiven Ergebnisse an allen Schnelltests im Land, lässt sich deshalb nicht abschätzen. Die professionellen Test-Stellen müssen nur positive Schnelltest-Fälle an die Gesundheitsämter melden. Ob dies in jedem Fall auch passiert, ist derzeit ebenfalls nicht nachprüfbar. In Tübingen wurde laut Mitteilung der Stadt vom 10. März 2021 bei der ersten Runde von 5.000 Schnell-Testungen in den Schulen nur ein positiver Fall gefunden.

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