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Corona-Schnelltests für zuhause wären praktisch. Das Bundesgesundheitsministerium möchte solche Tests zulassen - aber das wird wohl noch etwas dauern.

Corona-Schnelltests dürfen derzeit nur an geschultes Personal abgegeben werden, unter anderem an Ärztinnen und Ärzte. Auch Apotheken dürfen inzwischen solche Schnelltests durchführen. Künftig sollen Menschen einfache Schnelltests aber auch ohne geschultes Personal nuzten können. Dazu plant das Bundesgesundheitsministerium die sogenannte Medizinprodukte-Abgabeverordnung zu ändern.

Bis die geplanten Antigen-Heimtests aber verfügbar sind, wird es wohl noch dauern. Ministeriumssprecher Hanno Kautz dämpfte nun entsprechende Erwartungen. Noch, sagte er, sei man nicht so weit: "Es geht bei dieser Medizinprodukte-Abgabeverordnung erst mal um die prinzipielle Idee, solche Schnelltests für zu Hause möglich zu machen."

Corona-Test für Privatpersonen: Handhabung soll einfacher sein

Im Vergleich zu den PCR-Tests sollen die Heimtests einfacher zu handhaben sein. Denn, so Ministeriumssprecher Kautz: "Die Produkte müssen aussagekräftig genug sein und auch so von Laien praktizierbar sein, dass die Gefahr falsch-positiver oder falsch-negativer Testergebnisse relativ gering ist." Und die Coronatests für zuhause müssten erst noch zertifiziert werden.

Derzeit sehen die PCR-Tests und auch die Schnelltests einen Abstrich tief in der Nase oder im Rachen vor. Diese Methode ist möglicherweise für einen Selbsttest nicht geeignet. Kautz wies mit Blick auf künftige Selbsttests auch daraufhin, dass man bei einem positiven Resultat auf jeden Fall einen PCR-Test machen sollte.

Studien: Laien erzielen gute Ergebnisse

Der Apothekerverband Nordrhein findet die Pläne gut, Privatpersonen Corona-Schnelltests zum Selbstmachen anzubieten. Verbandschef Thomas Preis sagte der "Rheinischen Post", Studien hätten gezeigt, dass Laien gute Ergebnisse erzielen würden. Allerdings würden vermutlich Spuck- oder Gurgeltests zum Einsatz kommen. Sie sind in der Anwendung deutlich einfacher als beispielsweise ein Test, bei dem ein Rachenabstrich gemacht werden muss.

Experten: Korrekter Spucktest schwierig

Einige Fachleute warnen allerdings vor den Spucktests. So leicht seien sie nicht anzuwenden. Denn für ein korrektes Ergebnis wird ein Sekret tief aus den Atemwegen benötigt – das sogenannte Sputum.

Auch Bodo Plachter, stellvertretender Direktor der Virologie an der Uni Mainz sieht die Spucktests kritisch. Gesunde Menschen hätten Schwierigkeiten, den benötigten Auswurf zu produzieren. Daher würde vermutlich der Speichel getestet – in seinen Augen ein problematisches Material.

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Grünen-Chefin Baerbock fordert zügige Zulassung

Die Grünen kritisierten das Vorgehen der Bundesregierung in der Corona-Pandemie. Anstatt vorausschauend zu handeln, sei sie zu oft auf Sicht gefahren, bemängelte Grünen-Chefin Annalena Baerbock. Sie nannte als Beispiele die Beschaffung von Masken, den Einsatz von Luftfiltern und aktuell den Umgang mit Schnelltests. Baerbock forderte eine schnelle Zulassung:

"Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte kann eine befristete Sonderzulassung aussprechen. Und diese Sonderzulassung für Schnelltests in der Eigenanwendung fordern wir jetzt von Gesundheitsminister Spahn ein."

Annalena Baerbock (Grüne)

Neben den geplanten Schnelltests für den privaten Einsatz sorgt derzeit auch die Bestellung von Antikörper Medikamenten für Diskussionen. Ministeriumssprecher Kauz bestätigte die Bestellung von 200.000 Dosen sogenannter monoklonaler Antikörper durch die Bundesregierung.

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