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"Hygge", also die dänische Art, entspannt glücklich zu sein, ist auch in dänischen Schlachthöfen ein Fremdwort für Tiere und für Menschen. Und doch läuft bei unseren Nachbarn in der Fleischproduktion einiges besser als bei uns.

Auch in Dänemark wird überwiegend industriell geschlachtet und verarbeitet. Aber es gibt strenge Tierschutzauflagen, etwa was Haltung, Transport oder das Tierwohl vor der Schlachtung angeht. Und auch die Arbeitsbedingungen für die meisten Beschäftigten sind besser als in Deutschland, sagt Jens Hansen im ARD-Interview.

Hansen ist Sprecher der Danish Crown Group, des größten europäischen Schweineschlachters und Fleischverarbeiters mit mehr als 10.000 Mitarbeitern allein in Dänemark: "Für uns ist der große Unterschied - nicht nur zwischen Dänemark und Deutschland, sondern zwischen Dänemark und dem Rest der Welt - dass wir ein sehr starkes soziales Sicherheitsnetz haben. Wenn sich unsere Mitarbeiter krank fühlen, können Sie zuhause bleiben und bekommen immer noch einen sehr großen Teil des Lohns."

Keine Werkvertrags-Konstruktionen in Dänemark

Dänemark ist stolz auf seinen umfassenden Wohlfahrtsstaat, der Beschäftigungsmodelle wie in deutschen Großunternehmen gar nicht erst zulässt. "Die Konstruktion mit den Werksverträgen in Deutschland macht alles viel komplizierter, schafft Mittelsmänner und Instanzen, die kontrolliert werden müssten. Viele Dinge im Werkvertragssystem vergrößern das Risiko für Betrug, für Probleme oder Missverständnisse. Allein die Tatsache, dass viele dieser Firmen eigene Quartiere für ihre Arbeiter haben, unterscheidet sich deutlich von dem, was in Europa sonst üblich ist", erklärt Hansen.

Mehr als zwei Drittel der Beschäftigten sind Dänen

Selbst die dänischen Gewerkschaften sprechen von - im europäischen Vergleich - guten Arbeitsbedingungen auf denjenigen dänischen Schlachthöfen, die zumindest der Größe nach mit denen in Deutschland zu vergleichen sind. Es gebe gute und fast ausnahmslos eingehaltene Tarifverträge mit Stundenlöhnen von umgerechnet etwa 25 Euro. Mehr als zwei Drittel der Beschäftigten sind übrigens Dänen.

Brian Vestergaard ist Betriebsrat bei Danish Crown: "Wir haben verschiedene Corona-Maßnahmen eingeführt: häufiges desinfizieren, Abstand halten und ganz viele Informationen für die Kollegen. Wer Symptome hat, geht direkt nach Hause und ruft seinen Arzt an. Zur Arbeit kommt man erst wieder, wenn man gesund ist. In der Zwischenzeit gibt es Krankengeld. Das steht so in den Tarifverträgen."

Doch auch dänische Fleischindustrie steht unter großem Druck

Allerdings hat die dänische Fleischindustrie nach Gewerkschaftsangaben in den vergangenen Jahrzehnten Tausende Arbeitsplätze an billigere Konkurrenten - auch in Deutschland - verloren. Die Branche steht unter großem Druck. Die dänischen Standards sind in Gefahr, sagt ein dänischer Schweinezüchter. Letztendlich ginge es ums Überleben der Landwirte. Wenn die Verbraucher immer billigeres Fleisch wollten, dann müsse gespart werden. Einige täten dies durch schlechtere Arbeitsverhältnisse, bei anderen werde der Verdienst zu klein - und irgendwann werde die Produktion von Qualitätslebensmitteln beendet.

Fleisch ist nicht gleich Fleisch: Augen auf beim Einkauf

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