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Schaltsekunde 2015 Wieder im Takt

Am 1. Juli dauert die Nacht genau eine Sekunde länger als sonst: Denn um 1:59:59 Uhr wird eine so genannte "Schaltsekunde" hinzugefügt. Alle zwei Jahre geschieht dies, um zwei Zeitmessungen wieder in Übereinstimmung zu bringen: die immer gleich schnell tickende Zeit der Atomuhren und die am Stand der Sonne gemessene astronomische Zeit.

Die Atomuhr CS2 in der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig

Die Atomuhr CS2 in der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig

Fragen an Anja Braun, SWR Wissenschaftsredaktion

Die Schaltsekunde braucht man, damit die Weltzeit wieder stimmt. Aber wieso driften Erdzeit und Atomzeit überhaupt auseinander?

Das liegt daran, dass sich die Umdrehungsgeschwindigkeit der Erde verlangsamt – ganz minimal - und zwar durch die Anziehungskraft des Mondes, die ja die Gezeiten Ebbe und Flut bestimmt. Dazu kommt, dass sich die Rotation der Erde immer wieder ein klein wenig verändert – die Erde eiert dann – und das wird etwa ausgelöst durch atmosphärische Einflüsse - wenn sich große Hoch- oder Tiefdruckgebiete aufbauen oder auch durch geologische Prozesse wie Vulkanausbrücke oder Gletscherschmelzen.

Diese Unregelmäßigkeiten – also das Eiern und immer langsamer Werden der Erde - führen dazu, dass die Erdtage immer ein bisschen länger werden. Das ist für uns Einzelne nicht spürbar. Aber wir merken es, da wir die Zeit mit Uhren messen, in denen Atome schwingen – und die schwingen immer gleich schnell. Das heißt die Atomzeit und die tatsächliche Erdzeit laufen auseinander. Sobald dieser Unterschied eine ganze Sekunde beträgt, wird deshalb eine Schaltsekunde eingefügt. Seit 1972 - da hat man sich weltweit auf dieses Verfahren geeinigt - wird so verfahren. Seitdem sind bereits 26 Schaltsekunden eingefügt worden. Denn wenn man die gemessene Zeit nicht anpassen würde, dann würde die Sonne irgendwann mittags aufgehen - in ein paar hundert Jahren.

2012 sind Probleme beim Einfügen der Schaltsekunde aufgetaucht, wie wird es in diesem Jahr sein?

Das Jahr 2015 wird um eine Sekunde verlängert

Das Jahr 2015 wird um eine Sekunde verlängert

Die meisten Systeme wie zum Beispiel Funkuhren bewältigen den Zeitsprung ohne Probleme. Allerdings kann die zusätzliche Sekunde bei der Synchronisation von Computern tatsächlich problematisch sein. Die haben Schwierigkeiten mit der Zusatzsekunde – vor allem bei der Erzeugung von Zeitstempeln. Und richtig haarig wird es bei Software, die ganz kleinteilig - im Mikrosekundenbereich arbeitet.

Als 2012 die jüngste Schaltsekunde eingefügt wurde, fiel zum Beispiel das Buchungssystem der australischen Fluggesellschaft Qantas aus. Durch das verursachte Chaos mussten 50 Flugzeuge erst mal am Boden bleiben. Deshalb stehen heute Nacht vor allem die Flugsicherung, aber auch der Geldhandel und das Stromnetz unter Beobachtung. Wird dort ein Wert wegen der Schaltsekunde falsch berechnet, kann das zu Kettenreaktionen führen, die letztlich das ganze System lahm legen.

Die Betreiber sind jedoch vorbereitet. Zur Sicherheit werden etliche Systeme von IT-Spezialisten vom 30. Juni auf den 1. Juli ab 24:00 Uhr erst herunter- und dann wieder hochgefahren. Das kostet natürlich ordentlich Geld. Viele Unternehmen fordern deshalb, die Schaltsekunde wieder abzuschaffen und lieber einmal alle hundert Jahre eine Schaltminute einzuführen.


Online: Lutz Heyser, Christine Trück & Heidemarie Martin