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Unbekannte plündern Grabhügel in St. Goar "Vielleicht ein Superfund, der jetzt zerstört ist"

Unbekannte haben im Stadtwald von St. Goar ein Hügelgrab geplündert und zerstört. Sie gingen hochprofessionell vor. Der Verlust ist aus Sicht eines Landesarchäologen immens.

Ausgeraubter Grabhügel bei St. Goar

Offenbar war eine professionelle Bande am Werk

Dass bei den alten Ägyptern fleißig Gräber geplündert und Kulturgüter zerstört wurden, ist bekannt. Doch dass so etwas auch in Rheinland-Pfalz vorkommt, ist eher selten. Im Stadtwald von St. Goar ist es jetzt passiert.

Dort haben unbekannte Täter wohl über mehrere Tage hinweg einen langen Gang gebuddelt, um direkt an den Bestattungsort in dem Grabhügel zu kommen. Da dieser von außen nur schwer zu erkennen ist, geht die Landesdenkmalschutzbehörde davon aus, dass eine professionelle Bande am Werk war. Die "Rhein-Zeitung" hatte zuerst über den Fall berichtet.

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Unterwegs zum Tatort bei Sankt Goar

"Eine der übelsten Raubgrabungen, die ich je gesehen habe"

Förster entdeckten den Raub. Wann genau die Tat geschah, ist unklar. "Das ist eine der übelsten Raubgrabungen, die ich je gesehen habe", sagte Archäologe Peter Henrich. Er leitet die Außenstelle Koblenz der Generaldirektion Kulturelles Erbe. Die Landesbehörde kümmert sich um die Kulturschätze in Rheinland-Pfalz. Der Anblick des Hügelgrabs sei sehr schlimm gewesen. Auch weil die Täter so professionell vorgegangen seien.

Der Verlust sei unschätzbar. "Wir wissen einfach nicht, was drin war. Vielleicht war es ein Superfund, der jetzt zerstört ist", sagt der 42-Jährige. Er geht davon aus, dass der Grabhügel von Römern oder Kelten errichtet wurde und aus dem 5. Jahrhundert vor Christus bis aus dem 2. Jahrhundert nach Christus stammt. Genau sei das durch den Raub aber nicht mehr datierbar.

Auch ob dort ein Mann, eine Frau oder ein Kind bestattet wurde, ob derjenige reich oder arm gewesen sei, lasse sich nun nicht mehr klären. "Rheinland-Pfalz hat jetzt ein Kulturdenkmal weniger." Das stehe fest.

Kriminelle interessiert an Grabbeigaben

Hügelgräber waren im Gebiet des heutigen Rheinland-Pfalz häufig Sitte, es gibt zahlreiche im Land. Dennoch sei jedes wertvoll, sagt Archäologe Henrich. Für Kriminelle sind die Grabbeigaben interessant, die auf dem Kunstmarkt begehrt sind. Den Verstorbenen wurden alles ins Grab gelegt, was ein Toter im Jenseits nach den damaligen Vorstellungen gut gebrauchen könnte, so Henrich. Bei den Männern seien das üblicherweise Waffen gewesen, bei Frauen Schmuck. Aber auch Gefäße mit Essen und Trinken gehörten zu den Grabbeigaben. "Heute würde wohl ein Smartphone drin liegen", sagt der 42-Jährige und lacht.

Doch wenn er wieder auf die Tat zu sprechen kommt, dann ist die Heiterkeit weg, seine Stimme bebt: "Wir wollen die Täter unbedingt finden." Die Fahndung laufe, erste Hinweise seien bereits eingegangen.

Für ehrliche Finder gibt's eine Belohnung

Wenn Spaziergänger ein Grab entdeckten oder gar Beigaben wie Ringe und Ketten, dann müssten sie unverzüglich die Polizei oder Henrichs Behörde informieren. "Wir begutachten den Fund und geben ihn in 99 Prozent der Fälle zurück". Sollte der Fund allerdings von hoher wissenschaftlicher Bedeutung sein, dann geht der Fund ans Land. Der Finder erhalte aber eine Belohnung.

Ausgeraubter Grabhügel in Liederbach im Hunsrück

Auch in Liederbach im Hunsrück wurde ein Grab ausgeraubt

Immer wieder komme es zu Grabräubereien. "Auch mit Baggern sind sie schon angerückt", sagt Henrich. Beobachten Spaziergänger, Jogger oder andere Waldbesucher jemanden mit Schaufel oder schwerem Gerät, dann sollten sie die Polizei oder den Förster verständigen. Auf keinen Fall die Täter ansprechen, rät er. Sie seien meist hochprofessionelle Kriminelle, die auch gefährlich sein könnten.

Im September hatte es bereits einen ähnlichen Fall in Liederbach im Hunsrück gegeben. Auch dort wurde ein Grab geplündert. Auch dort wurde ein Kulturdenkmal unwiederbringlich zerstört.

Das droht Grabräubern
Jedes Bundesland hat ein eigenes Denkmalschutzgesetz. Darin sind auch die Bußgelder für Grabräuber geregelt. Wer etwa ein Denkmal zerstört oder zerlegt muss mit einer Geldbuße von bis zu einer Million Euro rechnen, in weniger drastischen Fällen liegt die Strafe bei bis zu 125.000 Euro.

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