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SWR-Analyse zu Rettungsdiensten in Rheinland-Pfalz Notfallpatienten müssen zu lange warten

Bei Notfällen sollten Rettungsdienste spätestens nach zehn Minuten vor Ort sein - das fordern Ärzte seit Jahren. Eine SWR-Analyse zeigt jetzt, dass das im Jahr 2016 bei mehr als 1.800 Gemeinden in Rheinland-Pfalz nicht der Fall war. Betroffen waren rund 2,6 Millionen Menschen.

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Aus der SWR-Analyse geht zudem hervor, dass die Zeit, bis zu der die Rettungskräfte vor Ort waren, im Land sehr unterschiedlich war: Jeder dritte Rheinland-Pfälzer hatte 2016 sogar nur eine 50-Prozent-Chance, dass der Rettungsdienst zehn Minuten nach dem Notruf vor Ort war.

Notärzte und Fachleute fordern seit Jahren, dass der Rettungsdienst bei schweren Unfällen und Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall innerhalb von zehn Minuten am Notfallort sein soll. Laut Landesrettungsdienstgesetz müssen die Rettungsdienste in spätestens in einer Viertelstunde vor Ort sein. Selbst daran gemessen sind über 15 Prozent der Bevölkerung unterversorgt.

Für die Recherche hat der SWR mehrere tausend Rettungsdienstdaten ausgewertet, die bisher nicht öffentlich zugänglich waren.

Innenministerium: Im Schnitt knapp über 7 Minuten

Das Innenministerium teilte mit, die Einsatzzeit von 15 Minuten sei in Abstimmung mit medizinischen Fachkreisen im Gesetz festgelegt worden. "Diese gesetzliche Hilfeleistungsfrist wird in mehr als 94 Prozent aller Notfalleinsätze im Land erreicht", betonte Innenstaatssekretär Randolf Stich (SPD). "Im Durchschnitt sind die Rettungswagen nach 7:16 Minuten, also deutlich unter der gesetzlichen Frist, am Einsatzort."

Um die Versorgung der Bevölkerung stetig weiter zu verbessern, seien in den vergangenen Jahren auf der Grundlage dieser statistischen Daten bereits acht neue Rettungswachen eingerichtet worden, so Stich. Zudem sei die Anzahl der Rettungswagen erhöht worden.

CDU: Gleicher Anspruch für ländliche Regionen

Der gesundheitspolitische Sprecher der CDU, Peter Enders, erklärte, seinen Nachbarn im Westerwald brächten beruhigende Durchschnittswerte aus dem Ministerium herzlich wenig. Die Bevölkerung in den ländlichen Regionen habe den gleichen Anspruch wie die Bevölkerung in den Großstädten, "in angemessener Zeit rettungsdienstlich und notärztlich versorgt zu werden". Das Mindeste sei deshalb, dass die Hilfsfrist von 15 Minuten ab dem Absetzen des Notrufes gelte – und nicht erst, wenn der Rettungswagen ausrückt. Enders war bis vor zwei Jahren selbst noch Notarzt.

AfD: Landesregierung soll sich Realitäten stellen

Die gesundheitspolitische Sprecherin der AfD-Fraktion, Sylvia Groß, bezeichnete die Haltung der Landesregierung zur durchschnittlichen Eintreffzeit des Rettungswagens von 7:16 Minuten als nach wie vor unseriös. "Es wäre im Sinne der Menschen in unserem Land, wenn die Landesregierung sich hier den Realitäten stellen würde, anstatt sich die Zahlen schön zu rechnen", sagte Groß.

aa