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Haftbefehl gegen Ex-Freund des Opfers Trauer um erstochene 15-Jährige in Kandel

Nach dem tödlichen Messerangriff auf ein 15-jähriges Mädchen im südpfälzischen Kandel wurde gegen den mutmaßlichen Täter Haftbefehl erlassen. Er ist der Polizei nach eigenen Angaben bekannt.

2:22 min | Do, 28.12.2017 | 18:00 Uhr | SWR Fernsehen RP

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Messerangriff in Kandel

15-Jährige nach Messerangriff gestorben

In Kandel in der Südpfalz ist eine 15-Jährige nach einem Messerangriff in einem Drogeriemarkt gestorben. Am Donnerstag hat die Polizei Einzelheiten zu der Tat bekannt gegeben. Der mutmaßliche Täter sitzt in Untersuchungshaft. Die Tat hat nicht nur in Kandel Bestürzung ausgelöst.

Der 15-Jährige soll das gleichaltrige Mädchen nach einem Streit in einem Drogeriemarkt erstochen haben. Nach Angaben der Leitenden Oberstaatsanwältin Angelika Möhlig hatte das Mädchen Anfang Dezember mit dem Jugendlichen nach mehrmonatiger Beziehung Schluss gemacht. Es stehe eine Beziehungstat im Raum, aber die Ermittlungen liefen noch, so Möhlig. 

Das Mädchen soll zunächst mit zwei Bekannten in der Innenstadt unterwegs gewesen sein. Nach einem zufälligen Zusammentreffen, soll ihr der 15-Jährige bis in den Drogeriemarkt gefolgt sein. "Er hat nach unseren Erkenntnissen gesagt, dass er sie abpasst", sagte Vize-Polizeipräsident Eberhard Weber. Es sei aber bis zu der Tat zu keiner körperlichen Auseinandersetzung gekommen.

2016 unbegleitet nach Deutschland eingereist

Der mutmaßliche Täter, ein Afghane, ist der Polizei bekannt. Er war 2016 unbegleitet nach Deutschland eingereist und im November 2017 wegen einer Körperverletzung auffällig geworden. Er soll in der Schule jemanden geschlagen haben, der ihn beleidigt hatte.

Die Eltern des Mädchens hatten ihn vor zwei Wochen bereits angezeigt - wegen Beleidigung, Nötigung und Bedrohung. Nach Webers Angaben hatte die Polizei am 17. Dezember das Gespräch mit dem jungen Mann gesucht. Dabei hätten die Beamten den Eindruck gewonnen, dass er "eine gewisse Einsicht und ein gewisses Verständnis" zeige. Eine erste Vorladung am 22. Dezember wegen der Anzeige habe der junge Mann verstreichen lassen. Darauf kam es zu einem letzten Kontakt zwischen der Behörde und dem 15-Jährigen: Stunden vor der Tat händigten Polizisten am Mittwoch eine Vorladung aus. Anhaltspunkte für Versäumnisse der Polizei sieht Weber nicht.

Zahlreiche Augenzeugen

Der 15-Jährige konnte nach der Tat am Mittwochnachmittag von Passanten überwältigt werden, bevor er später von der Polizei festgenommen wurde. Das 15-jährige Mädchen erlag im Krankenhaus seinen Verletzungen.

Ein Kriseninterventionsteam der Polizei kümmerte sich um die Mitarbeiter des Drogeriemarkts und Kunden, die die Tat ansehen mussten. Nach Angaben der Polizei sollen sich zum Tatzeitpunkt zwischen 15 und 20 Personen in der Drogerie aufgehalten haben.

Klassenkameraden trauern

Ein Drogeriemarkt in Kandel von außen. Auf den ersten Blick weist nichts auf die Gewalttat hin.

Normalbetrieb am Tag nach der Gewalttat

In dem Drogeriemarkt wies am Tag nach der Tat wenig auf die Geschehnisse hin. Das Geschäft war geöffnet. Am Donnerstagnachmittag versammelten sich rund 100 Trauernde vor dem Geschäft - darunter viele Klassenkameraden des Mädchens mit ihren Eltern, der Landrat und der Bürgermeister der Verbandsgemeinde. "Das ist eine unfassbare Tat", sagte Landrat Fritz Brechtel (CDU). Die Kirchen im Ort blieben den ganzen Tag geöffnet, Pfarrer boten seelsorgerische Gespräche an.

Die rheinland-pfälzische Integrationsministerin Anne Spiegel (Grüne) und Innenminister Roger Lewentz (SPD) reagierten betroffen auf den gewaltsamen Tod des Mädchens. "Unsere Gedanken und die Anteilnahme der Landesregierung gelten der Familie und den Freunden des Opfers", sagte Spiegel. Es werde alles getan, um die Hintergründe der "schrecklichen Tat" aufzuklären.

Ministerien beraten Konsequenzen

Vertreter des Innen-, Bildungs- und Integrationsministeriums trafen sich, um sich über den Fall auszutauschen. Allerdings wollen die Behörden die Ermittlungsergebnisse der Staatsanwaltschaft abwarten, bevor Konsequenzen gezogen würden, teilte ein Sprecher des Innenministeriums mit.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU-Landtagsfraktion, Martin Brandl, erklärte: "Wir als CDU-Fraktion sind sehr betroffen und drücken den Angehörigen des Mädchens unser tiefstes Mitgefühl aus. Es gibt wohl keine Worte, um ihr Leid zu ermessen." Wichtig sei eine schnelle und gründliche Aufarbeitung der Tat und der Hintergründe, so Brandl weiter.

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