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Spieglein, Spieglein an der Wand .... ... wo sind neue Ärzte fürs Land?

Wer sich durch die Statistiken der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) zur medizinischen Versorgung im Land wühlt, dem wird es ganz anders. Die niedergelassene Ärzteschaft ist zunehmend ergraut und der Nachwuchs ist nicht sehr scharf auf eine eigene Praxis. Tief im Westen des Landes sieht es besonders düster aus.

Plakat mit der Aufschrift: Kommt ein Mann zum Arzt. Keiner da.

(Symbolbild)

Derzeit kann die ambulante medizinische Versorgung der Bevölkerung nach Angaben der KV Rheinland-Pfalz nur deshalb als gesichert gelten, weil viele Ärzte unter anderem zum Teil bis ins hohe Alter praktizieren. Frei werdende Arztstellen, vor allem auf dem Land, könnten aber bereits heute nicht alle wieder besetzt werden, so die KV. Und der Zustand wird den Erhebungen zufolge zunehmend kritisch.

Ein Drittel ist über 60

Bereits ein Drittel der Ärzte und Psychotherapeuten mit Kassenzulassung war im Jahr 2015 schon 60 Jahre und älter - also kurz vor oder mitten im rentenfähigen Alter. Das geht aus dem "Versorgungsatlas Rheinland-Pfalz 2016" der KV hervor. Zum Vergleich: Zehn Jahre zuvor waren es nur 13 Prozent. Es findet eine massive Verschiebung in der Altersstruktur der Ärzte statt. Dabei sind es insbesondere die Hausärzte, die langsam aber sicher "überaltern". Es gibt im Land sogar nicht wenige Vertragsärzte und -psychotherapeuten, die mit über 70 noch praktizieren. Die KV spricht von 200.

Tausende weiße Kittel zu vergeben

Absehbar ist also, dass in naher Zukunft viele weiße Kittel an den Nagel gehängt werden. Die Kassenärztliche Vereinigung hat ausgerechnet, dass bis 2022 etwa 60 Prozent der Mediziner in der ambulanten Versorgung im Land ersetzt werden müssten. In Köpfen ausgedrückt: Mindestens 4.310 neue Ärzte braucht das Land in den kommenden sechs Jahren.

Berücksichtigt man allerdings, dass nicht nur die Ärzte, sondern auch die Patienten immer älter werden und deshalb ein steigender medizinischer Behandlungsbedarf besteht, bräuchte es laut KV noch mehr neue Ärzte und Psychotherapeuten. Und da junge Ärzte auch nicht mit dem selben Umfang als Vertragsärzte einsteigen, den die aussteigenden Kollegen abgedeckt haben, bräuchte es noch mehr Nachwuchskräfte. Die KV spricht unter Berücksichtigung all dieser Aspekte von einem Bedarf bei Vertragsärzten und -psychotherapeuten von bis zu 90 Prozent bis 2022.

Mit Finanzspritzen aus einem Strukturfonds versucht die KV seit 2016, die schlimmste Not in besonders betroffenen Regionen zu lindern. Zu diesen Gebieten gehört auch der Eifelkreis Bitburg-Prüm.

Eine Karte von Rheinland-Pfalz. Die Regionen Westerburg, Cochem, Prüm, Diez, Bad Dürkheim, Saarburg und Obermosel sind mit dem Vermerk "Ärztemangel" markiert.

Die KV unterstützt seit 2016 Ärzte mit Finanzspritzen in Regionen mit akuter Ärztemangel. Dies soll sich bereits ausgezahlt haben.


Weites Land, wenig Ärzte

Der Eifelkreis Bitburg-Prüm liegt tief im Westen des Landes und hat ein paar regionale Besonderheiten: Es ist der flächenmäßig größte Landkreis in Rheinland-Pfalz. Die Einwohnerdichte ist in keinem Kreis so gering wie hier. Der Landkreis liegt am äußerten Ende vom Bundesland. Zwar fällt laut KV der demographische Wandel in dem Eifelkreis nicht dramatischer aus als anderswo im Land. Aber das weite Land und die dünne Besiedlung erschweren die flächendeckende medizinische Versorgung zunehmend. Die Ärztekammer Trier hatte im Dezember mitgeteilt, dass es in dem Kreis bundesweit die wenigsten niedergelassenen Ärzte gibt. Macht ein Arzt auf dem Land seine Hausarztpraxis aus Altersgründen dicht, haben die Menschen noch weitere Wege als ohnehin schon.

Von den wenigen Ärzten in dem Landkreis waren nach KV-Angaben bereits 2012 ein Viertel der Hausärzte kurz vor der Rente. Da im Eifelkreis Bitburg-Prüm zusätzlich viele Ärzte zwischen 55 und 59 Jahren alt sind, sieht die Prognose nicht rosig aus. Bis 2022 müssen der KV zufolge 25 Hausärzte, 38 Fachärzte und 6 Psychotherapeuten Nachfolger für ihre Praxen finden.