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Rätselraten über den Co-Piloten Wer war Andreas L.?

Ein Mann aus Montabaur soll den Germanwings-Airbus mit 150 Menschen an Bord mit Absicht in die Katastrophe gesteuert haben. Die Fassungslosigkeit ist groß - wer war der 27-jährige Co-Pilot Andreas L.?

 Germanwings A320 crashes over French Alps

Flugzeugtrümmer der abgestürzten Germanwings-Maschine

"Lakonisch" sollen die letzten Worte von Co-Pilot Andreas L. geklungen haben, bevor er sich im Cockpit einschloss. Wenige Minuten später steuerte der 27-Jährige den Germanwings-Airbus mit 150 Menschen an Bord offenbar in voller Absicht gegen eine Bergwand. Was ging in dem Menschen vor, in diesen Minuten und in den vergangenen Wochen?

Der junge Co-Pilot habe wohl den festen Willen gehabt, "dieses Flugzeug zu zerstören" - so lautete am Donnerstag die Schlussfolgerung der französischen Staatsanwaltschaft. Warum der aus Montabaur stammende Mann offenbar einen solch unbegreiflichen Akt ausführte, das konnte der Staatsanwalt von Marseille, Brice Robin, auch nicht erklären. Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund gebe es nicht. Das bestätigte später auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière. Auch die Luftaufsicht stellte bei den routinemäßigen Sicherheitsüberprüfungen des Germanwings-Co-Piloten keine Auffälligkeiten fest.

Erst "heiter", später nur noch "lakonisch"

Rasch tauchte deshalb die Frage nach einem geplanten Suizid auf. Bei dem Flug von Barcelona nach Düsseldorf sprach der Co-Pilot den Aufzeichnungen zufolge in den ersten 20 Minuten noch "normal", "heiter" und "höflich" mit seinem Kollegen, dem Flugkapitän. Auffällig schien dem Staatsanwalt allerdings, dass Andreas L. nur "lakonisch" auf die Vorbereitungen des Kapitäns zur Landung in Düsseldorf reagierte.

Durchsuchung Eltern/Wohnhaus des Co-Piloten in Montabaur.

Ermittler vor dem Wohnhaus von Andreas L.

Zimmer bei den Eltern, ein Wohnsitz in Düsseldorf

Dass der Co-Pilot aus der Kreisstadt des Westerwaldes stammt, hat die Montabaurer Stadtbürgermeisterin Gabriele Wieland (CDU) bestätigt. Der 27-Jährige habe bei seinen Eltern in Montabaur gewohnt und einen Wohnsitz in Düsseldorf gehabt. In seinem Heimatort wuchs er in einem ruhigen Wohngebiet im Süden der Stadt auf. Sauber gemähter Rasen, gepflegte Einfamilienhäuser - über diese Idylle bricht schon kurz nach der Pressekonferenz in Frankreich das Chaos herein. Dutzende Kamerateams postieren sich, die Polizei sperrt die Straße ab, in der das Wohnhaus liegt.

Entsetzen und Unglauben bei den Nachbarn

Die Nachbarschaft steht unter Schock. "Ich weigere mich zu glauben, dass er das absichtlich gemacht hat," sagt ein junger Mann. Ein Ehepaar, dass seit 22 Jahren im Haus daneben lebt, ist fassungslos. "Es ist extrem für uns, mir bleibt die Spucke weg." Eine andere Nachbarin sagt:"Das kam für mich wie ein Schlag ins Gesicht. Das kann man sich gar nicht vorstellen. Das ist tragisch." Sie habe keinen Kontakt zu dem Co-Piloten gehabt. "Aber wenn es Nachbarn sind, berührt es einen ganz besonders, egal wie gut man sich kennt. Ich denke ständig daran."

Den Traum vom Fliegen verwirklicht

Der junge Mann war offenbar im Westerwald tief verwurzelt, war beispielsweise beim Luftsportclub Westerwald (LSC) aktiv, der noch am Donnerstagmorgen auf seiner Homepage eine Traueranzeige für das verstorbene Mitglied geschaltet hatte. Er sei schon als Jugendlicher dem Verein beigetreten, um sich seinen Traum vom Fliegen zu verwirklichen, hieß es dort. Segelfliegen lernte Andreas L. in einem weißen Zweisitzer vom Typ ASK-21, der immer noch im Hangar am Flugplatz geparkt steht.

"Er war glücklich über den Job bei Germanwings und es ging ihm gut", sagte Peter Rücker, der dem Club seit Jahren angehört. "Ich kann mich an nichts erinnern, das irgendwie komisch war." Den 27-Jährigen beschrieb er als "eher ruhig, aber freundlich". Soweit er wisse, habe der junge Mann eine Freundin gehabt. Viel mehr wisse er aber nicht über sein Leben. Er habe sich nicht anmerken lassen, dass etwas nicht in Ordnung sei, so Rücker.

Warum Andreas L. die Ausbildung unterbrach, bleibt unklar

LSC Westerwald - Schild

Das Gelände des Luftsportclubs Westerwald

Laut Lufthansa war der 27-Jährige seit 2013 bei der Unternehmenstochter Germanwings beschäftigt. Er sei an der Verkehrsflieger-Schule der Lufthansa in Bremen ausgebildet worden. Seit seinem Eintritt ins Unternehmen kam er auf 630 Flugstunden und war damit noch unerfahren.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr sagte im Rahmen einer Pressekonferenz in Köln, der Co-Pilot habe seine Ausbildung 2008 begonnen und 2009 nach einer mehrmonatigen Unterbrechung wieder aufgenommen. Über den Grund der Unterbrechung dürfe er keine Angaben machen, sagte Spohr. Nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung habe der Nachwuchs-Pilot während einer elfmonatigen Wartezeit als Flugbegleiter gearbeitet, dann 2013 die Stelle als Co-Pilot angetreten. Er habe im Rahmen seiner Ausbildung, vor und nach der Unterbrechung, alle Checks - auch psychologische - ohne Beanstandung bestanden und sei zu 100 Prozent flugtauglich gewesen, ohne jede Einschränkung. Seine fliegerischen Leistungen seien absolut einwandfrei gewesen.

Lächelnd vor der Golden Gate Bridge

Das Facebook-Profil von Andreas L. wurde in den vergangenen Tagen gelöscht. Dennoch machte im Internet sein altes Profilfoto die Runde, in dem er lächelnd vor der Golden Gate Bridge in San Francisco sitzt. Rücker bestätigte, dass es sich bei dem Mann auf dem Foto um Andreas L. handelte. Unter den Interessen, die er auf dem Profil angab, waren mehrere in Verbindung zum Flugsport und Luftverkehr. Darunter der Airbus A320, das Modell, das er zum Absturz gebracht haben soll. Likes vergab er auch an die Lufthansa und den Flughafen von Phoenix. 2011 nahm er offenbar auch am Lufthansa Halbmarathon in Frankfurt teil. Von seinem Facebook-Profil führte ein Link zum Ergebnis von "Flying_Andy". Er absolvierte den Lauf in 1:48:51 Stunden.