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Projekt "Lernort Bauernhof" klärt Kinder auf Sind alle Kühe lila?

Für viele Kinder ist die Landwirtschaft eine unbekannte Welt. Das Projekt "Lernort Bauernhof" soll ihnen dorthin eine Tür öffnen. Ein Beispiel aus dem Westerwald.

2:07 min | Di, 2.5.2017 | 19:30 Uhr | SWR Fernsehen RP

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Projekt für Schulen

Landwirtschaft - eine unbekannte Welt

Für die meisten Kinder der Musikschule Montabaur ist der Besuch auf dem Wiesenhof in Maxsain eine neue Erfahrung. Hier konnten die Kinder das Leben auf dem Bauernhof und vor allem das Melken kennenlernen.

"Jetzt steckt ihr euren Daumen in das Melkzeug", ruft Bäuerin Annette Aller am Dienstag den 22 Schülern im Kuhstall auf dem Wiesenhof in Maxsain zu. Die Fünftklässler sind zum ersten Mal auf einem Bauernhof.

Klaus Müller, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Selters, zu der Maxsain gehört, hat schon kuriose Kinderfragen zu hören bekommen. So hätten Schüler etwa gefragt, ob Nudeln am Strauch oder auf dem Baum wachsen. 

Solchen Wissenslücken soll das bundesweite Projekt "Lernort Bauernhof" entgegenwirken: Schüler erleben einige Stunden hautnah den Alltag von Landwirten. Neben den vielen hundert Betrieben, die am Projekt "Lernort Bauernhof" teilnehmen, gibt es laut Deutschem Bauernverband etwa 30 Schulbauernhöfe mit Übernachtungen und Essen in Deutschland.

Landwirtin Annette Aller zeigt im Kälberstall des Wiesenhofs im Westerwald die Anbringung einer Ohrmarke

Landwirtin Annette Aller zeigt im Kälberstall die Anbringung einer Ohrmarke

"Eine schöne Abwechslung"

Beim "Lernort Bauernhof" in Maxsain darf am Dienstag die Klasse 5a des Montabaurer Landesmusikgymnasiums Rheinland-Pfalz auch selbst melken. Vorsichtig bringen die Kinder auf dem Wiesenhof das Melkwerk an den Zitzen der Kühe an. "Cool", sagt die elfjährige Katharina. Die gleichaltrige Anna ergänzt: "Das ist lustig, eine schöne Abwechslung."

Nun geht es ins Freie. Mädchen und Jungen müssen mit je einer Eimerkette Milch zu den durstigen Kälbern bringen - um die Wette. Die Mädchen gewinnen. 

Der rheinland-pfälzische Landwirtschaftsminister Volker Wissing (FDP) lobt das Schüler-Projekt: "Sie erleben, wie viel Arbeit in der Produktion steckt. Das fördert die Wertschätzung heimischer Agrarprodukte. Zugleich bekommen die Schülerinnen und Schüler ein realistischeres Bild von der modernen Landwirtschaft."

Auch Maria Caesar, die bei der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz für das Projekt zuständig ist, hat schon so manche kuriose Frage von Kindern gehört, beispielsweise "Muss man Kühe auch am Sonntag melken?" oder "Wo wächst das Heu?". Von 2012 bis 2015 sei das Projekt von der EU unterstützt worden. Jetzt hoffe man auf eine erneute Förderung. Vom Land gebe nur eine "geringfügige Zwischenfinanzierung": 15.000 Euro für das zweite Halbjahr des Schuljahres 2016/17.

Zeit zum Spielen bleibt beim Heutransport auf dem Hof bei Maxsein auch

Zeit zum Spielen bleibt beim Heutransport auf dem Hof bei Maxsein auch

Schüler taufen Kälbchen

Die Bauernhöfe in Rheinland-Pfalz bekommen ihr zufolge pro Schülerbesuch 100 Euro. "Für die Betriebe ist das arbeitsintensiv mit Schulung für Bauer oder Bäuerin, Vor- und Nachbereitung der Schulbesuche und Kontakten zu den Schulen", so Caesar. Die Bauernhöfe erhielten überdies von den Schülern eine kleine Entschädigung.

Die Fünftklässler auf dem Wiesenhof genießen die Abwechslung vom Schulunterricht und haben einen prallen Vormittag: Sie schütteln zum Beispiel selbst von der Milch abgeschöpfte Sahne zu Butter, und sie dürfen sogar ein wenige Tage altes Kälbchen auf einen Namen taufen, den sie selbst gewählt haben: Seit Dienstag heißt das Tierkind Lotta.

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