Bitte warten...

Prozess um Gasexplosion von Harthausen Zeugin schildert schwierige Dreiecksbeziehung

Im Prozess um die Gasexplosionen von Harthausen hat ein Opfer ausgesagt. Vor dem Landgericht Frankenthal schilderte sie die Dreiecks-Beziehung zwischen sich, dem mutmaßlichen Täter und der Mitangeklagten.

Gasexplosion von Harthausen

Das zerstörte Gaslager (Archivbild)

Die 42-jährige Steuerfachangestellte ist die Tochter des Gashändlers, auf dessen Gelände die Tanks explodierten - und die Ex-Freundin des Hauptangeklagten. Laut Anklage wollte der Vater und Tochter töten. Die Zeugin sagte am Mittwoch aus, sie habe bis zum Tag der Explosionen eine Liebesbeziehung mit dem Mann geführt. Der hatte parallel aber offenbar auch eine Beziehung zu der Frau, die mit ihm angeklagt ist.

Am frühen Morgen des 28. September 2013 sollen der 40-jährige Angeklagte und die 27 Jahre alte Mitangeklagte auf dem Betriebsgelände in der pfälzischen Gemeinde drei Lastwagen angezündet haben. Das Feuer griff auf andere Tanks über und verursachte ein Inferno mit mehreren Explosionen. Die Anklage lautet auf versuchten Mord, Brandstiftung und gefährliche Körperverletzung. Bei den Löscharbeiten in Harthausen hatten sich damals 17 Feuerwehrleute teils schwere Verletzungen zugezogen. Zahlreiche Gebäude in der näheren Umgebung der Firma waren zerstört worden. Die Feuerwehrmänner treten im Prozess als Nebenkläger auf.

Streit wegen Nebenbuhlerin

Die Zeugin berichtete, sie habe seit 2010 eine Beziehung mit dem Angeklagten geführt. Die Familien der beiden hätten sich bereits seit Kindertagen gekannt. Das Paar habe auch einen Schrotthandel in Franken gemeinsam betrieben und der Angeklagte habe im Familienbetrieb ihres Vaters ausgeholfen. "Er war immer fleißig", sagte sie über den 40 Jahre alten Schrotthändler aus Mittelfranken. Die 42 Jahre alte Steuerfachangestellte ist Nebenklägerin in dem Verfahren. Sie erzählte weiter, die Beziehung sei von Streitereien überschattet gewesen. Grund für die Streitereien sei vor allem das parallel laufende Verhältnis zu der 27-jährigen Mitangeklagten gewesen. Der 40-Jährige sei auch gewalttätig gewesen. Einmal habe er sie im Badezimmer so stark geschubst, dass sie hingefallen und bewusstlos geworden sei. Er habe aber auch eine liebe Seite gehabt und sich wie ein Vater um ihren Sohn gekümmert. Dass die Beziehung zerbrochen sei, habe hauptsächlich an der 27-Jährigen gelegen, die sie bedroht habe. Danach habe sie auch die Geschäftsverbindung lösen wollen.

Der Anwalt der 42-Jährigen sagte, inzwischen seien andere Tatbeteiligungen denkbar. Er halte es auch für möglich, dass die mitangeklagte 27-Jährige aus Eifersucht "Triebfeder" für die Tat gewesen sei.

Gashändler sagt aus

Der Gashändler selbst wollte vor Gericht die Aussage nicht wiederholen, dass der Hauptangeklagte ein Choleriker und Gangster sei, der schnell durchdrehe. "Es wird viel geschwätzt", sagte der 63-Jährige. Nur auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters ließ er durchblicken, dass er den 40-Jährigen für Drohungen verantwortlich machte, die er erhielt.  Konfrontiert mit der früheren Aussage, dass er den 40-Jährigen nicht gerne in seiner Nähe habe, erklärte der Gashändler, dessen Großmutter habe ihm anvertraut, dass ihr Enkel sie um 60.000 Euro gebracht habe. "Das hat mir nicht so gefallen", sagte der Gashändler. Er sei aber davon ausgegangen, dass der Mann sein Schwiegersohn werde.

Laut Anklage wollte der aus dem Raum Burgbernheim in Mittelfranken stammende Hauptangeklagte die Familie des Firmeninhabers heimtückisch töten. Die Mitangeklagte habe er durch wiederholte Misshandlungen gefügig gemacht, so dass sie ihn bei der Tat unterstützt habe. Der 27-Jährigen wird nach Gerichtsangaben nur Beihilfe zur Brandstiftung vorgeworfen, weil sie laut Anklage nicht damit gerechnet habe, dass der 40-Jährige Menschen töten wollte oder dies überhaupt möglich war.

Anklage stützt sich auf Mitangeklagte

In stockenden Worten hatte die 27-Jährige am zweiten Prozesstag geschildert, wie sie dem Hauptangeklagten in der Nacht zum 28. September 2013 half, ein Feuer auf dem Gelände des Gashändlers zu legen. Der 40-Jährige habe ihr zuvor gesagt, dass er dort einen Lastwagen anzünden wolle. "Aber dass der mit Gas beladen war - davon hat er gar nichts gesagt", so die Frau. Sie hatte dem Mann nach eigenen Angaben zwei Kanister mit Benzin über den Zaun gereicht, das sie zuvor für den Rasenmäher besorgt habe. Bei der Flucht im Auto habe sie dann im Rückspiegel etwas leuchten sehen - vermutlich den Feuerschein.