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Nach Streit um "Hitler-Glocke" Demo gegen Herxheim als Nazi-Dorf

Die Demonstration gegen eine NPD-Kundgebung ist in Herxheim am Berg ohne Zwischenfälle zu Ende gegangen. Mit ihrem Protest wollten die rund 200 Teilnehmer auch verhindern, dass die "Hitler-Glocke" Nazis anlockt.

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Umstrittene "Hitler-Glocke"

"Herxheim ist kein Nazi-Dorf"

"Bunt statt braun" zeigten sich die Gegendemonstranten in Herxheim am Berg. Mit ihrem Protest wollten die rund 200 Teilnehmer auch verhindern, dass die "Hitler-Glocke" Nazis anlockt.

"Wir wollen nicht haben, dass (Herxheim, Anm. d. Red.) praktisch eine Nazi-Hochburg wird, das darf auf keinen Fall sein", sagte ein Gegendemonstrant dem SWR. Am Vormittag versammelten sich mit Trillerpfeifen und Fahnen rund 200 Personen nach Polizeiangaben in den engen Gassen des pfälzischen Dorfes. Rund ein Dutzend NPD-Anhänger hatten etwas mehr als eine Stunde bei Marschmusik eine Kundgebung für den Erhalt der umstrittenen "Hitler-Glocke" abgehalten.

DGB fordert Abhängung der Glocke

Die Gegendemonstranten kamen sowohl aus Herxheim und den umliegenden Orten als auch aus der Landeshauptstadt. "Herxheim/Berg ist bunt", twitterte am Samstagvormittag SPD-Fraktionschef Alexander Schweitzer und zeigte ein kurzes Video von der Gegendemo.

 

Rüdiger Stein vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) nahm ebenfalls am Gegenprotest teil. Er forderte, dass die Glocke abgehängt wird: "Es ist ganz klar, diese Glocke verherrlicht die Nazi-Diktatur." Wer die Glocke im Kirchturm behalten wolle, müsse darauf achten, dass er sich nicht mit der Glocken-Inschrift gemein mache, so der DGB-Vertreter.

"Herxheim ist kein Nazi-Dorf"

Viele Herxheimer wollen den Medien keine Interviews mehr geben. Man wolle sich von den Medien nicht das Wort im Mund umdrehen lassen, hieß es auf einem Schild bei der Gegendemonstration. Im SWR äußerte sich ein Herxheimer, der anonym bleiben wollte: "Man soll jetzt die Glocke einfach mal ruhen lassen, man soll sie abhängen. Dass Herxheim zu Ruhe findet. Weil Herxheim ist kein Nazi-Dorf, ist kein braunes Dorf und wir können uns das hier nicht durch NPDler kaputtmachen lassen."

Glocke soll verstummen

Hitler-Glocke

Die sogenannte Hitler-Glocke soll nicht mehr läuten

Die "Hitler-Glocke" soll künftig nicht mehr erklingen - weder zu kirchlichen noch zu weltlichen Anlässen. Das hatte der Vorstand der Kirchengemeinde am Freitag bekanntgegeben. Ebenfalls gab der im Zuge des Wirbels um die Glocke zurückgetretene Bürgermeister am Freitag seinen Partei-Austritt von den Freien Wählern bekannt. Seit mehreren Wochen herrscht in Herxheim am Berg Aufregung. Seit 1934 läutet im Kirchturm eine Glocke mit einem Hakenkreuz und der Aufschrift "Alles fuer's Volk. Adolf Hitler". Seit das die ehemalige Organistin im Mai deutschlandweit bekannt machte, kommt das Dorf nicht mehr zur Ruhe.

Monatelange Diskussionen

Der bisherige Ortsbürgermeister Becker war am Mittwoch von seinem Amt zurückgetreten - er hatte heftige Kritik einstecken müssen, nachdem er in einem Interview mit dem ARD-Interview "Kontraste" den Nationalsozialismus teilweise relativiert haben soll.

Becker hatte die Glocke in dem Gespräch verteidigt. Es sei die einzige Glocke dieser Art in Rheinland-Pfalz. Hitler sei nicht nur für Gräueltaten verantwortlich gewesen, sondern auch für Dinge, die "wir auch heute noch nutzen", so Becker. Becker sagte, seine Aussagen über die Glocke seien aus dem Zusammenhang gerissen worden. Dem widersprach die zuständige Redaktion.

Gutachten soll zur Entscheidung beitragen

Eine Anzeige gegen Becker wegen Volksverhetzung und Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen wird nach Angaben der Staatsanwaltschaft Frankenthal zurzeit geprüft: Die Anzeige sei am 29. August eingegangen und stamme von einem Mann jüdischen Glaubens aus dem Saarland.

Der Gemeinderat von Herxheim am Berg lässt sich von einer Sachverständigen zur Zukunft der "Hitler-Glocke" beraten. Sobald das Gutachten der Expertin vorliegt, will der Gemeinderat beschließen, ob die Glocke entfernt wird oder zum Beispiel eine Gedenktafel an der Kirche angebracht wird. Die Kosten für das Gutachten trägt die Evangelische Kirche der Pfalz. Das Gutachten soll unter anderem die Rechtslage rund um den Denkmalschutz klären.

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