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Länderübergreifendes Großprojekt Nationalpark im Hunsrück feierlich eröffnet

Rheinland-Pfalz hat seinen ersten Nationalpark: Der Park im Hunsrück-Hochwald wurde am Samstag feierlich von Umweltministerin Höfken eröffnet. In der Region setzt man große Hoffnungen in das Projekt.

 Eveline Lemke hält bei der offiziellen Eröffnung des Nationalparks Hochwald-Hunsrück am 23.05.2015 am Hunsrückhaus in Deuselbach einen Molch auf der Hand

Wirtschaftsministerin Lemke hält bei der Eröffnungsfeier einen Molch auf der Hand

"Mit dem Nationalpark Hunsrück-Hochwald entwickelt sich ein Edelstein, der weit über Rheinland-Pfalz hinausstrahlt", sagte Ulrike Höfken (Grüne) beim Festakt am Erbeskopf vor rund 1.000 Gästen. Das Projekt habe in der Region ein Wir-Gefühl erzeugt, das deutlich zu spüren sei. Die Ministerin bezeichnete die Begeisterung, mit der die Menschen der Region und Gäste den Nationalpark begrüßten, als "beeindruckend".

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) betonte, dass der Nationalpark mit seinen Buchenwäldern und seinem Artenreichtum ein besonders kostbares Stück Natur in Deutschland sei. "Nationalparke lassen uns erleben, wie es ist, wenn Menschen ausnahmsweise mal nicht in die Abläufe der Natur eingreifen", sagte sie. Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) betonte, mit dem Park sei "etwas Historisches" für den Naturschutz und den Erhalt der biologischen Vielfalt in Rheinland-Pfalz geschaffen worden.

16. Nationalpark in Deutschland

Der Hunsrücker Nationalpark ist der 16. in Deutschland und der einzige, der in diesem Jahr öffnet. Das länderübergreifende Schutzgebiet ist rund 100 Quadratkilometer groß. 90 Prozent der Fläche liegen in Rheinland-Pfalz, zehn Prozent im Saarland. Der Park kostet Rheinland-Pfalz fünf bis sechs Millionen Euro im Jahr.

Die Natur Natur sein lassen - das ist das Konzept des Nationalparks. Der Mensch hört auf, Einfluss zu nehmen. Eine möglichst vielfältige Tier- und Pflanzenwelt soll sich allein nach den Gesetzen der Natur entwickeln. Sumpfwälder und Hangmoore werden in dem Gebiet geschützt. Seltene Tierarten wie Schwarzstörche oder Wildkatzen erhalten einen Rückzugsraum. Die Vorbilder, die das Umweltministerium auf seiner Internetseite nennt, klingen wenig bescheiden: Serengeti, Everglades, Galapagos.

Studie sieht Chancen für Tourismus

Eine Studie im Auftrag des Landes macht Hoffnung auf mehr Tourismus in der strukturschwachen Hunsrück-Region. Die Untersuchung des Alpenforschungsinstituts der Universität München erwartet 110.000 zusätzliche Übernachtungsgäste pro Jahr. Die Touristen würden langfristig 200 bis 240 zusätzliche Arbeitsplätze in der Region schaffen.

Mehr Kartoffelwurst und mehr Geduld

Wirtschaftsministerin Eveline Lemke (Grüne) hatte im Vorfeld allerdings vor zu viel Optimismus gewarnt. "Es wird deutlich, für alle Akteure in der Region ist noch viel zu tun, um den Tourismus zu beleben", sagte sie. "Schon die Ortsbilder mancher Hunsrückdörfer wirken auf Gäste wenig einladend, in seltenen Fällen sogar verwahrlost", heißt es in der Untersuchung der Münchner Forscher. Professor Thomas Bausch erläutert, die Region müsse Unterkünfte, Gastronomie und Auftreten verbessern. Vor allem die Gastronomie habe einiges aufzuholen. Sie habe den Trend zu regionaler Küche nicht erkannt und ihre Öffnungszeiten seien unbefriedigend. Lemke sieht auf den Speisekarten noch Potenzial: Typische Spezialitäten wie gefüllte Klöße oder Kartoffelwurst seien für Touristen wichtig.

Der Nationalpark Hunsrück-Hochwald soll auch in Zukunft für Besucher frei zugänglich bleiben. Menschen können nach Angaben des Umweltministeriums das Nationalparkgebiet weiter nutzen. So könnten Wanderer Beeren und Pilze sammeln. Auch auf ein Wegegebot sei im Gegensatz zu anderen Nationalparks verzichtet worden. Um Besucher durch den Park zu führen, werden 16 Ranger ausgebildet.

Zu den Stärken zählen die Wissenschaftler das gute Wanderwegenetz und das große Wildkatzen-Vorkommen. Es fehlten allerdings noch wirklich spektakuläre "Highlights". Doch einige Orte im Hunsrück wittern schon Morgenluft. In Börfink zum Beispiel werden fleißig Pläne geschmiedet, und auch in Oberhambach fiebern Bürger und Verantwortliche der Eröffnung entgegen. Tourismusforscher Bausch macht ihnen Mut: "Es ist noch kein Nationalpark sofort zu einem touristischen Star geworden." Auch bei ähnlichen Projekten habe es gedauert, bis ein "attraktives Produkt" entstanden sei.

Bürgerbeteiligung soll Konflikte mildern

In der Region ist das Projekt nicht unumstritten. Die Kritiker vom Verein "Ja zur Natur - Nein zum Nationalpark" halten die touristischen Chancen für überschätzt. Die fehlende Wertschöpfung aus der Holznutzung koste viel Geld. Befürchtet werden auch weniger Jobs in Sägewerken und mehr Borkenkäfer, die Bäume dahinraffen könnten. Die Landesregierung will drohenden Konflikten mit mehr Bürgerbeteiligung beikommen. So waren 100 Gemeinden in der Region aufgerufen, ihr Votum abzugeben. Die Zustimmung war groß: Auf rheinland-pfälzischer Seite stimmten 80 Prozent der Kommunen dem Nationalpark-Konzept zu. Im Saarland waren es 100 Prozent.

Eröffnung:Pfingsten 2015
Verfahren:Im April 2014 stimmten Rheinland-Pfalz und das Saarland dem Staatsvertrag zum neuen Nationalpark zu. Die Landesparlamente stimmen im Herbst darüber ab. Die Ausweisung des Nationalpark-Gebietes soll Anfang 2015 erfolgen.
Größe:Der Park umfasst gut 10.000 Hektar, rund 90 Prozent davon in Rheinland-Pfalz und 10 Prozent im Saarland.
Grenze West-Ost:Der Park erstreckt sich über 27 Kilometer Länge von Damflos (Kreis Trier-Saarburg) im Westen bis nach Mörscheid (Kreis Birkenfeld) im Osten.
Grenze Nord-Süd:Die Region reicht vom höchsten rheinland-pfälzischen Berg Erbeskopf im Norden (Kreis Bernkastel-Wittlich) etwa sieben Kilometer weit bis nach Rinzenberg (Kreis Birkenfeld) im Süden.
Was dort wächst:Im Nationalpark wachsen vor allem Fichten und Buchen. Auf rund einem Viertel der Fläche sind die Bäume älter als 120 Jahre. Es gibt viele Quellen und Bäche sowie einen großen Teil an ausgewiesenen Natur- und Landschaftsschutzgebieten (FFH-Gebiete). Auch Orchideen sollen dort wachsen.
Wer dort wohnt:Seltene Tierarten wie Schwarzstörche oder Wildkatzen, viele Specht- und Fledermausarten, Schmetterlinge.
Was das kostet:Das Saarland soll jährlich bis zu 310.000 Euro der insgesamt fünf Millionen Euro Personal- und Unterhaltungskosten übernehmen. Ein Großteil ist nach Angaben des rheinland-pfälzischen Umweltministeriums gedeckt, da vor allem Mitarbeiter bestehender Forstämter die Parkpflege übernehmen.