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Gesunde Füße "Wir haben den Bezug zu unseren Füßen verloren"

Wir laufen nur noch selten barfuß - obwohl es die natürlichste Fortbewegungsmöglichkeit des Menschen ist. Vernachlässigen wir unsere Füße? SWR1 Moderator Frank Jenschar spricht mit Dr. Ulrich Betz von der Universitätsmedizin Mainz über die Gesundheit unserer Füße.


Ist Barfußlaufen generell gesund?

Barfußlaufen ist für den Fuß prinzipiell eine wunderbare Sache. Er kann seine Stärken ausspielen, denn der Fuß ist eine geniale Konstruktion, die auf der einen Seite Stabilität gibt - vor Stürzen bewahrt - und auf der anderen Seite auch Stöße abpuffert. Ein ganz faszinierendes System, dass im Schuh seine Stärken manchmal gar nicht so richtig ausspielen kann. Beim Barfußlaufen hat es alle Freiheiten und trainiert sich als System. Das ist sicher etwas, das gesund sein kann.

Wir tun es nur leider fast nie. Vielleicht am Strand im warmen Sand, auf dem Rasen oder wenn wir morgens ins Bad gehen. Heißt das, das unsere Füße eigentlich komplett verwöhnt sind?

Absolut. Die Füße haben sich daran gewöhnt, dass sie in aller Regel in Schuhen stecken. Wir haben dadurch ein Stück weit den Bezug und die Sensibilität zu unseren Füßen verloren. Letztlich ist das Skelett und die Muskeln des Fußes der Hand ganz ähnlich. Wir wissen das eine Hand vieles kann, aber das Füße ähnliches können, sehen wir vielleicht, wenn wir einen Film über jemanden sehen, der mit seinen Füßen malt. Aber das wir vergleichbare Fähigkeiten mit unseren Füßen haben, das ist uns gar nicht bewusst.

Vernachlässigen wir die Füße also komplett?

Ja. Wir vernachlässigen sie, wir verwöhnen sie und wir misshandeln sie auch ein Stück weit dadurch, dass wir sie in die Schuhe hineinpressen und in eine feste Hülle zwängen, die dann die Bewegungsfähigkeit des Fußes massiv einschränkt.

ttt

Senk-, Spreiz-, Knickfuß – wie erkennt man diese Fußprobleme?

Man kann es sehr leicht erkennen. Es gibt einfache Checkpunkte. Die Ferse muss im Stand - von hinten gesehen - senkrecht stehen und darf in aller Regel nicht nach innen abgeknickt sein. Wir müssen im Verlauf des Fußes von innen gesehen ein deutliches Längsgewölbe erkennen können und die Zehen müssen im Verlauf des Fußes gerade nach vorne zeigen. Sie dürfen nicht abknickend nach außen stehen. Wenn ich solch eine Fehlhaltung erkenne, dann macht es Sinn, genauso wie an der Wirbelsäule ein Wirbelsäulentraining, ein Fußtraining durchzuführen. Eine Aufrichtung des Fußes durchzuführen, lernt man in der Fußschule.

Ist das sehr langwierig?

Das Erlernen ist nicht sehr langwidrig. Wir haben Kurse mit sechs Stunden in denen man das sehr gut erlernen kann. Allerdings, bis das in Fleisch und Blut übergeht und der Fuß daraus Konsequenzen zieht, sich kräftigt, mobiler wird und die Fehlhaltung auflöst, muss man schon vier bis sechs Monate rechnen.

Macht denn ein solches Training Einlagen oder vielleicht sogar eine Operation überflüssig?

Es ist eine weitere Behandlungsmöglichkeit, die eigentlich als erste kommen sollte, aber trotzdem, auch wenn es letztendlich zu einer Operation kommen sollte, ist das vorbereitende Aufbauen der Funktion des Fußes, die beste Vorbereitung auf die Operation und deren Gelingen, weil durch die Operation nicht die Fehlhaltung des Fußes korrigiert wird, sondern z.B. die Fehlhaltung des Großzehs. Damit das zum Erfolg wird, brauchen wir auch die Aufrichtung des Gesamtfußes. Es kann daher alleinig wirksam sein, aber kann auch ergänzt werden durch die bekannten Therapien, wie Einlagen oder Operationen. Selbst wenn eine Operation kommt, dann ist eine begleitende Fußschule immer eine Unterstützung.

Was macht einen guten Schuh aus?

Ein guter Schuh muss dem Fuß die Möglichkeit geben, seine Funktion auszuspielen. Das heißt, nicht der Fuß muss sich an den Schuh anpassen, sondern der Schuh an den Fuß. Der Fuß braucht also genug Raum, um sich bewegen zu können, der Schuh muss weit genug sein, besonders im Zehenbereich. Auch muss er weich genug sein. Wir wissen ja, dass sich der Fuß in alle Richtungen bewegen kann, um die Gleichgewichtsfunktion zu erfüllen und wenn der Schuh ein harter Kasten ist, wie ein Korsett, dann kann der Fuß seine Funktion gar nicht wahrnehmen.