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Schuhmuseum Hauenstein Ausstellung mit "Russenspielzeug"

Das Deutsche Schuhmuseum in Hauenstein zeigt Spielzeug, zu dem die Menschen dort eine besondere Beziehung haben. Es wurde vor rund 70 Jahren gefertigt - und gegen Brot getauscht.

Spielzeug

Der Hühnerhof blieb in besonderer Erinnerung.

Herbert Johann wurde 1934 in Hauenstein geboren. Er erlebte den Zweiten Weltkrieg als Kind hautnah mit. Auch, dass russische und ukrainische Gefangene in den letzten Monaten des Krieges im Hauensteiner Wald arbeiten mussten. "Ich war halt neugierig. Und selbst für unsere Verhältnisse waren die Russen arme Hunde", erinnert sich Herbert Johann.

Kinderspielzeug fürs Überleben

Die rund 40 abgemagerten Gefangenen erhielten ein Minimum an Essen und Trinken, damit sie gerade so am Leben blieben. Die Fingerfertigen unter ihnen kamen schließlich auf die Idee, aus Holzresten Kinderspielzeug zu schnitzen. Dieses tauschten sie dann mit den Hauensteiner Kindern - gegen etwas zu essen. Die Kinder freuten sich natürlich über das sogenannte „Russenspielzeug“, erzählt Herbert Johann. "Es war uns egal, dass das Russen waren."

Hühnerhof bleibt in Erinnerung

Unter diesen Russen waren wahre Meister der Schnitzkunst. Eines der Spielzeuge blieb Herbert Johann bis heute besonders in Erinnerung: Eine Gruppe Hühner auf einem Holzbrett. An ihre Köpfe waren Schnüre gebunden, die mit einem Gewicht unterhalb des Brettes verbunden waren. Bewegte man das Gewicht hin und her, fingen die Hühner an zu picken. So etwas hatten die Hauensteiner Kinder zuvor noch nie gesehen - und auch danach nicht mehr. Bis Herbert Johann den Hühnerhof jetzt in der Ausstellung des Deutschen Schuhmuseums wiederentdeckte: "Zu so altem Spielzeug – da gibt es ein geheimnisvolles Band, das nie zerschnitten wird."

Spielzeug

Die Sonderausstellung im Deutschen Schuhmuseum läuft bis zum 3. Mai.

"Zeitgeschichtlicher Wert"

Auch für die anderen Hauensteiner sind diese Schnitzereien eine unschätzbar wertvolle Erinnerung an ihre Kindheit, sagt Willy Schächter. Er leitet das Deutsche Schuhmuseum und hat die Ausstellung organisiert. "In manchen Familien haben diese Spielzeuge einen immer währenden Platz. Diese Dinge haben einen unheimlichen heimatgeschichtlichen und sozialgeschichtlichen Wert, der immer größer wird, je weiter sich die Zeit von damals entfernt. Ein ganz einfaches Stückchen Holz mit einer Mechanik drin ist ein Zeichen seiner Zeit."