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Fußball | 1. FC Kaiserslautern Absturz wäre Super-Gau für Stadt und Verein

Tabellenletzter, Zuschauer-Minusrekord beim Heimspiel gegen Aue - der 1. FC Kaiserslautern torkelt dem Abstieg in die 3. Liga entgegen. Für Verein und Stadt der größte anzunehmende Unfall.

Fritz-Walter-Stadion aus der Luft

Was auf dem Betzenberg passiert, kann der Stadt nicht egal sein. (Archivbild)

Dem 1. FC Kaiserslautern droht nach einem Abstieg sportlich und finanziell auseinander zu brechen. Spieler, die keinen Vertrag für die 3. Liga haben, würden den Verein wahrscheinlich verlassen. Wieder mal stünde der Kader vor einem großen Umbruch, dieses Mal aber unter wesentlich schlechteren finanziellen Bedingungen.

Der FCK müsste beim DFB für die 3. Liga eine Lizenz beantragen und genaue Kostenpläne für den Spielerkader vorlegen. Wahrscheinlich müsste der Verein auch auf Spieler aus der eigenen U23-Mannschaft (derzeit Oberliga und damit fünftklassig) zurückgreifen. Kenner der Szene bezweifeln daher, ob der FCK überhaupt in Liga drei bestehen könnte - auch und insbesondere aus wirtschaftlichen Gründen.

Stadion verschlingt jährlich zehn Millionen Euro

Michael Klatt

Für FCK-Finanzvorstand Michael Klatt wäre die dritte Liga unter den gegebenen Umständen "nicht leistbar". (Archivbild)

Fernsehgelder und Zuschauereinnahmen wären wesentlich geringer, die Kosten für das schon für die 2. Bundesliga überdimensionierte Stadion aber blieben. Allein die Pacht kostet momentan 2,4 Millionen Euro pro Jahr, dazu kommt der laufende Betrieb (Platzunterhalt, Sicherheitsdienst etc.). Alles in allem fallen so jährlich etwa zehn Millionen Euro an.

Das ist schon in der 2. Liga ein Klotz am Bein, in der 3. Liga wäre das für die Roten Teufel nicht mehr zu stemmen. Das weiß auch FCK-Finanzvorstand Michael Klatt: "Die zehn Millionen Euro sind in der dritten Liga natürlich nicht leistbar", sagte er im April dieses Jahres, als der FCK ebenfalls gegen den Abstieg kämpfte.

Freiwilliger Abstieg in Regionalliga?

Alternativ könnte der FCK sich überlegen, ob er freiwillig in die höchste Amateurklasse, die Regionalliga, absteigt, um einen kompletten Neuanfang zu wagen. Das Problem des zu teuren Stadions bliebe aber, und eine alternative Spielstätte zum Betzenberg gibt es nicht. Unter diesen Umständen befürchten viele Kenner der Szene, dass der Traditionsverein bei einem Abstieg vor dem Aus stehen könnte - und damit auch die rund 60 FCK-Mitarbeiter in der Geschäftsstelle.

Betzenberg ist Schuldenberg

Porträtfoto OB Klaus Weichel

OB Klaus Weichel bangt um seinen Stadion-Pächter FCK. (Archivbild)

Auch für die Stadt Kaiserslautern wäre ein FCK-Abstieg ein Desaster - oder wie Oberbürgermeister Klaus Weichel (SPD) schon im April erklärte: ein "Super-Gau". Jedes Jahr muss die städtische Stadiongesellschaft 2,9 Millionen Euro Zinsen für das Stadion zahlen. Zinsen für einen Kredit von 65 Millionen Euro. Diese Summe hatte die Stadt für den Kauf des Stadions und dessen Ausbau aufbringen müssen.

Kaiserslautern in der Zwickmühle

Bei einem Abstieg wird der FCK aber kaum noch Pacht zahlen können. Der FCK denkt da an 675.000 Euro (statt 2,4 Millionen). Eine heikle Debatte, gesteht Weichel: "Das ist in der derzeitigen Situation, in der wir an vielen Stellen hohe Sparauflagen zu erfüllen haben, ein schwer zu vermittelndes Politikum."

Doch die Stadt steckt in der Zwickmühle, denn der FCK ist der einzige Pächter des Stadions. Fällt er weg, hätte die Stadiongesellschaft überhaupt keine Einnahmen mehr und stünde - so oder so - vor der Pleite.