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Flugzeugunglück in den französischen Alpen Co-Pilot hatte früher Suizidabsichten

Der Co-Pilot der Germanwings-Maschine galt vor seiner Karriere als Berufspilot als suizidgefährdet. Er war damals in psychotherapeutischer Behandlung. Das hat die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft mitgeteilt.

Eine Pilotenkappe und Schulterpolster liegen auf einem Tisch mit einem Stethoskop

Der Co-Pilot aus Montabaur galt vor seiner Pilotenkarriere als selbstmordgefährdet

Die Behandlung sei erfolgt, bevor der Mann den Pilotenschein erwarb. Er habe dann später und bis zuletzt weitere Ärzte besucht und es habe Krankschreibungen von Neurologen und Psychiatern gegeben. Darin sei aber weder Suizidgefahr noch mögliche Aggressivität gegen andere attestiert worden. 

Der Lufthansa-Konzern, zu dem Germanwings gehört, hatte bereits öffentlich gemacht, dass es in der Pilotenausbildung des Mannes vor sechs Jahren eine mehrmonatige Unterbrechung gab, aber nichts zu den Gründen gesagt. Bei dem 27-Jährigen zuhause hatten Ermittler zerrissene Krankschreibungen gefunden, unter anderem auch für den Tag des Unglücks.

Keine Hinweise auf organische Probleme

Hinweise auf ein organisches Leiden gebe es in den ärztlichen Dokumentationen bislang nicht, so die Staatsanwaltschaft weiter. Dies gelte auch für die angeblichen Augenprobleme, über die Medien berichtet hatten.

Die Ermittler haben seit Montag auch Zugriff auf Krankenhaus-Akten des Co-Piloten, wie eine Sprecherin des Uniklinikums Düsseldorf sagte. Der Mann war vor einigen Wochen als Patient an die Klinik gekommen. Dabei ging es den Angaben zufolge um "diagnostische Abklärungen", die aber bislang offiziell nicht näher erläutert wurden.

Keine Ankündigung gefunden

Auch fehlten nach wie vor belegbare Hinweise darauf, dass der 27-Jährige die Tat ankündigt oder sich dazu bekannt habe. Ebenso wenig sind im unmittelbaren persönlichen und familiären Umfeld oder am Arbeitsplatz besondere Umstände bekannt geworden, die tragfähige Hinweise über ein mögliches Motiv geben können.

Zu den neuesten Erkenntnissen der Ermittler äußerte sich die Lufthansa am Montag inhaltlich nicht. Die ärztliche Schweigepflicht gelte auch gegenüber dem Arbeitgeber, erklärte eine Sprecherin des Konzerns.

Der 27-Jährige wird verdächtigt, den Absturz eines Airbus A320 am vergangenen Dienstag vorsätzlich verursacht zu haben. Alle 150 Menschen an Bord starben.

In der Düsseldorfer Sonderkommission "Alpen" beschäftigen sich aktuell etwa 100 Ermittler mit dem Absturz der Airbus-Maschine. Wie aus den Aufzeichnungen des Stimmenrekorders hervorgeht, war der Pilot zu diesem Zeitpunkt aus dem Cockpit ausgesperrt. Die französischen Ermittler konzentrieren sich deshalb auf den Co-Piloten, untersuchen aber weiterhin auch die Möglichkeit eines technischen Defekts.