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Enttäuschung im Landtagsausschuss Studien zu Kerosin-Ablass zu alt und ungenau

Welche Auswirkungen hat der Kerosin-Ablass von Flugzeugen auf Menschen, Tiere und Natur? Beantwortet wurde die Frage im Umwelt- und Verkehrsausschuss im Landtag nicht. Es fehlt an Daten.

2:04 min | Di, 14.11.2017 | 19:30 Uhr | SWR Fernsehen RP

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Pfälzer Wald

Auswirkungen des Kerosinregens bleiben unklar

Das Bundesumweltamt plant keine eigenen Messungen, wie viel Kerosin auf dem Pfälzer Waldboden ankommt. Aufwand und Kostenaufwand seien zu hoch. Fest steht: Am Kerosinregen über der Pfalz wird sich so schnell nichts ändern.

Zu der Anhörung im Landtag waren auch Experten des Umweltbundesamtes, des Landesamts für Umwelt, Vertreter der Lufthansa und der Deutschen Flugsicherung geladen. "Es fehlen Informationen, wann, wo, wie oft 'Fuel Dumpings' auftreten und in welchen Mengen", sagte Stefan Hill vom Landesamt für Umwelt.

Diese Daten seien nötig, um die Auswirkungen auf die Umwelt und die Gesundheit des Menschen festzustellen. Abhilfe schaffen könnte eine Meldekette, die solche Fälle direkt an rheinland-pfälzische Behörden weitergibt.

Aktuellste Studien 25 Jahre alt

Einige Abgeordnete forderten neue Studien. Die aktuellsten seien mindestens 25 Jahre alt. Lars Mönch vom Umweltbundesamt sagte, die Behörde plane, mit dem Bundesumweltministerium ein Forschungsprojekt über "Fuel Dumping" auszuschreiben. Dabei sollen aber im Interesse einer baldigen Veröffentlichung zunächst nur bereits existierende Daten und Ergebnisse zusammengefasst werden.

Der Ausschussvorsitzende Thomas Weiner (CDU) kritisierte, er sei nicht zufrieden mit der Auskunft - "wenn sogar das Bundesumweltamt sich außer Stande sieht, Messungen durchzuführen".

Zur Abhilfe schlug er eine Zusammenarbeit der Umweltämter in den einzelnen Bundesländern vor. 2016 ließen Flugzeuge mehr als 241 Tonnen Kerosin über Rheinland-Pfalz ab.

Rheinland-Pfalz besonders häufig betroffen?

Flugzeuge, die sich in einer Notlage befinden, müssen Treibstoff ablassen, um sicher landen zu können. Laut Umweltministerium weist die Flugsicherung den Piloten dann ein entsprechendes Gebiet zu.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Alexander Schweitzer kritisierte im Vorfeld der Anhörung, dass Rheinland-Pfalz im Bundesvergleich besonders häufig von den Kerosin-Ablässen betroffen sei. Vor allem den Pfälzerwald trifft es häufig. Erst Mitte Oktober hatte ein Airbus 40 Tonnen Kerosin bei Trippstadt (Landkreis Kaiserslautern) abgelassen. Es war das dritte Mal in diesem Jahr über der Pfalz.

Klare Vorgaben für Kerosinablass

Wo ein Flugzeug Kerosin ablassen darf, ist klar geregelt: Beispielsweise darf das Gebiet nicht dicht besiedelt sein und es darf dort kein Chemieunternehmen in der Nähe geben. Außerdem muss das Flugzeug auf mindestens 6.000 Fuß Höhe sein. Das Problem ist: Wenn ein Flugzeug in Frankfurt startet und Richtung Westen fliegt, dann bemerkt der Pilot technische Probleme meist, wenn er über der Pfalz ist.

Er meldet einen Notfall und sucht gemeinsam mit der Flugsicherung den nächstmöglichen Ort, wo Kerosin abgelassen werden darf, damit er umkehren und wieder sicher in Frankfurt landen kann. Weil auf den Pfälzerwald alle Kriterien zutreffen, ist diese Region regelmäßig betroffen.

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