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Detektivarbeit Elena Ferrante Anonyme Erfolgsautorin mit Wormser Wurzeln

Eine Unbekannte landet einen globalen Romanerfolg - die neapolitanische Saga "Meine geniale Freundin" erscheint unter dem Pseudonym Elena Ferrante. Den bürgerlichen Namen der Autorin kannte bis vor kurzem keiner. Doch jetzt ist ihr ein italienischer Journalist auf die Spur gekommen.

Eine Geschichte, die die Welt verzaubert. Der Roman "Meine geniale Freundin" trifft den Geschmack der Leserinnen und Leser - weltweit. Seit Wochen ist das Buch auf den deutschen Bestsellerlisten zu finden. Auch die drei Nachfolgebände werden garantiert Beststeller. In der Literaturgeschichte der letzten Jahrzehnte ist das eines der größten Rätsel und damit eine der größten Herausforderungen.

Der Roman "Meine geniale Freundin"

Der Roman ist unter einem Psyeudonym veröffentlicht.

Als Elena Ferrante gibt sich die Autorin aus. Ob der italienisch klingende Name eine Verbindung zur Romanhandlung hat, ist unklar - wie so vieles bei der Herkunft des Werkes. Es spielt sehr sachkundig in Neapel - aber wo wurde es geschrieben? Protagonistinnen sind zwei hochbegabte Mädchen, die in einem der Armenviertel dort zur Schule gehen. Sie verbindet eine innige Freundschaft.

Die Enthüllung

Der Verkaufserfolg spornte einige dazu an, das Geheimnis um die rätselhafte Unbekannte lüften zu wollen. Die endgültige Enttarnung gelang nun einem Italiener. Der Enthüllungsspezialist Claudio Gatti gab seine Rechercheergebnisse in vier internationalen Medien bekannt, unter anderem in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Er recherchierte Hinweise zu Elena Ferrante, hinter der sich die Übersetzerin Anita Raja verbergen soll.

Reinhart Pabst bei der Recherche

Reinhard Pabst recherchierte nach der Autorin von "Meine geniale Freundin".

Literaturdetektiv auf Spurensuche

Die Spur führt auch nach Deutschland, genauer: nach Rheinhessen, in die Stadt Worms. Hier sollen die Wurzeln Anita Rajas liegen. Neugierig geworden, begab sich Reinhard Pabst auf Spurensuche - ein Literaturwissenschaftler, der als Literaturdetektiv schon viele Rätsel hinter berühmten Büchern gelöst hat.
Tatsächlich wurde Pabst fündig - zwar nicht zu ihrer Person, jedoch zu Rajas Verwandten: Im Wormser Stadtarchiv stieß der Literaturwissenschaftler bei seiner Recherche auf einen Geburtsnachweis und ein Bild der Mutter von Anita Raja - Goldi Petzenbaum.

Geburtsurkunde der Mutter

Im Wormser Stadtarchiv findet sich der Geburtsnachweis der Mutter von Anita Raja.

Außerdem scheint die Autorin in der jüdischen Gemeinschaft von Worms verwurzelt zu sein. Worms war lange Zeit ein jüdisches Zentrum, bis zum Beginn der Naziherrschaft. So verweist Pabst auf weitere Spuren der Familie in einer Synagoge - dort erinnert eine Gedenktafel an die aus Worms stammenden jüdischen Holocaust-Opfer, unter anderem ist auch der Urgroßvater von Anita Raja genannt: Er wurde in Auschwitz geboren.

Eine Gedenktafel erinnert an die Opfer. Die Spur führt bis nach Frankfurt, wo Goldi Petzenbaum ihre Kindheit verbrachte, bis die Familie vor den Nazis fliehen musste. Eine spannende Geschichte – genauso spannend wie die Geschichte des Romans - vielleicht wollte die Autorin ja deshalb hinter ihrem Werk als Person zurücktreten. Reinhard Pabst schlägt vor, der Familie einen Stolperstein vor dem Frankfurter Wohnhaus zu widmen - mit dieser auch vom SWR unterstützten Aktion wird an die vertriebenen Juden in Deutschland erinnert.

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