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Absturz der Germanwings-Maschine Lufthansa soll in den USA verklagt werden

Vor rund einem Jahr sind 150 Menschen beim Absturz einer Germanwings-Maschine über Südfrankreich gestorben. Nun wollen die Hinterbliebenen die Lufthansa-Flugschule in Arizona/USA verklagen.

Eine Justitia, das Logo der Lufthansa und ein Teil des Flugzeuges nach dem Absturz der germanwings-Maschine in Frankreich im März 2015.

Hinterbliebene wollen Lufthansa in den USA verklagen

Dort sei auch der Kopilot Andreas L. aus Montabaur im Westerwald ausgebildet worden, der die Maschine den Ermittlungen zufolge mit Absicht zum Absturz gebracht hatte, teilte der Mönchengladbacher Rechtsanwalt Christof Wellens, der einen Großteil der Hinterbliebenen vertritt, am Freitag mit.

Die US-Kanzlei, die mit der Klage beauftragt sei, werde diese voraussichtlich noch vor dem Jahrestag des Absturzes in diesem Monat bei einem Gericht in Phoenix, der Hauptstadt des US-Bundesstaats Arizona, einreichen. "Der Pilot hat seine Pilotenausbildung 2009 wegen psychischer Probleme unterbrochen. Aus unserer Sicht hätte er danach keine Fluglizenz bekommen dürfen", sagte Wellens.

In den USA könnten pro Absturzopfer bis zu fünf Millionen Dollar geltend gemacht werden. Die Ansprüche müssten aber individuell begründet und errechnet werden, sagte Wellens. Es gehe um Schmerzensgeld, wirtschaftliche Verluste, Unterhaltsansprüche, Kosten für die Reisen zu den Gräbern sowie die Kosten für die psychologische Betreuung. Eine Gesamthöhe der Ansprüche nannte Wellens nicht.

Germanwings lehnt Verhandlungen mit US-Anwälten ab

Die Lufthansa-Tochtergesellschaft Germanwings wies die Ankündigung des Anwalts zurück. "Germanwings wird keine Verhandlungen mit US-amerikanischen Anwälten führen, da weder amerikanisches Recht Anwendung findet noch sich ein Gerichtsstand in den USA begründen lässt", hieß es in einer Stellungnahme. "Leider werden durch eine geringe Anzahl von deutschen Anwälten, die aber relativ viele Hinterbliebene vertreten, erforderliche Informationen zur Berechnung der materiellen Ansprüche, insbesondere zu Unterhaltsansprüchen, trotz wiederholter Bitten bisher nicht erteilt", heißt es darin weiter.

Dieses Vorgehen verzögere die Klärung offener Fragen und habe für die Angehörigen keine Vorteile. Germanwings und Lufthansa hätten größtes Interesse daran, den Angehörigen die ihnen zustehenden Schadensersatzzahlungen so schnell wie möglich zukommen zu lassen.

Entschädigungsangebote der Lufthansa zu niedrig

Die Anwälte der Angehörigen hatten der Lufthansa mehrfach mit einer Zivilklage in den USA gedroht, wo deutlich höhere Ansprüche geltend gemacht werden könnten. Über die juristische Konstruktion war aber bislang Stillschweigen bewahrt worden. Wellens und der Berliner Rechtsanwalt Elmar Giemulla vertreten Angehörige von Opfern des Unglücks vom 24. März 2015. Entschädigungsangebote des Germanwings-Mutterkonzerns Lufthansa hatten sie als zu niedrig abgelehnt. In den USA sei teilweise mit dem 20- oder 30-fachen Entschädigungsbetrag des deutschen Schadenersatzrechts zu rechnen.

Für jedes Opfer war nach Angaben von Germanwings eine Soforthilfe von 50.000 Euro gezahlt worden. Dazu sollen 25.000 Euro Schmerzensgeld für jeden Toten gezahlt werden. Nächste Angehörige sollten ohne weitere Prüfung 10.000 Euro bekommen. Dies lehnten die Anwälte als zu niedrig ab.

Die Germanwings-Maschine war bei dem Flug 4U9525 von Barcelona nach Düsseldorf an einem Berg zerschellt. Die Ermittler halten es für erwiesen, dass der Kopilot das Flugzeug absichtlich auf Crashkurs steuerte.