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20 Jahre jugendschutz.net Die Anwälte der Kinder im Netz

Tag für Tag sichten die Mitarbeiter von jugendschutz.net potenziell jugendgefährdende Inhalte im Internet. In 20 Jahren haben sie viel erreicht - aber fertig werden sie mit ihrer Arbeit nie.

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Kinderpornos, Enthauptungen, Hungerwettbewerbe - seit 1997 kämpfen die Mitarbeiter von jugendschutz.net von Mainz aus gegen jugendgefährdende Inhalte im Internet. Die Zahl der Texte, Bilder, Audios und Videos, die gegen den Jugendschutz verstoßen, ist unüberschaubar. "Alles im Blick behalten konnten wir noch nie, weil das Angebot im Internet unbegrenzt ist", sagt Leiter Friedemann Schindler. Kein Wunder, denn wer etwa bei Google nach dem Stichwort "Porn" für Pornografie sucht, erhält derzeit mehr als 1,8 Milliarden Treffer.

Die Internet-Fahnder konzentrieren sich deswegen auf diejenigen Angebote, die gezielt junge Nutzer ansprechen und die eine besonders große Reichweite haben. "Wir gehen nicht nur gegen einzelne Inhalte vor - unser Ziel sind strukturelle Verbesserungen", so Schindler. Er fordert, dass internationale Großanbieter wie YouTube oder Facebook bestimmte Inhalte komplett untersagen.

Psychologische Betreuung für Mitarbeiter

Angefangen hat die bundesweite Einrichtung mit anderthalb Stellen. Heute sind es 50. Wegen der oft krassen Bilder gibt es für die Mitarbeiter regelmäßige Überwachung, Notfallpläne und das Angebot, eine Trauma-Fachberaterin zu sprechen. "Bei uns besteht immer die Gefahr von Traumatisierung", gibt Schindler zu. Einige Mitarbeiter hätten die Konfrontation nicht ertragen können und die Einrichtung verlassen. "Im Extremfall sehen wir Propaganda-Videos mit massenhaften Enthauptungen und Vergewaltigungen von kleinen Kindern. Die Wirkmacht solcher Darstellungen erleben wir täglich", sagte Schindler. Schlimm sei auch die Situation der Ohnmacht, wenn Kinder im Internet Selbstverletzungen und Suizide androhen. Man könne leider nicht immer etwas tun.

Neu im Aufgabenbereich der Internet-Fahnder seien Hungerwettbewerbe und die Verherrlichung von Selbstgefährdungen. Auch werden in Netz Legal Highs beworben, also neue Drogen, die noch nicht geprüft und als gefährlich eingestuft sind. "Das wird gezielt an Jugendliche vermarktet, auch mit Probepäckchen", erklärt Schindler. Und auch der sogenannte Islamische Staat (IS) spreche ebenfalls gezielt Kinder an.

Schnellere Löschroutinen und neue Technologien

Die wichtigste Aufgabe seines Teams sei, die jugendgefährdenden Inhalte möglichst rasch verschwinden zu lassen, sagt Schindler. Bei drei Viertel der Verstöße gelänge das auch schnell. So seien die Mitarbeiter bei YouTube zum Beispiel sogenannte Trusted Flagger, also vertrauenswürdige Markierer, weswegen die Videoplattform das beanstandete Angebot in der Regel innerhalb einer Stunde lösche.

Ein wichtiges Stichwort ist für Schindler das Safety by Design, also Sicherheitsmaßnahmen, die schon bei der Entwicklung eingebaut werden. "Derzeit werden viele Dienste auf den Markt geschmissen und dann stellt man fest: Huch, da sind ja auch Kinder." Es sei mehr Vorausschau nötig, um Konfigurationseinstellungen für Kinder und Beschwerdemechanismen direkt mit einzubauen.

Foto-DNA soll Hassinhalte erkennen

Desweiteren testen seine Mitarbeiter derzeit eine Texterkennung von Facebook sowie eine Foto-DNA von Microsoft, welche bekannte Hassinhalte selbstständig identifizieren können. Die Beispiele sind schwer verdaulich: "Zum Beispiel wurde eine Gaskammer gezeigt mit der Anzahl der Kalorien, die durch die Verbrennung eines Juden erzeugt werden."

Eines ist sicher: Die Arbeit wird Schindler und seinen Kollegen nicht ausgehen. Die schrecklichen Bilder motivierten sie immer wieder, mit vollem Einsatz gegen Hass, Gewalt und Ausbeutung vorzugehen, so Schindler. "Wir sehen uns als Mahner und Anwalt von Kindern im Netz."