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Kulturgespräch 18.3.2013 Der Streit um den Bau des Romantik Museums in Frankfurt

Rüdiger Safranski, Philosoph, über ein Romantikmuseum für Frankfurt

Über 1.000 Kisten mit Handschriften, Briefen, Grafiken und Gegenständen romantischer Geistesgrößen lagern in einem Frankfurter Keller - gleich neben Goethes Geburtshaus. Eigentlich sollten sie künftig in einem eigenen Museum ausgestellt werden. Ein passendes Haus war schon gefunden, Bund und Land hatten acht Millionen Euro an Zuschüssen zugesagt. 2014 sollten die Bauarbeiten losgehen. Doch die Stadt muss sparen und hat deswegen die Pläne wieder einkassiert. Jetzt geht ein Aufschrei durch die Kulturszene, prominente Kulturschaffende haben eine Petition für das Museum unterzeichnet. Unter ihnen auch der Philosoph Rüdiger Safranski, der sich 2007 in seinem Buch „Romantik“ ausführlich mit der Epoche beschäftigt hat.

Ihre große Bedeutung verdankt die Bibliothek Goethe. Er hat viele tausend Bücher anschaffen lassen.

Ihre große Bedeutung verdankt die Bibliothek Goethe. Er hat viele tausend Bücher anschaffen lassen.

Herr Safranski, Frankfurt hat in den letzen Jahren mit vielen Veranstaltungen dafür gesorgt, dass das Thema Romantik in aller Munde ist – zuletzt sehr erfolgreich das Städel Museum mit der Ausstellung „Schwarze Romantik“.

Braucht die Stadt deswegen gleich ein eigenes Romantik-Museum?

Es ist in Frankfurt einfach schon sehr viel da an Schätzen aus der Romantik, von Manuskripten bis zu Bildern.

Wenn im Ausland das Besondere der deutschen Kultur hervorgehoben wird, dann heißt es immer: das Romantische. Eine Kultur, die aus dem Wald kommt – das ist für das Ausland die deutsche Kultur. Und da gehört Goethe natürlich dazu. Deshalb wäre Frankfurt ein sehr guter Ort für ein Romantik-Museum, weil dort das Goethe-Haus steht.

Goethe war eine zentrale Figur für das Anstoßen dieser ganzen romantischen Epoche. Goethe war der Held des „Sturm und Drang“, wie man die Epoche davor nannte. Die Romantik ist die Fortsetzung des „Sturm und Drang“ mit anderen Mitteln. So ist Goethe der Vater der Romanik.

Diese literaturwissenschaftliche Unterteilung – Goethe ist Klassik und die Romantik ist etwas ganz anderes – muss man auflösen. Dann wird man sehen, dass Goethe eine zentrale Figur der Romantik ist. Und da wir nun in Frankfurt also den Goethe haben, wäre es schön, wenn seine wilden Söhne und Töchter, die Romantiker, dort in einem Museum untergebracht wären.

Die Romantik ist eine ungeheuer wichtige Epoche im kulturellen Leben in Deutschland. Wir können ein richtig großes, schön ausgestattetes Museum zur Romantik gut vertragen.

Welche Rolle hat Frankfurt selbst denn in der Romantik gespielt, doch keine besonders herausragende, oder?

Frankfurt hat eine wichtige Rolle gespielt. Die Romantik hatte mehrere Zentren: Jena, Berlin, Heidelberg. Aber eben auch Frankfurt.

Ich muss nur an die Namen Clemens Brentano und Bettina von Arnim, geborene Brentano erinnern. Bettina von Arnim ist ein echtes Frankfurter Gewächs. Und vor allem natürlich Goethe selbst. Vor allem über diese Verknüpfung mit Goethe legitimiert sich ein romantisches Zentrum in Frankfurt.

Wenngleich Goethe in späteren Jahren kein sehr inniges Verhältnis zu Frankfurt hatte. Kritiker sagen, Frankfurt sei eigentlich nicht der richtige Ort für dieses Haus. Sehr viel eher sei Berlin zu nennen. Können Sie diese Einwände verstehen?

Ich habe überhaupt nichts dagegen, wenn ein Wettstreit der Städte um die Romantik losginge. Das ist ja erst mal gut.

Ich persönlich meine, Frankfurt ist eine sehr gute Adresse. Auch weil es eine günstige Konstellation ist: Da wird neben dem Goethe-Haus eine Immobilie frei. Und vielleicht kriegen wir es ja hin, dass sich die privaten Spender jetzt mal richtig ins Zeug legen.

Frankfurt, die Stadt der Banker  – wenn nur ein Teil der Frankfurter Banker einen kleinen Teil ihrer Boni abgäbe, dann hätten wir schon eine wunderbare Anschubfinanzierung.

Man muss auch ein bisschen träumen dürfen.

Das ist in der Tat richtig.

Man muss jetzt auch nicht nur auf den Staat blicken. Jetzt ist auch die Stunde der privaten Mäzene gekommen. Die müssen mal raus aus dem Busch.

Der Verein „Freies Deutsches Hochstift“ hat in über 100 Jahren mehr als 1.000 Kisten Archivmaterial zur Romantik gesammelt. Bislang lagert das Ganze im Keller. Was verbergen sich denn da für Schätze?

Das sind Manuskripte und Briefwechsel. Auch der wunderbare Briefwechsel Karoline von Günderodes, einer großen Romantikerin. Da ist einiges von Clemens Brentano und von Bettina von Arnim. Auch der Nachlass von Savigny – Friedrich Carl von Savigny – dem Begründers der Historischen Rechtsschule in der Romantik. Also, für Philologen ist das reiche Beute.

Man muss aber natürlich auch überlegen, wie man das präsentieren kann, damit ein größeres Publikum etwas davon hat – und das auch in Verbindung mit den anderen kulturellen Gegenständen dieser Epoche, etwa in Verbindung mit der Malerei.

Das würde das Gefühl für diese Epoche verstärken, besonders eben in unmittelbarer Nachbarschaft zum Goethe-Haus. Dort wurde die Präsentation – auch der literarischen Materialen – so vorgenommen, dass man gerne dorthin geht. So könnte ich mir das auch im Romantik-Haus in Frankfurt vorstellen.

Herr Safranski, meinen Sie, es ist nur noch eine Standortfrage? Oder kann es auch passieren, dass diese Schätze weiterhin in Kisten versteckt bleiben und gar nicht den Weg an die Öffentlichkeit finden?

Ja, das kann schon passieren. Und das müsste man doch eigentlich verhindern.

Wie viel Hoffnung haben Sie, dass es gelingt?

Zuerst dachte ich: Oh Gott, da kräht ja kein Hahn danach. Aber jetzt bemerke ich, dass es doch eine Öffentlichkeit dafür gibt. Das Thema ist aktuell. Auch wir sprechen jetzt darüber

Ich muss sagen: Ich hoffe inständig auf eine kulturelle Großzügigkeit. Auch von Leuten, die Geld haben.


Das SWR2 Kulturgespräch mit dem Philosophen und Schriftsteller Prof. Rüdiger Safranski führte Ulla Zierau am 18.3.2013 um 7.45 Uhr.