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Rohstoff-Krimi Wie der Ölpreis die Welt regiert

Heizöl und Sprit sind so günstig wie seit vier Jahren nicht. Jetzt geht ein Riss durch die Organisation der erdölexportierenden Länder (OPEC): Wer entscheidet über die Entwicklung des Ölpreises?

Ein Mitarbeiter eines Heizöllieferanten bereitet die Betankung eines Mehrfamilienhauses mit Heizöl vor

Sprit oder Heizöl? Halb so schlimm - die Preise sind derzeit im Keller

Autofahrer freut es: Um gut 30 Prozent ist der Ölpreis seit Juni abgestürzt. An der Tankstelle sind Benzin und Diesel derzeit so günstig, wie seit vier Jahren nicht mehr. Weniger toll finden das die Länder, die vom Ölexport leben. Die zwölf Mitglieder der Organisation der erdölexportierenden Länder (OPEC) treffen sich in Wien und wollen über künftige Förderquoten und den stark gesunkenen Ölpreis beraten.

Was macht das OPEC-Treffen dieses Mal so spannend?

Ölfördertürme

Die wichtigsten ölfördernden Länder diskutieren über den Ölpreis

Die Spannung kommt daher, weil sich der Ölpreis seit Monaten nahezu im freien Fall befindet. Der Preis für das Fass liegt aktuell bei unter 75 US-Dollar. Das macht einigen Ländern - etwa Venezuela oder Iran, aber auch Russland - gerade echte Probleme. Sie sind ganz stark von den Einnahmen aus dem Ölgeschäft abhängig und hätten deshalb gerne, dass der Ölpreis möglichst schnell wieder steigt - und zwar am besten auf über 100 US-Dollar.

Warum ist Rohöl aktuell so billig?

Egal, wie tief der Rohölpreis sinkt, wird der Liter Benzin in Deutschland mindestens 65,5 Cent kosten, und der Liter Diesel 47 Cent. Denn so hoch ist allein die Mineralölsteuer pro Liter. Andere Steuern und Abgaben kommen noch oben drauf.

Das hat zwei Gründe: Zum einen die geringere Nachfrage, weil etwa Volkswirtschaften in Asien und Europa in diesem Jahr langsamer gewachsen sind als gedacht und dadurch weniger Öl verbrauchen. Zum anderen, weil es ein viel größeres Angebot an Rohöl gibt. Das liegt vor allem an den USA und dem dort praktizierten Fracking, was ja umweltpolitisch umstritten ist.

Eine Fracking Anlage in Pennsylvania, USA

Fracking: In den USA hochgepriesen, in Deutschland stark umstritten

Das Fracking hat dazu geführt, dass die USA innerhalb weniger Jahre zum aktuell größten Ölproduzenten der Welt aufgestiegen sind. Die Amerikaner heben auf Teufel komm raus mit Hilfe des Frackings alle ihre Ölreserven. In nur sechs Jahren haben sie 70 Prozent mehr Rohöl gewonnen.

Beides zusammen - weniger Nachfrage und höheres Angebot - führt zu dem aktuell niedrigen Ölpreis, der hier bei uns sogar noch niedriger wäre, wenn nicht der Euro gegenüber dem Dollar so an Wert verloren hätte, denn Rohöl wird in Dollar bezahlt.

Jetzt wollen Iran, Venezuela und Russland, dass der Ölpreis wieder steigt. Wie stehen denn die Chancen?

Das ist die große Frage. Es kommt hier vor allem auf ein Land an - auf Saudi-Arabien. Denn die Saudis haben die Hand am Zapfhahn, sie beherrschen bis zu 30 Prozent der Rohölförderung und verfügen vor allem über das größte Rohöl-Vorkommen. Die Frage ist also: Was wollen die Saudis letztlich? Dazu gibt es zwei Theorien:

Straßenschild, das vor Kamelen warnt

Die Saudis sind entscheidend

Die einen sagen, die Saudis wollen weiter billiges Öl, weil je billiger der Preis, desto unrentabler wird für die USA ihr Fracking. Die Saudis wollen also die noch jungen amerikanischen Schieferöl-Produzenten durch einen niedrigen Preis austrocknen.

Die anderen sagen, die Saudis seien eigentlich nur der verlängerte Arm der USA. Der Ölpreis werde deshalb nicht noch weiter sinken, aber sich auf dem jetzigen Niveau einpendeln.

Der Ölpreis ist auch immer politisch. Wenn man schaut, welche Länder unter dem niedrigen Ölpreis leiden - Iran, Venezuela und Russland - sieht man, dass das den USA in die Hände spielt: Weil sie mit Russland über die Ukraine streiten, mit dem Iran über das Atomprogramm und Venezuela ihnen mit seiner sozialistischen Führung im Hinterhof der USA sowieso ein Dorn im Auge ist. Dass also der Ölpreis auf diesem Niveau bleiben wird, ist zu vermuten - letztlich als politisches Machtinstrument der USA.

Online: Heidi Keller