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Riester-Rente Gescheitert oder schlecht geredet?

Zu bürokratisch, zu teuer, zu wenig Rendite: Auch 15 Jahre nach der Einführung reißt die Kritik an der Riester-Rente nicht ab. Sind die Ideen des frühere Arbeitsministers gescheitert?

Von Mathias Zahn

Das Versprechen bei der Einführung der Reform vor 15 Jahren war vollmundig. Was Arbeitsminister Walter Riester damals sagte, hört sich heute an wie Hohn: "Jede Rentnerin und jeder Rentner wird nicht nur jetzt, sondern auch in Zukunft mehr Rente erhalten, als nach dem alten Recht."

Riester hatte versprochen, wer vier Prozent seines Einkommens in die private Vorsorge investiert, könne damit seinen Lebensstandard auch im Alter sichern. Doch in Zeiten von Null-Zinsen hat sich längst Ernüchterung breit gemacht. Riester bringt die versprochenen Renditen nicht ein. In vielen Angeboten lauern versteckte Kosten.

"Bei der Riester-Rente ist das Problem, die muss verkauft werden und verkauft wird das, was Provisionen bringt", sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. "Wenn man sich anschaut, wie teuer die Produkte sind, dann stellt man fest, bei ein bis zwei, zweieinhalb Prozent jährlich liegen die Kosten. Und das geht von der Rendite runter. Das bedeutet auf lange Sicht eine halb so hohe Rente für junge Leute."

Vor allem für Geringverdiener?

Immerhin: Nach einer Studie der Deutschen Rentenversicherung lohnt sich Riester vor allem für Geringverdiener und für Versicherte mit Kindern. Das Problem: Geringverdiener riestern kaum. Die Grünen fordern deshalb eine Extra-Förderung für alle, die wenig verdienen.

In der Großen Koalition halten sie davon aber nichts. Man habe schon viel verbessert, so der CDU-Rentenpolitiker Peter Weiß kürzlich in einer Bundestagsdebatte: "Wir haben ein einheitliches Produktions-Informationsblatt neu eingeführt, aus dem man wirklich mehr Transparenz gewinnen kann. Wir haben die Wechselkosten beim Anbieterwechsel begrenzt. Und wir haben die Förderung für Kinder verbessert."

Für die Gewerkschaften ist Riester gescheitert

Alles das überzeugt die Gewerkschaften nicht. Riester ist gescheitert, meint DGB-Vorstand Annelie Buntenbach: "Es funktioniert ganz offensichtlich nicht, dass jemand den Lücken in der eigenen Rentenbiografie mit Hilfe von Riester hinterherspart."

Die Arbeitgeber sehen das ganz anders. Nach ihrer Meinung wird Riester schlecht geredet. Gerade Geringverdiener profitierten sehr wohl, sagt Florian Swyter von der Arbeitgebervereinigung BDA. Er rechnet vor: Spart ein Mini-Jobber mit zwei Kindern nur fünf Euro pro Monat an, kann er satte staatliche Zuschüssen bekommen. Gut 750 Euro im Jahr. "Mir fällt kein Förderungsinstrument ein, das zielgenauer mit staatlichen Hilfen eine zusätzliche Altersvorsorge aufbauen kann", sagt Swyter.

Das Fazit: Die Riester-Rente kann sich für Einzelne lohnen. Ist aber längst nicht das von der Regierung versprochene Allheilmittel. Niedrige Zinsen und magere Renditen gefährden das gesamte Geschäftsmodell. Es bleibt ein großes Fragezeichen hinter Riester.

Online: Peter Mühlfeit und Christine Trück