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In drei Wochen beginnt wieder die Schule in Rheinland-Pfalz - zwar mit Mundschutz, aber ohne Abstand. Gewerkschaften und Elternvertreter sehen die Schulen aber nicht für eine zweite Welle gerüstet.

An den Schulen selbst bereitet man sich laut Bildungsministerium derzeit auf drei verschiedene Szenarien vor: Regelbetrieb ohne Abstandsgebot, Eingeschränkter Regelbetrieb mit Abstandsgebot und die temporäre Schulschließung.

  • Szenario 1: Regelbetrieb, der mit begleitenden Hygienemaßnahmen wie beispielsweise regelmäßigem Lüften sowie dem Tragen von Mund-Nasen-Schutz-Masken in den Pausen und auf den Gängen flankiert wird.
  • Szenario 2: Rollierendes System - Wechsel zwischen Präsenz und Fernunterricht
  • Szenario 3: Fernunterricht aufgrund temporärer lokaler, regionaler oder überregionaler Schulschließungen

Das Problem: Den Schulen mangelt es laut Bildungsverbänden und Gewerkschaften an Unterstützung und Regelungen vom Land. Egal welches Szenario eintrete, Schulen müssten bei der Vorbereitung unterstützt werden und diesmal klare Hilfen an die Hand bekommen, sagt Gerhard Bold, Vorsitzender vom Verband für Bildung und Erziehung (VBE) in Rheinland-Pfalz dem SWR.

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Einer zweiten Welle könne grundsätzlich nur durch Regelungen vom Land wie beispielsweise eine zweiwöchige Quarantäne nach Rückkehr aus Urlaubsgebieten vorgebeugt werden, sagt Bold.

Schulen auf sich gestellt

So seien Schulen verpflichtet, ein Konzept zu erarbeiten und dieses bis zum Ende der Sommerferien der Schulaufsicht vorzulegen. Doch bei der Erarbeitung seien Schulen auf sich allein gestellt.

"Leitlinien und Vorschläge für diese Konzepte wären wünschenswert gewesen", so der VBE - "ebenso eine frühzeitige Information weit vor Beginn der Sommerferien, um entsprechende Konzepte mit genügend Vorlauf und Vorbereitungszeit anzufertigen."

Auch der Vorsitzende der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Rheinland-Pfalz, Klaus-Peter Hammer, sieht schwarz: "Schulen sind nicht in der Lage, sich vorzubereiten." Lehrer müssten begleitet werden und Schulen benötigten ein Netzwerk, um voneinander zu lernen, sagt er dem SWR.

Fehlende Endgeräte bei möglicher zweiter Welle ein Problem

Doch wie sollen sich Schulen auf eine zweite Welle vorbereiten, wenn es schon an den grundlegenden Dingen scheitert? Den VBE erreichen weiterhin zahlreiche Fragen von Kollegen, die sich beispielsweise nach der Nutzung privater Endgeräte und den damit verbundenen Datenschutz erkundigen. Solche Informationen hätten schon vorab für alle Lehrkräfte und Schulleitungen im Land gesammelt werden müssen, mahnt der VBE.

Aber nicht nur das: Lehrkräfte und Schüler müssten immer noch für den möglichen Fernunterricht nach den Sommerferien mit Endgeräten ausgestattet werden, sagt Bold. Der Umgang mit Hard- und Software sei vielen fremd und müsse außerdem geschult werden.

NRW stattet Lehrer mit Laptops aus

Noch arbeiteten beinahe alle Lehrkräfte mit ihrem privaten Endgerät - anders als in Nordrhein-Westfalen. Dort wurde beschlossen, dass auch Lehrer mit Laptops oder Tablets ausgestattet werden. "Darauf warten wir in Rheinland-Pfalz weiterhin vergebens", erklärt Bold.

Auch der Landeselternbeirat (LEB) in Rheinland-Pfalz macht sich mit Blick auf eine mögliche zweite Welle Sorgen. "Die Digitalisierung muss weiter und schneller ausgebaut werden", fordert der Vorsitzende Reiner Schladweiler. Dass das den Schulträgern gelingt, bezweifelt er stark. Das zeigten die Erfahrungen der Vergangenheit. "Die Digitalisierung hängt quasi in der Luft. Was nützt es, wenn vom Land viele Lehrkräfte geschult werden, aber vor Ort keine Leistung kommt?"

Mehr Geld für Bildung gefordert

Es müsse dringend eine Corona-Einstellungsoffensive stattfinden, fordert Schladweiler, damit die Schulen mehr Personal und ausgebildete Fachkräfte für Schulen bekämen.

Der VBE-Landesvorsitzende Bold sagte bei einer gemeinsamen Pressekonferenz der Lehrerverbände und des Landeselternbeirats am Mittwoch, durch Corona seien die größten Schwächen des Bildungssystems entlarvt worden. Das Bildungsministerium müsse endlich handeln. Es sei genug Geld da, dies müsse nun zielgerichtet ausgegeben werden.

Auch GEW-Vorsitzender Hammer äußert sich im SWR-Gespräch kritisch: "Bildung wird wichtig geredet, aber man will nichts ausgeben." Das Land müsse Gelder freisetzen, mehr Personal einstellen und Fachkräfte gewinnen. Vorher könnten sich Schulen nicht auf eine zweite Welle vorbereiten.

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